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Kerstin Andreae Grünen-Wirtschaftsexpertin steht vor Wechsel in die Energie-Wirtschaft

Kerstin Andreae, die Wirtschaftsexpertin der Grünen, soll künftig einen der wichtigsten Energieverbände führen. Die Personalie überrascht.
Update: 05.08.2019 - 16:05 Uhr Kommentieren
Grüne-Politikerin Kerstin Andreae steht vor dem Wechsel zum BDEW Quelle: dpa
Kerstin Andreae

Die Politikerin ist stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

(Foto: dpa)

Berlin Kerstin Andreae ist für ihren Pragmatismus bekannt. Wenn Parteifreunde die Einführung eines CO2-Preises fordern, wirft sie die Frage auf, was das denn wohl für die energieintensive Industrie hierzulande bedeute. Andreae, die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, steht für einen Kurs, in dessen Mittelpunkt die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie steht.

Nun soll die Diplom-Volkswirtin Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) werden. Das Präsidium habe einstimmig beschlossen, dem Vorstand Andreae für den Posten vorzuschlagen, teilte der BDEW am Montag mit. Am 13. August soll über die Personalie entschieden werden. Die Wahl Andreaes gilt als sicher. Die Politikerin selbst war am Montag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Mit der Entscheidung hat der BDEW eine Führungskrise abgewendet. Denn noch am Montagvormittag hatte es so ausgesehen, als trete der niedersächsische Energieminister Olaf Lies (SPD) die Nachfolge von BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer an.

Doch Lies erteilte dem Verband bei einer Pressekonferenz in Hannover überraschend eine Absage. „Mein Platz ist in Niedersachsen“, erklärte er. Dabei hieß es in Branchenkreisen, Lies hätte es aus BDEW-Sicht werden „können und sollen“.

Aber der Mann müsse „offensichtlich die SPD retten“, spottete ein Insider. Bei einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz schwenkte das BDEW-Präsidium dann schnell auf die Grünen-Politikerin um. Eine Hängepartie konnte so vermieden werden.

Andreae ist allerdings alles andere als eine Notlösung. Ihr Name wurde schon früh genannt, als es um mögliche Nachfolgekandidaten für Kapferer ging, der als Vorsitzender der Geschäftsführung zum Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz wechselt.

Die Berufung der 50-Jährigen symbolisiert den Wandel, den die Energiebrache und damit auch der Verband durchlebt. Lange hatte Hildegard Müller, Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel, den Posten der BDEW-Hauptgeschäftsführerin inne. Es folgte mit dem Ex-Wirtschaftsstaatssekretär Kapferer ein ausgewiesener FDP-Mann.

Da die Grünen in der nächsten Bundesregierung wohl eine tragende Rolle in der Energie- und Klimapolitik spielen werden, erscheint die Entscheidung für Andreae klug. „Ich habe sie als besonnene Gesprächspartnerin wahrgenommen“, lobt ein Berliner Wirtschaftslobbyist.

Jahrelange Aufbauarbeit

Andreae hat viel daran gearbeitet, den Grünen ein Wirtschaftsprofil zu geben. Sie hat den „Wirtschaftsbeirat“ der Grünen ins Leben gerufen. Mitglieder sind 50 Unternehmer, Manager und Verbandsvertreter, die allesamt persönlich vertreten sein müssen, um ihr Teilnahmerecht an der exklusiven Runde nicht zu verlieren. Signalwirkung hatte auch, dass es Andreae gelang, BASF-Chef Martin Brudermüller davon zu überzeugen, in dem Beirat über Wege zu diskutieren, die Wirtschaft ökologischer zu gestalten.

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion ist weit über die eigenen Reihen hinaus anerkannt. „Habe mit Kerstin Andreae diskutiert, was Industriepolitik ausmacht und welche Wege in eine CO2–neutrale Wirtschaft führen“, twitterte etwa der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, Utz Tillmann, im Frühjahr. „Mein Eindruck: Wir haben uns richtig gut zugehört!“ Derartige Anerkennung für die Grünen aus der Industrie hätte es vor einigen Jahren nicht gegeben.

Andreae, seit 1990 Mitglied der Grünen, lenkt künftig die Geschicke eines Verbands, der noch vor zehn Jahren nur sehr wenig mit den Positionen ihrer Partei gemein hatte. Damals dominierten die Betreiber konventioneller Kraftwerke das Geschäft der Branche und damit auch den Kurs des Verbands mit seinen etwa 1 900 Mitgliedsunternehmen.

Doch seitdem hat sich einiges verändert: Noch-Amtsinhaber Kapferer half als Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission dabei, den Weg für den Ausstieg aus der Kohleverstromung zu ebnen. Andreae wird diesen Kurs sicher gerne fortsetzen.

Mehr: Die 50-Jährige ist der wirtschaftspolitische Kopf der Grünen-Fraktion. Die Gründerin des Wirtschaftsbeirats ist auch bei Unternehmen anerkannt.

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