Kanzlerin Merkel Akuter Handlungsbedarf bei Aufklärung über Depressionen

Immer mehr Menschen erleiden einen Burnout, sagt die Kanzlerin. Hinter diesem Erschöpfungssyndrom stehen oftmals Depressionen. Nun will sie Aufklärung darüber. Ebenso über Antibiotika-Resistenzen.
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Die Kanzlerin spricht bei einer Konferenz des Internationalen Deutschlandforums. Quelle: dpa
Angela Merkel

Die Kanzlerin spricht bei einer Konferenz des Internationalen Deutschlandforums.

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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklärung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern darüber. Viele Menschen trauten sich nicht, über Depressionen zu sprechen und kehrten eine Erkrankung unter den Teppich, sagte Merkel am Mittwoch bei einer mit internationalen Experten besetzten Konferenz im Kanzleramt unter dem Titel „Was Menschen wichtig ist – Globale Gesundheit und Innovation“.

Merkel sagte, vom Kanzleramt bis zu Behörden und Unternehmen solle über Entstigmatisierung (Abbau von Vorurteilen) gesprochen werden: „Es ist in der Tat ein Thema, das uns alle zu Entwicklungsländern macht.“ Es leuchte jedem ein, wie eng physische und mentale Krankheiten zusammenhingen. „Gesundheit hat sehr viel mit der eigenen Würde zu tun“, sagte Merkel. Das Burnout-Problem, ein Erschöpfungssyndrom, nehme rapide zu.

Diese Berufe machen depressiv
Stress und Burnout
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Montagsblues

Besonders montags fällt es uns schwer, etwas positives am Arbeiten zu finden. Laut einer amerikanischen Studie dauert es im Durchschnitt zwei Stunden und 16 Minuten, bis wir wieder im Arbeitsalltag angekommen sind. Bei Menschen ab dem 45. Lebensjahr dauert es sogar noch zwölf Minuten länger. Doch es gibt nicht nur den Montagsblues: Manche Berufsgruppen laufen besonders stark Gefahr, an einer echten Depression zu erkranken...

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Journalisten und Autoren

Die Studie der medizinischen Universität von Cincinnati beinhaltet Daten von etwa 215.000 erwerbstätigen Erwachsenen im US-Bundesstaat Pennsylvania. Die Forscher um den Psychiater Lawson Wulsin interessierte vor allem, in welchen Jobs Depressionen überdurchschnittlich oft auftreten und welche Arbeitskriterien dafür verantwortlich sind. Den Anfang der Top-10-Depressions-Jobs macht die Branche der Journalisten, Autoren und Verleger. Laut der Studie sollen hier etwa 12,4 Prozent der Berufstätigen mit Depressionen zu kämpfen haben.

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Händler

Der Begriff „Depression“ ist in der Studie klar definiert. Als depressiv zählt, wer mindestens zwei Mal während des Untersuchungszeitraums (2001 bis 2005) krankheitsspezifische, medizinische Hilferufe aufgrund von „größeren depressiven Störungen“ gebraucht hat. Händler aller Art, sowohl für Waren- als auch für Wertpapiere, gelten demnach ebenfalls als überdurchschnittlich depressiv. Platz neun: 12,6 Prozent.

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Parteien, Vereine & Co.

Neben den Hilferufen nach medizinischer Fürsorge flossen noch andere Daten in die Studie ein. Die Forscher beachteten außerdem Informationen wie Alter, Geschlecht, persönliche Gesundheitsvorsorge-Kosten oder körperliche Anstrengung bei der Arbeit. Angestellte in „Membership Organisations“, also beispielsweise politischen Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen, belegen mit über 13 Prozent den achten Platz im Stress-Ranking.

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Umweltschutz

Der Kampf für die Umwelt und gegen Lärm, Verschmutzung und Urbanisierung ist oft nicht nur frustrierend, sondern auch stressig. Knapp 13,2 Prozent der beschäftigten Erwachsenen in dem Sektor gelten laut den Kriterien der Forscher als depressiv. In den USA betrifft das vor allem Beamte, denn die Hauptakteure im Umweltschutz sind staatliche Organisationen und Kommissionen.

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Juristen

Als mindestens genauso gefährdet gelten Juristen. Von insgesamt 55 untersuchten Gewerben belegten Anwälte und Rechtsberater den sechsten Platz im Top-Stress-Ranking: Rund 13,3 Prozent der Juristen in Pennsylvania gelten für die Forscher der medizinischen Universität Cincinnati depressiv.

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Personaldienstleister

Auf Rang fünf liegen Mitarbeiter im Dienstleistungsbereich . Deren „Ressource“ ist der Mensch – und der ist anfällig: Denn der „Personal Service“ in Pennsylvania hat nach Lawson Wulsin und Co. eine Depressionsrate von knapp über 14 Prozent. Und nicht nur Kopf und Psyche sind von der Krankheit betroffen, sondern offenbar auch der Körper: Schon seit Jahren forscht Wulsin auf diesem Gebiet und geht von einer engen Verbindung von Depression und Herzkrankheiten aus. Gefährdeter als Menschen aus dem Dienstleistungsbereich sind nur vier andere Jobgruppen.

