Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Karnevalsauftakt in Köln „Jeder Zweite geht als Polizist“

Seite 2 von 2:
„Nach Silvester ist nichts mehr wie vorher“

Die Bundespolizei war im Kölner Hauptbahnhof schon am Morgen allgegenwärtig. Große Schilder an der Decke weisen den Weg in die Dienststelle unter den Gleisen. Am späten Vormittag war hier noch alles ruhig. In den frühen Abendstunden, wenn viele Jecke nach Hause fahren, will die Bundespolizei mit mehr als 400 Kräften im Bahnhof vertreten sein. Scheinwerfer sollen dunkle Ecken ausleuchten. Die Sicherheitskräfte hoffen, dass es in Köln auch am Abend ruhig bleibt.

Selten war die Stimmung in der Stadt vor Karneval so angespannt wie in diesem Jahr. Am Montag saß Reker mit ernster Miene bei einer Pressekonferenz. Zu ihrer Linken hatte der neue Polizeipräsident Jürgen Mathies Platz genommen. Rechts von ihr der Leiter des Rosenmontagszugs, Christoph Kuckelkorn. Vor der Bühne warteten gut 50 Journalisten aus aller Welt, darunter Reporter der britischen BBC und vom US-Nachrichtensender CNN. Sie alle wollten wissen, wie Köln verhindern will, dass sich die schrecklichen Ereignisse der Silvesternacht an Karneval wiederholen.

Polizei-Sprecherin: „Haben viel zusätzliches Personal“

Damals hatten Gruppen von Männern massenweise Frauen bedrängt, begrabscht und beschimpft und mutmaßlich etliche Diebstähle begangen. Die Polizei berichtete am Neujahrstag zunächst von „weitgehend friedlichen Feiern“ und einer „entspannten Einsatzlage“. In den folgenden Wochen gingen mehr als 1000 Strafanzeigen ein, davon mehr als 430 wegen Sexualstraftaten wie Nötigung sowie zahlreiche Anzeigen wegen Raubs, Diebstahls, Körperverletzung und Hehlerei. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt inzwischen gegen 43 Beschuldigte. Die weit überwiegende Mehrheit von ihnen stammt aus Nordafrika.

Damit so etwas nicht wieder vorkommt, gibt allein die Stadt Köln knapp eine halbe Million Euro für die Sicherheit aus. Die Landespolizei plant über Karneval mit rund 240.000 Arbeitsstunden. „Nach Silvester ist nichts mehr wie vorher“, sagte Einsatzleiter Michael Temme dem Handelsblatt. Dabei hätten seine Leute während der tollen Tage auch in gewöhnlichen Jahren allerhand zu tun. „Da kommen Menschen nach Köln, die eins wollen: Die Sau rauslassen. Ab 8.00 Uhr morgens spuckt der Hauptbahnhof Leute aus ganz Europa aus, die nur deswegen anreisen.“

Jürgen Mathies ist bei seiner Zwischenbilanz inzwischen bei den Sexualdelikten angekommen. „Wir hatten eine Beleidigung auf sexueller Basis“, berichtet der Polizeipräsident. Die Medienvertreter horchen auf. „Ein Ordner vor einer Kneipe forderte 25 Euro Eintritt oder Kuss – das ist zur Anzeige gebracht worden.“

Nach der Pressekonferenz war im Medienzentrum von zwei weiteren Übergriffen die Rede. Eine Reporterin soll beim Dreh bedrängt worden sein. In der Kölner Südstadt zeigte eine Frau eine Vergewaltigung an, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Auch wenn es bisher vergleichsweise friedlich zuging: Die Sicherheitskräfte stellen sich auf eine lange Nacht ein. In den vergangenen Jahren wurden jeweils rund 50 Sexualdelikte angezeigt.

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Karnevalsauftakt in Köln - „Jeder Zweite geht als Polizist“

Serviceangebote