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Annalena Baerbock

Die Grünen kritisierten VW.

(Foto: dpa)

Kaufanreiz „Ökologischer Schwachsinn“ – Grüne lehnen VW-Pläne zur Diesel-Verschrottung ab

Gehören ältere Dieselautos, die gegen neue getauscht werden, auf den Schrott? Die Grünen positionieren sich klar dagegen und machen Front gegen VW.
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BerlinDie Ansage der EU-Kommission an die deutschen Autohersteller war deutlich. Brüssel warnte die Konzerne vor Osteuropa-Geschäften mit schadstoffreichen Diesel-Fahrzeugen, die in Deutschland von der Straße genommen werden.

„Ein Export ist lediglich eine Verschiebung der Luftqualitätsprobleme von West nach Ost“, hatte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska jüngst dem Berliner „Tagesspiegel“ gesagt. Sie fürchtet, dass ältere Diesel, die in Deutschland mit Hilfe einer Prämie in neue schadstoffärmere Fahrzeuge getauscht werden, verstärkt nach Osteuropa verkauft werden. Schon jetzt würden immer mehr ältere, umweltschädliche Diesel jenseits der Grenzen billig verkauft.

Die Worte Bienkowskas zeigten offenbar Wirkung – zumindest bei Volkswagen. Der Autobauer plant nun ein Dieselumtauschprogramm, das keinen Weiterverkauf älterer Fahrzeuge vorsieht, sondern ihre Verschrottung. Mit den neuen Maßnahmen in Milliardenhöhe will der Konzern Fahrverbote für seine Kunden verhindern.

Die Grünen lehnen die Pläne rundweg ab. „Ökologisch ist es Schwachsinn, Autos zu verschrotten, statt zu reparieren, und sie mit neuen zu ersetzen – zumal es sich nicht um umweltfreundliche Elektroautos oder Hybrid-Fahrzeuge handeln soll, sondern um große neue Benziner und Diesel“, sagte die Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, dem Handelsblatt.

Die Umtauschprämien seien also ein Anreiz für die Industrie, neue Verbrenner zu verkaufen. Die schmutzige Luft in den Städten und die Klimabelastung werde man aber „nur in den Griff bekommen, wenn wir zu einer echten Verkehrswende kommen“.

Ähnlich hatte sich kürzlich auch der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Florian Pronold (SPD), geäußert. Ökologisch sei es nicht sinnvoll ein drei Jahre altes Fahrzeug zu verschrotten. „Sinnvoll wäre es, dass wie hier die Nachrüstung entsprechend vornehmen“, sagte Pronold. „Die Hersteller müssen den Mist, den sie angerichtet haben, auch selber wieder auslöffeln.“

Nach den VW-Plänen sollen mit Hilfe von Kaufprämien alte Diesel aus dem Verkehr gezogen werden. Dies gelte bundesweit bei Verschrottung eines Dieselfahrzeugs der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4 eines beliebigen Herstellers, teilte der Konzern am Donnerstag mit.

Der Kauf eines Neuwagens oder eines jungen Gebrauchtfahrzeugs werde im Gegenzug mit einer Prämie unterstützt. Die Höhe sei abhängig vom gewählten Modell, in der Spitze sollen dies laut dpa-Informationen bis zu 10.000 Euro sein. Beteiligt seien die Konzernmarken Audi, Seat, Skoda und Volkswagen.

In den 14 Städten mit besonders belasteter Luft sollen die Besitzer von Diesel-Autos der Normen Euro 4 und Euro 5 Wechselprämien erhalten, die zusätzlich zum Restwert gezahlt würden. Damit leiste Volkswagen einen „signifikanten Beitrag“ zur Verbesserung der Luftqualität, sagte Konzern-Vertriebschef Christian Dahlheim.

Zuvor war bekanntgeworden, dass Volkswagen über einer Million Diesel-Besitzer vom 1. November an Umtauschprämien anbieten will. Die geplanten Prämien sollten im Durchschnitt bei etwa 4000 Euro für Diesel der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4 liegen - und bei 5000 Euro für Euro-5-Diesel.

Im kürzlich vorgestellten Diesel-Konzept der Bundesregierung sind Hardware-Nachrüstungen für Euro-5-Diesel neben Umtauschaktionen als Möglichkeit vorgesehen, um die Luft in Städten mit hoher Schadstoffbelastung zu verbessern. Allerdings weigern sich die Hersteller, bei möglichen technischen Nachrüstungen die Kosten vollständig zu übernehmen. Dies ist aber neben Kaufanreizen für sauberere Autos ein zentraler Punkt des Diesel-Pakets von Union und SPD.

