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Kita-Streik Leih-Omas und flexible Chefs gefragt

Es soll ein langer Arbeitskampf werden. Mit den unbefristeten Kita-Streiks sind nun Leih-Omas und tolerante Arbeitgeber gefragt, Familien brauchen vor allem Geduld und Kreativität. Für sie greift jetzt Plan B.
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Eltern müssen jetzt kreativ werden. Quelle: dpa
Streiks in Kindertagesstätten

Eltern müssen jetzt kreativ werden.

(Foto: dpa)

Köln Es geht los. Unbefristete Streiks in den kommunalen Kitas. Für Hunderttausende Familien in Deutschland sind nun starke Nerven gefragt und Plan B muss in Gang kommen. Diesmal könnte der Nachwuchs über Wochen vor verschlossenen Türen stehen. „Erst war es ein Schock mich, jetzt haben wir ein Alternativprogramm entwickelt, mit dem wir uns von Tag zu Tag durchhangeln“, schildert Christine Jackson, Mutter von drei Jungs.

„Meine Chefin lässt mich Computerarbeiten zu Hause machen. Mein Mann darf zwischendurch mal einen Home-Office-Tag einlegen. Und wir haben Oma und Freunde mobilisiert“, erzählt die Kölnerin, die im Einkauf arbeitet. „Es wird eine spannende Kombination aus allem.“ Eine Notgruppe für ihren jüngsten Sohn Dylan (3) gibt es nicht.

Was Eltern zum Kita-Streik wissen sollten
Wer streikt?
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Nicht nur Kitas und Horte werden geschlossen bleiben, weil Erzieherinnen streiken. Auch Behindertenwerkstätte und -einrichtungen, offene Ganztagsschulen, Jugendzentren und -heime können betroffen sein. Zum Streik im Sozial- und Erziehungsdienst haben drei Gewerkschaften aufgerufen: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die im Beamtenbund zusammengeschlossenen Fachgewerkschaften. In Urabstimmungen hatten jeweils zwischen gut 93 und knapp 97 Prozent ihrer Mitglieder für den Ausstand gestimmt.

(Foto: dpa)
Warum streiken die Erzieher?
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(Foto: dpa)
Wie lange wird gestreikt?
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Das entscheiden nach Angaben von Verdi-Chef Frank Bsirske die Arbeitgeber. Nach fünf erfolglosen Verhandlungsrunden liege der Schlüssel zur Lösung des Konflikts in ihrer Hand. Deshalb haben die Gewerkschaften zum unbefristeten Streik aufgerufen, bis ein aus ihrer Sicht zufriedenstellendes Angebot der Kommunen vorliegt.

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Worum geht es bei dem Streik?
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Die Gewerkschaften wollen Sozial- und Erziehungsberufe aufwerten, in denen vor allem Frauen arbeiten. Gelingen soll dies durch eine höhere Eingruppierung in den Entgelttabellen des öffentlichen Dienstes. So wollen die Gewerkschaften etwa eine berufserfahrene Erzieherin, die in der Tarifgruppe S6 auf maximal 3289 Euro im Monat kommen kann, in die Tarifgruppe S 8 einstufen. Hier liegt das mögliche endgehalt bei 3974 Euro, was einem Plus von rund 21 Prozent entspricht. Im Schnitt soll die höhere Eingruppierung den Beschäftigten nach Verdi-Angaben zehn Prozent mehr Geld bringen.

(Foto: IMAGO)
Dürfen Eltern einfach zu Hause bleiben?
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In jedem Fall muss der Arbeitgeber informiert werden. „Bei sehr kurzfristigen Streiks – ein bis zwei Tage – haben die Eltern Anspruch auf Gehaltsfortzahlung nach Paragraf 616 BGB“, sagt Marc Repey, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Berliner Kanzlei Abeln. Das gilt allerdings nur für kurze Zeit. Im Arbeitsvertrag kann die Gehaltsfortzahlung nach Paragraf 616 BGB jedoch ausgeschlossen sein. „Zuvor müssen Eltern sich um eine Ersatzbetreuung bemühen – etwa im Bekannten- und Verwandtenkreis“, sagt Reinhard Schütte, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Wiesbaden. Komme es zu einem Streit mit dem Arbeitgeber, müssten Eltern diese Bemühungen auch nachweisen.

