Karsten Mühlenfeld Schicksal von BER-Chef ist ungewiss

Am Mittwoch dürfte es eine Sondersitzung des Aufsichtsrats vom Hauptstadtflughafen BER geben. Die Zukunft von Flughafen-Geschäftsführer Mühlenfeld ist angesichts der jüngsten Querelen ungewiss.
Update: 27.02.2017 - 15:07 Uhr Kommentieren
Der Vorsitzenden der Geschäftsführung des Flughafens Berlin-Brandenburg steht unter Druck. Quelle: dpa
Karsten Mühlenfeld

Der Vorsitzenden der Geschäftsführung des Flughafens Berlin-Brandenburg steht unter Druck.

(Foto: dpa)

BerlinDie Zukunft von Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld am neuen Hauptstadtflughafen entscheidet sich voraussichtlich an diesem Mittwochabend. Dann werde der Aufsichtsrat „sehr wahrscheinlich“ zu einer Sondersitzung zusammenkommen, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder am Montag. Mühlenfeld hatte in der vergangenen Woche seinen Technikchef Jörg Marks gegen den Willen des Aufsichtsrats vor die Tür gesetzt. Der Bund beantragte daraufhin die Sondersitzung, auch Berlin signalisierte Interesse daran.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte am Montag, Mühlenfeld müsse sich sowohl zu technischen Problemen auf der BER-Baustelle als auch zu personellen Veränderungen erklären. Er vermied eine Antwort auf die Frage, ob der Flughafenchef noch das Vertrauen des Bundes genieße. Am Wochenende war bereits über Nachfolger für Mühlenfeld spekuliert worden.

Wie man keinen Flughafen baut
Hauptstadtflughafen BER
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Am neuen Hauptstadtflughafen ist das erste Bauwerk schon wieder abgerissen: Der 32 Meter hohe Aussichtsturm für Baustellenbesucher hat seine Lebensdauer überschritten. Macht eigentlich nichts, denn im neuen Jahr sollte es ja eigentlich so weit sein: Der drittgrößte deutsche Flughafen endlich am Netz – nach Jahren der Neubau-Sanierung, nach Milliardenaufwand und Skandalen. Noch ist das der offizielle Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017, aber alles spricht dafür, dass dieser Plan im Januar gekippt wird. Es wäre die fünfte Verschiebung, die Verspätung würde sich noch einmal um ein halbes Jahr auf dann sechseinhalb Jahre verlängern. 2017 ist einfach zu kurz für all das, was die Verantwortlichen noch schaffen müssen. Ein Überblick.

Genehmigen
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Der Kampf gegen Murks beim Brandschutz und anderen Einrichtungen im Terminal glich einer Sanierung im Bestand – mit immer neuen Bauanträgen. Für Mitte Januar rechnet Flughafenchef Karsten Mühlenfeld mit der letzten Genehmigung – hoffentlich ohne Nachforderungen des Bauamts. Denn der Ingenieur hat Airlines, Passagiere und Politik schon lange hingehalten: Er will auf Nummer sicher gehen, bevor er einen definitiven Eröffnungstermin nennt. „Wir erwarten eine auf Herz und Nieren geprüfte Einschätzung“, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), nach einer Sitzung des Kontrollgremiums Anfang Dezember. Das klang wie eine Drohung an Mühlenfeld. Denn jeden Monat verschlingt der leere Flughafen 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.

Fertig bauen
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Erst nach der letzten Genehmigung kann Mühlenfeld sicher sein, dass keine wesentlichen Umbauten mehr anstehen. Bei den vorherigen Anträgen hatte das Bauamt immer noch neue Mängel entdeckt: Lüfter unter der Terminaldecke standen auf zu schwachen Bühnen, am Bahnhofseingang zog der Rauch im Brandfall nicht richtig ab – das brachte jedes Mal neue Verzögerungen.

