Bewerten Sie uns Beantworten Sie drei Fragen und helfen Sie uns mit Ihrem Feedback handelsblatt.com zu verbessern. (Dauer ca. eine Minute)
Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Klimaaktivistin CDU-Generalsekretär Ziemiak erntet harte Kritik für Spott über Greta Thunberg

„Arme Greta!“, ein verschämter Emoji und „pure Ideologie“: Ziemiak schießt auf Twitter gegen die 16-jährige Schwedin. Oppositionspolitiker gehen ihn daher scharf an.
5 Kommentare
Der CDU-Generalsekretär hat eine emotionale Debatte weiter befeuert. Quelle: dpa
Paul Ziemiak

Der CDU-Generalsekretär hat eine emotionale Debatte weiter befeuert.

(Foto: dpa)

DüsseldorfGreta Thunberg könnte es inzwischen gewohnt sein, in sozialen Netzwerken persönlich angegangen zu werden. Die 16-jährige Schwedin avancierte mit einem vielbeachteten Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos zur Leitfigur des Kampfs gegen den Klimawandel. Das hat ihr gerade beim Kurznachrichtendienst Twitter viel negative Reaktionen beschert.

Am Wochenende kam mit CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak ein prominenter Kritiker hinzu. „Greta Thunberg findet deutschen Kohlekompromiss ‚absurd‘“, schrieb der 33-Jährige am Samstagmorgen und bezog sich dabei auf ein Gespräch der Klimaaktivistin mit der Nachrichtenagentur dpa. „Deutschland will bis 2038 Kohle verbrennen. Das ist absolut absurd. Und die Leute denken, das wäre etwas Gutes“, hatte die Schülerin in Hinblick auf den jüngst beschlossenen deutschen Kohleausstieg gesagt.

„Oh, man... kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie“, kommentierte der CDU-Politiker in seinem Tweet weiter und nutzte zur Verdeutlichung seiner Gemütslage das Emoji, was einen verschämt lachenden Affen darstellt, der sich mit den Händen die Augen zuhält.

Tatsächlich hat Thunberg das nicht erwähnt, was nicht verwundert, da die junge Schwedin grundsätzlich dafür kämpft, dass ihre Generation überhaupt eine Zukunft in einem stabilen Ökosystem hat. „Deutschland hat eine unglaubliche Chance und eine unglaubliche Verantwortung dabei, damit aufzuhören, Kohle zu verbrennen. Würde Deutschland das tun, würde das ein deutliches Signal an die Welt senden, dass wir uns in einer Krise befinden und dass wir mit solchen Sachen aufhören müssen“, lautet der vollständige Kontext ihrer Aussage. Die Signalwirkung des Kohleausstiegs hatte kürzlich auch Handelsblatt-Energieexperte Jürgen Flauger entsprechend kommentiert.

Ziemiak schloss seinen Beitrag mit einem spöttischen „Arme Greta!“ und bediente sich dabei eines Bilds, was Thunbergs Gegner auch bei Twitter als Hauptkritikpunkt nutzen: Die Schülerin werde von Lobbyisten instrumentalisiert und als öffentlichkeitswirksame Gallionsfigur missbraucht. In diesen Kritiken schwingt in der Regel auch der Vorwurf mit, Thunbergs Vater würde die 16-Jährige aufgrund ihres Asperger-Syndroms nicht ausreichend schützen. Auffällig ist, dass diese Stimmen oft aus einem rechten bis rechtsextremen Umfeld stammen.

Viel Gegenwind für Ziemiak

Doch wo der Schwedin bereits an anderer Stelle auf Twitter viel Zuspruch zuteil wurde, schlägt auch Ex-JU-Chef Ziemiak eine Welle der Entrüstung entgegen. Oppositionspolitiker lassen kein gutes Haar am noch frischen CDU-Generalsekretär. „Es ist schon absurd, sich als Generalsekretär der stärksten deutschen Partei an einem 16 jährigen Mädchen abzuarbeiten, welches massiver rechter Hetze ausgesetzt ist“, hielt der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat als direkte Antwort dagegen. „Wie wäre es sich a.) über das politische Engagement zu freuen und b.) der rechten Hetze entgegen zu treten?“, fragte er Ziemiak direkt.

„Eine 16jährige mit Vision & Weitblick gebasht von einem Generalsekretär mit Realitätsverweigerung. Guten Morgen #Groko Politik“, erweiterte der Grünen-Abgeordnete Alexander Tietz-Latza die Kritik auf die gesamte Bundesregierung. Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, schloss sich offensiv Thunbergs Standpunkt an: „Lieber Paul, der Graben zwischen Greta und Dir, liegt in ihrer Fähigkeit zu verstehen, dass die #Klimakrise nicht irgendein abstraktes Szenario ist.“

Die langjährige Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast holte ebenfalls zum Schlag aus: „Sie werfen das einer 16 Jährigen vor, dass sie auch mal an die Zukunft ihrer Generation denkt angesichts der Probleme die sie erben? Das ist sowas von gefühlskalt + unchristlich!“, warf sie Ziemiak vor. Dem sprang daraufhin der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke zur Seite: „Nein das wirft @PaulZiemiak ihr nicht vor. Der #Kohleausstieg ist aber nicht nur eindimensional zu betrachten. Dazu gehört eben ein wenig mehr, wenn man ihn ordentlich abwickeln will.“ Die Debatte zog sich noch mehrere Tweets weiter.

