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Klimaneutralität Uneinigkeit bei Ministerien: Bundesregierung ringt um eine Wasserstoffstrategie

Das Thema Wasserstoff hat Hochkonjunktur. Das ist auch der Bundesregierung bewusst. Doch die zuständigen Ressorts finden nicht zueinander. Die Wirtschaft hat indes konkrete Forderungen.
20.12.2019 - 11:19 Uhr 3 Kommentare
Die deutsche Industrie bräuchte enorme Mengen grünen Wasserstoff um klimaneutral zu werden. Quelle: dpa
Aus Windenergie wird Wasserstoff

Die deutsche Industrie bräuchte enorme Mengen grünen Wasserstoff um klimaneutral zu werden.

(Foto: dpa)

Berlin Wenn Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf das Thema Wasserstoff zu sprechen kommt, gerät er ins Schwärmen. „Ich will, dass das Wasserstoffthema fliegt“, sagte der Minister kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt. Der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft stelle eine Herausforderung dar, die eine ähnliche Größenordnung habe wie die Energiewende. Er wolle „die industrielle Erzeugung von grünem Wasserstoff vorantreiben“.

Schon vor Monaten hatte Altmaier angekündigt, sein Haus werde gemeinsam mit den Ressorts Umwelt, Verkehr und Forschung eine Wasserstoffstrategie erarbeiten, die man noch im Jahr 2019 vorlegen werde. Doch daraus wird nichts. Das Thema ist auf Anfang 2020 vertagt.

Hintergrund sind unterschiedliche Auffassungen zwischen den unionsgeführten Ministerien Wirtschaft, Verkehr und Forschung auf der einen Seite und dem SPD-geführten Umweltministerium auf der anderen Seite. Die unionsgeführten Ressorts sehen grünen Wasserstoff, der mittels Strom aus erneuerbaren Quellen CO2-frei hergestellt werden kann, als Allzweckwaffe für viele Anwendungen.

Sie setzen dabei auch auf Importe aus dem Ausland. Das gilt insbesondere für Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Sie hatte kürzlich in einem Gastbeitrag im Handelsblatt angekündigt, sie werde gemeinsam mit afrikanischen Partnern die Chancen von grünem Wasserstoff für eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents analysieren. „Dabei sollen sowohl Bedarfe vor Ort als auch Möglichkeiten für den Export grünen Wasserstoffs nach Deutschland betrachtet werden“, schrieb sie.

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    Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist wesentlich vorsichtiger. Sie sieht die Gefahr, dass die Aussicht auf den Aufbau von Importstrukturen für grünen Wasserstoff den Ehrgeiz beim Ausbau erneuerbarer Energien hierzulande bremsen könnte.

    Ihr Motto: Wer Ja sagt zu grünem Wasserstoff, muss auch Ja sagen zum Ausbau der Windkraft in Deutschland. Grüner Wasserstoff ist in ihren Augen ein kostbares Gut, das man gezielt einsetzen muss, etwa für industrielle Prozesse oder im Schwerlastverkehr.

    Grafik

    Riesiger Wasserstoffbedarf der Industrie

    Gerade die Industrie sieht in grünem Wasserstoff die einzige Möglichkeit, CO2-frei zu werden. Allerdings steht sie dabei vor großen Herausforderungen. So ist grüner Wasserstoff im Moment in der Herstellung noch extrem teuer. Außerdem gibt es keine nennenswerten Produktionskapazitäten, die es ermöglichen würden, grünen Wasserstoff in den Größenordnungen herzustellen, wie sie etwa die Stahl- oder die Chemiebranche benötigen.

    Grüner Wasserstoff sei „nur ein Traum“ und Deutschland verfüge selbst unter den allergünstigen Annahmen nicht über die Flächenpotenziale, um den für die Herstellung von grünem Wasserstoff erforderlichen Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung zu stellen, sagen die Skeptiker.

    Zur Einordnung: In Deutschland werden jährlich 180 Terawattstunden Strom mittels Wind und Sonne hergestellt. Allein die Chemiebranche hatte aber kürzlich errechnet, sie benötige Strom aus erneuerbaren Quellen in einer Größenordnung von 600 Terawattstunden, um klimaneutral zu werden. Ein erheblicher Teil des Strom müsste für die Produktion von grünem Wasserstoff eingesetzt werden.