Testen und abnehmen
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Seit Monaten arbeiten sich Teams Abschnitt für Abschnitt durch das Terminal und nehmen Anlagen in Betrieb. Noch bis zum Sommer werden nach und nach alle Geräte eingeschaltet und geprüft, ob sie auch im Verbund laufen. „Nicht alles, was man einschaltet, funktioniert“, berichtet Mühlenfeld. Immer wieder sind kleine Umbauten nötig. Der Brandfall wurde in den meisten Bereichen bisher nur am Computer simuliert. Heißgasrauchversuche sollen im neuen Jahr zeigen, ob die Entrauchung wirklich funktioniert. Weil die Zeit knapp ist, sollen Tests, behördliche Abnahmen und Probebetrieb teils parallel laufen.

Proben
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Im Mai soll der Probebetrieb beginnen. Das gab es schon mal – vor der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012. Damals mussten die Komparsen Gepäckwagen an Baugerüsten vorbeibugsieren. 10 000 Freiwillige sollten Schwachstellen aufdecken. Die größte fand jedoch das Bauamt – den Brandschutz – und stoppte die Eröffnung. Mühlenfeld versichert: „Wir stehen heute ganz anders da als 2012.“

Umziehen
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Rund 1500 Lastwagen werden sich für den Flughafen-Umzug auf die 35 Kilometer lange Strecke von Tegel nach Schönefeld machen müssen. Anders als 2012 soll dieses Mal aber nicht alles in einer Nacht herüber, sondern in einem Zeitraum von vier Wochen.

Erweitern
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Der alte Flughafen Tempelhof ist seit 2008 geschlossen. Spätestens sechs Monate nach dem BER-Start soll auch Tegel schließen. Doch der Neubau in Schönefeld ist mit möglichen 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein. Die Planer in den 90er Jahren hatten nicht erwartet, dass Berlin 2016 schon rund 33 Millionen Fluggäste zählen würde. Neben dem neuen Terminal soll ein weiteres entstehen, das in Sichtweite gelegene alte Schönefelder Terminal für rund 10 Millionen vorerst offen bleiben. Mühlenfeld steht vor dem Spagat, einerseits die Eröffnung voranzutreiben, andererseits schon die Erweiterung zu planen. Wieder ist die Debatte entbrannt, ob der Flughafen Tegel am Rande der Innenstadt nicht doch einfach offen bleiben sollte.

Der Geschäftsführer macht Marks dafür verantwortlich, dass auf der BER-Baustelle immer wieder wichtige Termine verfehlt werden. Als neuen Projektleiter für den Bau des drittgrößten deutschen Flughafens engagierte Mühlenfeld den früheren Bahn-Manager Christoph Bretschneider.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Flughafen-Aufsichtsratschef kritisierte Mühlenfelds Entscheidung. Dieser bekräftigt, das Land Berlin sei in die seit Wochen laufende Nachfolgersuche eingeweiht gewesen. Der Senat widerspricht dem.

Die Personalie sorgte auch am Montag für Diskussionen. Der Berliner CDU-Generalsekretär Stefan Evers griff Müller an. Er halte es für wahrscheinlich, dass Müller von der Personalentscheidung des Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld gewusst habe, sagte Evers im RBB-Inforadio. Er betonte auch, der Aufsichtsrat habe sich nicht in Personalentscheidungen der Geschäftsführung einzumischen.

Die Eröffnung des Flughafens ist seit Baubeginn fünf Mal verschoben worden. Ursache sind Planungs- und Managementfehler, Technikprobleme und Baumängel. Ursprünglich war der Start für 2011 geplant. Zuletzt gaben die Verantwortlichen im Januar das Ziel auf, in diesem Jahr die ersten Passagiere im neuen Terminal einchecken zu lassen. Als Gründe nannten sie Probleme mit elektronisch gesteuerten Türen und der Sprinkleranlage. Bretschneider ist der fünfte Bauleiter in fünf Jahren am BER.

  • dpa
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