Die Antworten der Grünen-Politiker erreichten bisher Tausende Likes, allerdings steht auch Ziemiaks Ausgangstweet bei mehr als 2.000 Unterstützungsbekundungen. Bis zum frühen Montagmorgen sammelten sich mehr als 2.700 Antwortbeiträge unter dem Tweet. Eine der meist-geliketen Antworten stammt derweil vom Handelsblatt selbst. „Deutschland verfehlt die eigenen Klima-Ziele. Und der CDU-Generalsekretär kritisiert eine 16-Jährige, die das kritisiert. Ist das der neue Politikstil der CDU? Armer @PaulZiemiak!“, twitterte Chefredakteur Sven Afhüppe und fand dafür mehr als 1.000 Unterstützer.

Dass die Debatte emotional und oft nicht ganz sachlich verläuft, liegt in der Natur des Kurznachrichtendienstes Twitter. „Wie kann man in so relativ jungen Jahren schon ein so alter weißer Mann sein? Du bist die Vergangenheit!“ polterte etwa ein Twitter-Nutzer gegen Ziemiak. Insgesamt hat sich eine hitzige Debatte entsponnen, die oftmals an dem Punkt kristallisiert, an dem es um die Grundsätze geht: hohe Milliardenkosten für den Kohleausstieg gegen beim Klimawandel geht es ums Überleben aller.

Der Tweet zeigt, wie aufgeladen der öffentliche Diskurs beim Thema Klimaschutz ist, was auch daran liegt, dass die wissenschaftlichen Fakten dazu oft als „Klimalüge“ verleugnet werden. Nicht zuletzt von US-Präsident Donald Trump und in Deutschland von Teilen der AfD.

Vielleicht kann zumindest auf Twitter eine Prise Humor die Schärfe nehmen und den Blick auf Sachthemen lenken. „Hey Paulematz- merkste jetzt selbst, gell?“ kommentierte etwa Karikaturist Ralph Rute. Mehr als 2.600 Menschen fanden, dass damit genug gesagt ist.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

5 Kommentare zu "Klimaaktivistin: CDU-Generalsekretär Ziemiak erntet harte Kritik für Spott über Greta Thunberg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • (...)Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @Frau N. Bartels:
    "Es wird kabellose, selbstladende Telefone, Haushaltsgeräte und Autos mit unendlicher Reichweite geben."
    Ein Telefon, auch einer der als "Smart" bezeichnet wird, ist ein relativ billiges Instrument, das nicht viel Energie verbraucht.
    Warum gibt es noch nicht die "selbstladende Variante"?
    Die Antwort ist einfach: Weil die Brüder Grimm es nicht patentierten.
    Von Autos mit unendlicher Reichweite ganz zu schweigen.
    Es gibt nur etwas unendliches: Die menschliche Dummheit. Ausreichend vorhanden...

  • Wo sind wir eigentlich? Die Jugend soll sich politisch engagieren, aber wenn es nicht die eigene Idiologie ist, dann bitte nicht einmischen. Solche Oberlehrer, wie Herr Ziemiak brauchen wir wirklich nicht.
    Ich jedenfalls begrüße es, wenn die Jugend aufsteht und ihre Meinung sagt.
    Und Herr Ziemiak, vergessen Sie nicht, bald sind die jungen Menschen Wähler. Auch in Deutschland.

  • Wenn eine 16-jährige Schülerin uns ihre kindliche Weltsicht, die sie ohne Rücksicht auf die negativen Wirkungen kund tut, ist gut so, aber wir sollten es als jugendlichen Ideealismus verstehen.
    Um es mit Winston Churchill zu sagen: " Wer mit 20 kein Sozialist ist hat kein Herz, wer mit 40 ein Sozialist ist hat keinen Verstand."
    Jeder, sofern er oder sie Verantwortung tragen will, muss bei jedem Handeln die gesamten Auswirkungen bedenken die durch das Handeln entstehen. Die Frage die beantwortet werden muß, überwiegt das Positive oder das Negative und wird es von den Menschen akzeptiert.
    Wenn aber von immer den gleichen hier im HB, das Märchen zur Neutrino-Energy erzählt wird, die es nicht gibt und das ist physikalisch nachgewiesen, dann ist die Aussage nur böswillige Scharlatanerie und hat werder was mit Herz oder Verstand zu tun.

  • Den Ausstieg aus der Kohleenergie noch 20Jahre zu halten ist doch nur ein Abmachen mit der Lobby... Junge Menschen wie Greta haben das Recht es als ABSURD zu bezeichnen.

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%