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Wie lange dürfen Eltern maximal zu Hause bleiben?
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Im Gesetz gibt es dazu keine klare Regelung. „Aus dem Pflegezeitgesetz lässt sich womöglich ableiten, dass Eltern pro Monat zehn Tage für die Betreuung ihrer Kinder freigestellt sind, dazu gibt es aber noch keine Rechtsprechung“, sagt Reinhard Schütte, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Wiesbaden. Wenn ein Streik schon längere Zeit vorher angekündigt wurde, können Eltern sich nicht mehr auf eine plötzliche Verhinderung berufen und müssen Urlaub beantragen.

(Foto: dpa)
Muss der Arbeitgeber Urlaub gewähren?
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„Der Arbeitgeber darf den Urlaub nur verweigern, wenn ein wichtiger betrieblicher Grund dagegen spricht“, sagt Anwalt Repey. Bei einem Streik spreche aber viel dafür, dass die Waage zugunsten des Arbeitnehmers ausschlage. „Der Arbeitgeber wird also grundsätzlich Urlaub gewähren müssen, es sei denn, es geht gar nicht anders im Unternehmen.“ Als Auffangnetz könne dann immer noch unbezahlter Urlaub vereinbart werden, so Repey. „Das ist sehr ungünstig für die Arbeitnehmer, aber immer noch besser als eine Abmahnung oder Kündigung zu riskieren, wenn man der Arbeit fernbleibt.“

(Foto: IMAGO)

Madelenie Naujoks aus Münster hat Glück mit dem Arbeitgeber: „Ich kann kurzfristig Urlaub nehmen, unbezahlten Urlaub natürlich“, sagt die alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter, die im Finanzservice tätig ist. „Wenn der Streik über Wochen gehen sollte, ist Mütter-Solidarität gefragt. In unserer Kita-Gruppe werden dann mehrere Mütter abwechselnd auch andere Kinder aufnehmen. Das müsste ich dann auch selbst nutzen und natürlich auch anbieten.“

Jennifer Weise berichtet: „Es ist eine Riesen-Herausforderung, so schnell eine Alternative zu organisieren. Wir jonglieren – Partner, Großeltern, Freunde.“ Die 30-Jährige arbeitet in Bonn in der Suchthilfe und hofft, ihre vierjährige Tochter auch mal ins Büro mitnehmen zu dürfen. „Über Wochen am Stück geht das nicht, aber sicher wird mein Arbeitgeber zur Not mal für ein, zwei Tage kulant sein.“ Und: „So schwierig die Organisation jetzt für uns Familien ist: den Streik finde ich richtig. Eine anständige Wertschätzung und Bezahlung der Erzieherinnen ist auch in unserem Eltern-Interesse.“

Eltern sind geteilter Meinung
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1 Kommentar zu "Kita-Streik: Leih-Omas und flexible Chefs gefragt"

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  • Flexibel sein? Warum weigern sich unsere Politiker sich für deutsche Kinder einzusetzen und deren Erzieher menschenwürdig zu bezahlen? Wären es kriminelle, faule Sozialschmarotzer, gäbe es Milliarden sofort. Wir bringen diese Leute (Flüchtlinge, Asylanten) in Hotels unter und wollen noch mehr davon haben? Es sind doch Mörder, wie ihre Religion es verlangt (Islam = Tötet Andersgläubige ) und sie wollen nicht in Frieden mit Ihren Nachbarn(Bürgerkrieg) leben! Solidarität mit den Erziehenrn? Ich erinnere noch an zeiten, wo es die ÖTV gab und die Meinung der Mitglieder (Müll, Stadtreinigung usw. war mit Billigung der Gewerkschaftsführung: Für die blöden Erzieher streiken wir nicht!