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Klaus Müller Dieser Mann ist VWs Albtraum

Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, treibt die Diesel-Klagen voran – mit 372.000 VW-Besitzern im Rücken. Dabei nutzen ihm seine Kontakte in die Politik.
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Nie genossen er und der Verband eine höhere Aufmerksamkeit. Quelle: dpa
Klaus Müller

Nie genossen er und der Verband eine höhere Aufmerksamkeit.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seine Erfolge zelebriert Klaus Müller selten still. „Was für eine klare Ansage gegen Dieselbetrüger! Über 300.000 Dieselfahrer beteiligen sich an der Musterfeststellungsklage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) gegen Volkswagen!“, jubelte Deutschlands oberster Verbraucherschützer kurz nach dem Jahreswechsel auf Twitter – um sich kurz darauf zu korrigieren: „Ups, ich präzisiere: Am 2. Januar 2019 waren es 372.000 Anmeldungen.“

Seit 2014 ist Klaus Müller Vorstand des VZBV. Der Schlag gegen Volkswagen ist wohl sein größter Erfolg. „Wir Verbraucherschützer haben mehr als zehn Jahre dafür gekämpft, dass bei Massenschäden nicht jeder alleine klagen muss. Die Einführung ist ohne Zweifel ein großer Erfolg von uns und zeigt, dass es sich lohnt, hartnäckig zu bleiben“, sagte Müller dem Handelsblatt. In Deutschland durften sich potenziell geschädigte Verbraucher nicht zusammenschließen, um gemeinsam gegen ein Unternehmen vorzugehen.

Erst unter der Ägide von Klaus Müller drang der VZBV bei der Politik durch: Am 1. November 2018 trat die sogenannte Musterfeststellungsklage in Kraft, noch am gleichen Tag brachte Müller die Klage gegen Volkswagen auf den Weg. Mit dem größten deutschen Automobilclub ADAC gewann der VZBV zudem einen mächtigen Kooperationspartner.

Ohne den Dieselskandal gäbe es das Gesetz wohl bis heute nicht. Doch Müller nutzte seine Gelegenheit. Die Wut der millionenfach getäuschten VW-Kunden war so groß, dass die Politik unter Zugzwang geriet. Müller halfen dabei seine exzellenten Kontakte in Berlin. Einen guten Draht hat der 47-Jährige etwa zu Gerd Billen, Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium und früher selbst VZBV-Chef.

Müller kommt selbst aus der Politik. Schon als Endzwanziger zog der Grüne 1998 in den Bundestag ein, im Jahr 2000 wechselte der in Kiel diplomierte Volkswirt als jüngster Landesminister der deutschen Geschichte ins Umwelt- und Landwirtschaftsressort von Schleswig-Holstein. Danach machte er als Verbraucherschützer Karriere, zunächst in Nordrhein-Westfalen, dann im Bundesverband.

Die, die ihn gut kennen, beschreiben Müller als überzeugten Verbraucherschützer, der Verbrauchern Waffengleichheit gegenüber der Wirtschaft und eine Stimme in der Politik verschaffen will. Müller ist kein Technokrat, er kann sich in der Öffentlichkeit gut verkaufen. So wie in dem Erklärvideo auf Youtube, in dem er seinen beiden Töchtern – und damit allen Kindern – anschaulich erklärt, wofür er und der VZBV eintreten.

Bei aller Empörung Müllers über Volkswagen ist der Skandal auch eine Werbekampagne für seinen Verband. Nie genossen er und der Verband eine höhere Aufmerksamkeit. So sichert er die Zukunft des Lobbyverbands.

Zum weit überwiegenden Teil wird der VZBV durch Bundesministerien finanziert, größtenteils aus dem Justiz- und dem Wirtschaftsressort. Immer wieder muss der VZBV um Zuschüsse ringen, vor allem, wenn es um Projekte wie die „Marktwächter“ geht.

Müller gelang es, die anfangs durchaus umstrittenen Instrumente langfristig zu etablieren. Heute gibt es Marktwächter für „Finanzen“, „Digitale Welt“ und „Energie“. Der Druck auf die Unternehmen nahm dadurch zu. Wer mit versteckten Klauseln oder undurchsichtigen Verträgen operiert, muss mit Abmahnungen rechnen.

Anfeindungen wie sie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und deren Chef Jürgen Resch erleben, bleiben Müller erspart. Wenn er nun mit der Musterfeststellungsklage den weltgrößten Autokonzern Volkswagen in die Knie zwingen sollte, dürfte er für Hunderttausende Dieselfahrer eine Art Held sein. Jetzt müssen nur noch die Gerichte Müllers These vom „Dieselbetrug“ teilen.

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