Die Grünen bezweifeln die Wirksamkeit des Pakets. Vor allem treibt die Partei die Sorge um, dass die Hersteller geneigt sein könnten, ausgetauschte Diesel-Fahrzeuge in andere Länder verkaufen.

„Wir befürchten, dass die Abgasbelastung durch die Umtauschaktionen lediglich verlagert wird“, schreiben die Grünen-Chefin Baerbock und der Grünen-Verkehrsexperte Stephan Kühn in einem Brief an mehrere Autobauer. Adressiert ist das Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, an die Vorstandschefs von VW, Daimler und BMW, Herbert Diess, Dieter Zetsche und Harald Krüger.

Baerbock und Kühn verlangen Auskunft darüber, was mit den Fahrzeugen geschieht, die im Rahmen der Aktionen eingetauscht werden. „Ist beispielsweise vorgesehen, die Fahrzeuge zu exportieren, sodass sie in anderen Ländern erneut verkauft und zugelassen werden und falls ja, in welche Länder sollen die Fahrzeuge exportiert werden?“

Kühn warnte im Gespräch mit dem Handelsblatt: Wenn schmutzige Dieselautos künftig nicht mehr in Stuttgart, Düsseldorf und München fahren, sondern in Großstädten anderer EU-Länder, habe die Autoindustrie unter dem Strich zu keiner Verbesserung der Luftqualität beigetragen. „Es kann nicht sein, dass die ausgemusterten Autos in anderen Städten Europas zu den Problemen führen, die wir in Deutschland derzeit lösen wollen.“

In ihrem Brief warnen die Grünen die Konzerne vor diesem Hintergrund vor falschen Entscheidungen und fordern sie auf, „die richtigen Lehren aus den Fehlern der Vergangenheit zu ziehen“. Dazu brauche es Hardware-Nachrüstungen auf Kosten der Verursacher. „Nur so kann schnell in allen betroffenen Regionen saubere Luft erreicht und das Vertrauen zurückgewonnen werden, welche durch Einzelne (…) zerstört wurde.“

Umtauschprämien, Diesel-Nachrüstungen, CO2-Ziele der EU dürften auch Themen eines Branchengipfels zur Zukunft der Autoindustrie am heutigen Donnerstag in Nürtingen sein. Geladen sind neben dem Porsche-Chef Oliver Blume auch der Skoda-Chef Bernhard Maier und der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes.

Schub für E-Autos

Der Sportwagenbauer Porsche hatte jüngst den Ausstieg aus dem Diesel angekündigt. Bis 2025 sollen 50 Prozent der verkauften Porsche reine Elektroautos sein. Der Nischenanbieter sticht mit seinen ehrgeizigen Zielen in der deutschen Branche heraus. BMW und Daimler wollen 2025 etwa 15 bis 25 Prozent ihres Absatzes mit Elektroautos bestreiten. Volkswagen will in dem Jahr eine Million E-Fahrzeuge verkaufen.

Überschattet wird das Treffen davon, dass Anfang der Woche bekannt geworden ist, dass mit Opel der nächste deutsche Autobauer im konkreten Verdacht steht, die Abgase von Dieselfahrzeugen mit umstrittenen Software-Funktionen manipuliert zu haben.

Das Bundesverkehrsministerium hatte einen amtlichen Rückruf für europaweit rund 100.000 Autos der Typen Insignia, Cascada und Zafira angekündigt. Darüber hinaus brummte die Staatsanwaltschaft München der VW-Tochter Audi ein Bußgeld von 800 Millionen Euro auf. Grund seien „Abweichungen von den regulatorischen Vorgaben“ bei bestimmten Dieselmotoren.

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1 Kommentar zu "Kaufanreiz: „Ökologischer Schwachsinn“ – Grüne lehnen VW-Pläne zur Diesel-Verschrottung ab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Als Aktionär der VW Gruppe enttäuscht es mich, dass dieser Konzern als tragende Säule der deutschen Wirtschaft noch immer im "eigenen" Land von so vielen Seiten angefeindet wird.
    Wer nicht gemocht ist, sollte vom Acker.