    Die Wirtschaft drückt dabei aufs Tempo. „Der BDI erwartet, dass die nationale Wasserstoffstrategie neben einer langfristigen Perspektive ein kraftvolles Signal für erste Anwendungen im industriellen Maßstab sendet“, sagte Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer, dem Handelsblatt.

    Ähnlich argumentiert der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA): Die Wasserstofftechnologie sei bereit für den Schritt aus dem Labor in die Praxis. Die Bundesregierung müsse ihre angekündigte Wasserstoffstrategie mit konkreten Maßnahmen für einen Markthochlauf versehen.

    In einem 20 Seiten umfassenden Papier mit dem Titel „Prioritäten der Industrie für die Nationale Wasserstoffstrategie“ hat der BDI den möglichen Einstieg in die Wasserstoffwelt skizziert. In dem Papier werden die verschiedenen Maßnahmen nach zeitlicher Dringlichkeit sortiert.

    Grundsätzlich sieht auch Altmaier eine wachsende Dringlichkeit. In der Praxis ist davon allerdings noch nicht viel angekommen. Im Wesentlichen fördert das Wirtschaftsministerium Projekte zum Thema grüner Wasserstoff in der Form sogenannter „Reallabore“. Dabei können kleinere Modellvorhaben umgesetzt werden, für die die Regulierung zum Teil ausgesetzt wird. Das wird zwar allenthalben gelobt, reicht aber nicht für den industriellen Durchbruch.

    Der BDI fordert daher in seinem Positionspapier, Investitionen in erste Anlagen zur Herstellung von klimaneutralem Wasserstoff im industriellen Maßstab mit einem Marktanreizprogramm zu unterstützen. Die operativen Kosten für den Betrieb der Anlagen sollen gesenkt werden, indem der Strom, der für die Wasserstoffherstellung benötigt wird, von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) befreit wird.

    Diese Forderung wird bereits seit Langem erhoben. Altmaier als zuständiger Minister hatte eine Befreiung von der EEG-Umlage für die Anlagen allerdings bislang immer zurückhaltend bewertet.

    Mehr: Hoffnung Wasserstoff – Was die Technik bringt und wer sie nutzt. Ein Dossier.

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    3 Kommentare zu "Klimaneutralität: Uneinigkeit bei Ministerien: Bundesregierung ringt um eine Wasserstoffstrategie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sicher haben sich die Experten in den Ministerien schon mit den japanischen KollegInnen in Verbindung gesetzt und die ersten Besprechungs- und Besichtigungstermine zu dem Thema Wasserstoff und Brennstoffzellen vereinbart. Diese Dienstreisen sind gut investiertes Steuergeld.
      Deutschland ist nicht der Nabel der Welt.

    • Es geht nur über Wasserstoffimport aus Desertec2 und ähnliches. Deutschland ist viel zu dicht besiedelt, als dass über flächenfressende Wind- oder Solarenergie nennenswerte Primärenergieanteile erzeugt werden könnten. Man kann nicht weitere zigtausende riesige Windindustrieanlagen in unsere Wälder bauen, wie es sich einige "Grüne" erträumen. Energieerzeugung wird durch die Energiewende in Deutschland kaum noch stattfinden. Die Zahlen sind eindeutig.

      https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Infografiken/Energie/Energiedaten/Energiegewinnung-und-Energieverbrauch/energiedaten-energiegewinnung-verbrauch-03.html

    • Unsere Energieversorgung muss diversifiziert sein, damit sie sicher und bezahlbar bleibt.
      Die Klimaneutralitaet ist fuer mich zweitrangig, aber die Diversifizierung kann dazu bei-tragen. Wasserstoff ist kein Allheilmittel, aber er traegt dazu bei, hauptsaechlich weil er
      die sonst nicht nutzbare Windenergie nutzbar macht. Und ja, leider insistiert die
      Regierung bei dem grossen Fehler, die Kernenergie abzuschaffen.

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