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Klare Ablehnung aktiver Sterbehilfe Kirchen sprechen sich für Patientenverfügung aus

Der Gerichtsstreit um die Weiterführung oder den Abbruch der künstlichen Ernährung der amerikanischen Koma-Patientin Terri Schiavo hat in Deutschland eine Debatte um Sterbehilfe ausgelöst.

HB/pt DÜSSELDORF/BERLIN. Die zwei großen Kirchen sprachen sich in ihren Osterbotschaften zwar eindringlich gegen aktive Sterbehilfe in jeder Form aus. Kardinal Karl Lehmann und Bischof Wolfgang Huber sprachen sich allerdings für die Patientenverfügung aus. Darin kann festgelegt werden, dass bei schwerer Krankheit keine lebensverlängernden Maßnahmen gewünscht werden.

Der Ehemann Schiavos hat vor Gericht durchgesetzt, dass seine 41-jährige Frau, die seit 1990 im Koma liegt, nicht mehr künstlich ernährt wird. Seine Frau sei gegen die künstliche Verlängerung ihres Lebens gewesen, sagt der Mann. Die Eltern Schiavos haben vergeblich alle Gerichtsinstanzen bemüht, um die Ernährung ihrer Tochter durchzusetzen. Inzwischen liegt Schiavo im Sterben und hat von einem Priester die Letzte Ölung bekommen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, bezeichnete den Streit über die Ernährung von Schiavo als „schlimmes Schauspiel“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, nannte das Leben ein Geschenk Gottes, über das „weder an seinem Beginn noch an seinem Ende“ willkürlich verfügt werden dürfe.

Die Bürger sollten sich frühzeitig über ihre Rechte als Patienten informieren, hieß es dazu im Bundesgesundheitsministerium. Gesundheits-Staatssekretär Theo Schröder warnte davor, die Diskussion um Patientenrechte auf die Patientenverfügung zu verengen. Die Wahrung der Menschenwürde am Lebensende sei längst nicht nur eine juristische Frage. Wichtig sei auch eine gute Sterbebegleitung und eine abgestimmte Schmerztherapie, damit Entscheidungen wie jetzt in den USA gar nicht erst nötig würden. Grundsätzlich aber habe jeder Patient in Deutschland das Recht, eine ärztliche Behandlung abzulehnen. „Das gilt auch für die Frage, ob bei schwerster Krankheit auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet werden soll“, sagte Schröder dem Handelsblatt.

Bischof Huber sprach sich im Berliner Dom ausdrücklich für eine Patientenverfügungen aus. „Wie gut wäre es gewesen, wenn Terri Schiavo sich mit solcher Klarheit hätte äußern können“, sagte der Bischof. „Wenn Menschen im Vorhinein beschreiben, wann für sie diese Zeit gekommen sein wird, dann ist dies zu respektieren.“ Auch Kardinal Lehmann, warnte davor, dass andere Herren über Leben und Tod werden könnten und fragte, ob der letzte Wille des Menschen nicht in Schriftform niedergelegt werden sollte. Der Trierer Bischof Reinhard Marx sagte dagegen im Deutschlandfunk, kein Mensch habe das Recht, seinen eigenen Tod zu bestimmen, so wie er auch nicht das Recht habe, sich selber ins Leben zu bringen.

Lehmann und Huber riefen in ihren Osterbotschaften zugleich zu einem selbstbestimmtes Sterben in Würde auf und sprachen sich vehement gegen aktive Sterbehilfe aus. Lehmann betonte bei seiner Predigt im Mainzer Dom, es sei keine Lösung, Menschen schneller in den Tod hinein zu befördern und sie verhungern zu lassen.

Die moderne Medizin könne ein Leben scheinbar unendlich verlängern. Wenn die Kirche mit der Auferstehung Christi zu Ostern die Überwindung des Todes feiere, heiße das aber nicht, das Leben aus eigener Kraft unendlich verlängern zu müssen.

Letzter Wille

Inhalt: Mit einer Patientenverfügung können Patienten für den Fall tödlicher Erkrankung bestimmen, dass die Ärzte lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen. Bislang gibt es aber kein Gesetz, das dies eindeutig regelt.

Gesetzentwurf: Nach einer umstrittenen Entscheidung des Bundesgerichtshofs hatte Justizministerin Zypries einen liberalen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem auch eine mündliche Patientenverfügung gelten soll.

Widerstand: Nach Kritik der Kirche und der Ethikkommission des Bundestags zog Zypries ihren Entwurf zurück. Nun soll der Bundestag ohne Fraktionszwang entscheiden. Zwei Gesetzentwürfe, ein strenger und ein liberaler, werden derzeit vorbereitet.

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