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Kinderbetreuung Berufstätige Frauen tragen die Hauptlast in der Coronakrise

Frauen kürzen ihre Arbeitszeit stärker als Männer und erhalten seltener aufgestocktes Kurzarbeitergeld, zeigt eine Studie. Der Bund startet sein Investitionsprogramm für mehr Ganztagsbetreuung.
29.12.2020 - 18:07 Uhr Kommentieren
Frauen haben sich in der Coronakrise beruflich stärker eingeschränkt als Männer. Quelle: dpa
Das Kind am heimischen Schreibtisch

Frauen haben sich in der Coronakrise beruflich stärker eingeschränkt als Männer.

(Foto: dpa)

Berlin Frauen haben während der Coronakrise beruflich stärker zurückgesteckt als Männer. Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten sie im Schnitt 35 Stunden pro Woche in einem bezahlten Job – fünf Stunden weniger als Männer. Im Oktober dieses Jahres lag die Differenz bei sechs Stunden – Frauen arbeiteten 32 Wochenstunden, Männer 38.

Dies zeigt eine Erhebung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, für die im April, Juni und Anfang November die gleichen rund 6100 Erwerbspersonen befragt wurden. Die Differenz bei den tatsächlichen Arbeitszeiten war damit im Herbst kaum kleiner als während des ersten Lockdowns im Frühjahr.

Bei berufstätigen Paaren mit kleinen Kindern arbeiteten die Männer im Oktober durchschnittlich elf Wochenstunden mehr als die Frauen. Vor der Krise waren es zehn und während des ersten Lockdowns im Frühjahr zwölf Stunden. Bei Paaren ohne Kinder mit Betreuungsbedarf war die Arbeitszeitdifferenz zuletzt mit fünf Stunden deutlich kleiner.

Durch den aktuell verschärften zweiten Lockdown dürfte der Rückstand der Frauen bei der bezahlten Arbeitszeit noch einmal anwachsen, vermutet die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch.

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    „Denn durch die verlängerten Weihnachtsferien von Schulen und Kitas entsteht erneut erheblicher zusätzlicher Betreuungsbedarf.“ Hinzu komme, dass mit dem Einzelhandel eine Branche mit vielen weiblichen Beschäftigten stark von Schließungen betroffen sei.

    Bund stellt 750 Millionen Euro für Ganztagsbetreuung bereit

    Sollten sie von ihren Arbeitgebern in die Kurzarbeit geschickt werden, drohen ihnen höhere Einkommensverluste als Männern. Denn während nach der Befragung bei 46 Prozent der männlichen Kurzarbeiter das Kurzarbeitergeld aufgestockt wird, trifft dies nur auf 36 Prozent der betroffenen Frauen zu. Dies hängt auch damit zusammen, dass Frauen oft in Dienstleistungsbranchen mit geringer Tarifbindung arbeiten und deshalb nicht von einer tariflichen Aufstockung der Leistung profitieren.

    Die Parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion, Bettina Stark-Watzinger, forderte größere Anstrengungen für mehr Gleichstellung der Geschlechter im Beruf. Die Coronakrise lege schonungslos offen, in welchen Bereichen es „noch erheblichen Nachholbedarf gibt“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

    Die zusätzlichen Belastungen für Familien durch Kita- und Schulschließungen würden fast allein von Frauen abgefedert werden, kritisierte Stark-Watzinger. Die Folgen seien häufig sehr weitreichend: „Viele Frauen haben sich bereits teilweise oder gänzlich aus ihren Jobs zurückgezogen – eine Rückkehr ins Erwerbsleben ist aktuell zudem ungewiss.“

    Wenn die Pandemie nicht gerade eine Schließung von Schulen und Kitas erzwingt, lässt sich eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen vor allem durch eine bessere Kinderbetreuung erreichen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) haben deshalb am Dienstag das 750 Millionen Euro schwere Investitionsprogramm zum Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter gestartet.

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    Als letztes Bundesland hatte zuvor auch Baden-Württemberg die entsprechende Verwaltungsvereinbarung unterzeichnet. Mit dem Geld können die Länder Planung, Neubau, Umbau, Erweiterung, Modernisierung und Sanierung von Ganztagsangeboten finanzieren oder auch Mobiliar oder Sport- und Spielgeräte anschaffen. Der Bund beteiligt sich mit 70 Prozent an den Investitionen, sodass einschließlich des Länderanteils gut eine Milliarde Euro zur Verfügung stehen.

    Weitere Mittel im Volumen von bis zu 2,75 Milliarden Euro will der Bund bereitstellen, wenn er sich mit den Ländern auf den Umfang und die Finanzierung des im Koalitionsvertrag vereinbarten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter geeinigt hat. „Die entsprechenden Verhandlungen werden derzeit geführt und sollen schnellstmöglich abgeschlossen werden“, teilten das Familien- und das Bildungsministerium mit.

    Die Corona-Pandemie habe den Bedarf an einem Ausbau der Kinderbetreuung deutlich gemacht, sagte WSI-Direktorin Kohlrausch. So empfänden 65 Prozent der Befragten mit betreuungsbedürftigen Kindern im Haushalt ihre familiäre Situation derzeit als belastend. Zwar erleichtere die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade in der Pandemie. „Aber beides im Alltag zu verbinden ist oft anstrengend“, sagte Kohlrausch.

    Die Untersuchung der Böckler-Stiftung zeigt aber auch, dass zu Beginn des „Lockdowns light“ Anfang November nur noch 14 Prozent der Befragten vorwiegend im Homeoffice arbeiteten. Im April während der ersten Corona-Welle waren es noch 27 Prozent.

    Mehr: CDU-Vize Breher für Einführung von Familienzeitkonten

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