Die Veranstaltung im Kanzleramt, das sogenannte Internationale Deutschlandforum, ist eine Plattform für interdisziplinären und interkulturellen Dialog zu weltweit relevanten Zukunftsfragen.

Teilnehmer am Mittwoch baten Merkel, „Reklame für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz machen“. Depressionen seien kein esoterisches Randthema. Ein „Führungsstil am Arbeitsplatz“ könne zu psychischen Erkrankungen führen. Für Effizienz und Kosten bei Unternehmen und Behörden sei es wichtig, Risiken für psychische Belastungen zu senken. Hilfe könne etwa im Arbeitsschutzgesetz verankert werden. Die Prävention müsse dringend schon bei Kindern und Jugendlichen ansetzen. Über Gefahren von Drogen und Alkohol würden sie früh aufgeklärt – nicht aber über seelische Erkrankungen.

Merkel versicherte, dass sich sowohl die großen Industrienationen (G7) – sie tagen das nächste Mal im Mai in Italien – als auch die Industrie- und Schwellenländer (G20) – sie kommen im Juli unter deutscher Präsidentschaft in Hamburg zusammen – um die Gesundheitsfragen kümmern werden. Unter anderem geht es um das gemeinsame Vorgehen bei länderübergreifender Ausbreitung von Infektionskrankheiten und um eine Einschränkung des Antibiotika-Einsatzes in der Landwirtschaft, um Resistenzen gegen Antibiotika bei Tieren und Menschen zu reduzieren.

Merkel sagte, wenn Hühner mehr Platz hätten, würde ihnen weniger Antibiotika gegeben werden müssen. Wenn dann von Kostensteigerungen für die Erweiterung von Ställen gesprochen werde, wolle sie gern berechnen lassen, wie viel Geld ausgegeben werden müsse, um eine Antibiotika-Resistenz wieder zu überwinden – was außerdem Jahre dauere. „Das muss man dann ganz hart in ein Verhältnis setzen.“

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3 Kommentare zu "Kanzlerin Merkel: Akuter Handlungsbedarf bei Aufklärung über Depressionen"

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  • Das klingt nun wirklich nach einen kleinen PR-Eigentor von Merkel. Viellicht sollte sie öfters mal Golf spielen gehen - und sich in Ruhe nebenbei als Geschäftsfrau versuchen. Trump machts vor, und die Amis lieben ihn dafür.

  • Depressionen bekomm ich, wenn ich diese Dame sehe oder wenn ich all ihre Gäste sehe, für die ich auch noch zahlen soll.

  • Das immer mehr Menschen am Ende ihrer Kräfte sind und sich ausgebrannt fühlen, liegt zum einen, an immer engeren Arbeitsbedingungen . Daran ist nicht nur die Wirtschaft schuld sondern auch die Politik, genauer gesagt Schröder seine Agenda 2010. Danach hat eine Union und SPD über Jahre zugelassen , dass nur die Unternehmen darüber bestimmen wie sie Arbeitnehmer beschäftigen. Ein modernes
    Land hätte schon längst ein modernes Beschäftigungs - Bild schaffen können, aber
    wie man sieht, sind es immer mehr Verbote statt Gebote. Dazu kommt das in Deutschland ein Umbruch stattfindet und wie Maaßen sagte , gibt es ein normales Leben nicht mehr bei uns . Neben der Arbeit die viele scheinbar stark belastet, kommt noch die Ungewissheit der Zukunft für sich selber und den Kindern. Eine Bedrohung steht über Deutschland , jeden Tag prophezeit von Merkel und Co. Angst ist
    kein guter Begleiter im Leben und wenn dann noch Drogen Tabletten und Alkohol
    über den Tag helfen, dann ist es 12 Uhr. Dass Politiker dann noch die Drogenfreiheit fordern , ist keine Hilfe sondern Katalysator ins nichts. Wenn also Tabletten wie Antibiotika bei jeder kleinen Erkältung genommen wird , dann sind die Ärzte gefragt und nicht Merkel. Das Merkel sich Sorgen um die Bürger macht , liegt vermutlich
    am Wahljahr 2017 . Die Jahre vorher ist nichts bekannt , was Merkel an uns Bürgern interessiert hat, hier war ja immer klar das sie Wahlen gewinnt.

    Deutschland muss auf neue Beine gestellt werden, ein neue moderne politische Kultur mit jungen aufgeschlossenen Politikern wie in Kanada z.B, die die alten Zöpfe abschneiden und die jetzige alte Politiker Generation in Rente schicken.
    Natürlich Gedeckelt was die Rente betrifft.

    Mal vorsichtig gefragt, sind bei diesen heimlichen Treffen im Kanzleramt , etwa auch Handelsblatt Journalisten dabei ?

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