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Kohlekraftwerk

Emissionshandelssysteme sind wichtige Instrumente zur Umsetzung der Klimaschutzziele.

(Foto: dpa)

Klimaschutz Immer mehr Staaten geben CO2 einen Preis

Weltweit wächst das Interesse an Emissionshandelssystemen. Die Staaten treiben damit den Klimaschutz an – und forcieren weitere Reformen.
2 Kommentare

Berlin Rund um den Globus gehen Staaten dazu über, CO2-Emissionen mit einem Preis zu versehen. Das belegt der aktuelle Report der International Carbon Action Partnership (ICAP), der dem Handelsblatt vorliegt. Er wird an diesem Dienstag veröffentlicht. „Das Interesse von Staaten, durch Emissionshandelssysteme einen Preis auf Emissionen zu erheben, ist in den letzten Jahren gewachsen“, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Reports.

Eine weitere Erkenntnis: Die Staaten, die bereits Emissionshandelssysteme eingeführt haben, haben für die kommenden Jahre eine Reihe von Reformen umgesetzt und ihr Ambitionsniveau damit in vielen Fällen deutlich gesteigert. Das gilt auch für das europäische Emissionshandelssystem.

Emissionshandelssysteme (EHS) gehören zu den wichtigsten Instrumenten bei der Umsetzung von Klimaschutzzielen. Sie ermöglichen präzise CO2-Reduktionen innerhalb festgelegter Zeitfenster. Die Funktionsweise ist grundsätzlich simpel: In Sektoren, die dem Emissionshandel unterliegen, muss jeder Teilnehmer für jede Tonne CO2, für deren Emission er verantwortlich ist, ein Zertifikat vorhalten.

In Europa sind die Sektoren Energie und Industrie zur Teilnahme verpflichtet. Für Kraftwerke und Industrieanlagen müssen Verschmutzungsrechte ersteigert werden, ein Teil der Zertifikate für die Industrie wird gratis zugeteilt.

Wer weniger Kohlendioxid ausstößt, als er Rechte hat, kann die überschüssigen Zertifikate verkaufen, beispielsweise an der Leipziger Strombörse. Wer mehr braucht, muss zusätzliche kaufen. Die Idee dahinter: Hohe Preise für Emissionszertifikate sind ein Anreiz für Investitionen in emissionsarme Technologien.

Zertifikate waren zu billig

Dem jüngsten ICAP-Report zufolge existieren weltweit 20 Kohlenstoffmärkte in Volkswirtschaften, die zusammen fast 40 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts ausmachen. 18 weitere nationale und regionale Regierungen prüfen die Einführung von Emissionshandelssystemen. Der ICAP Status Report erscheint einmal jährlich und analysiert die Entwicklung von EHS weltweit.

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Für viele etablierte Kohlenstoffmärkte war 2018 ein Jahr der Reformen, um sich für die kommenden Jahrzehnte und das Erreichen der Klimaschutzziele auszurichten, heißt es in dem Bericht. Diese Veränderungen bewirkten bereits heute deutliche Preiseffekte; in den größten Systemen bewege sich der Preis in Richtung der Marke von 20 Dollar je Tonne Kohlendioxid und teilweise sogar darüber hinaus.

Ein gutes Beispiel dafür ist das europäische Emissionshandelssystem. Lange galt das 2005 eingeführte System als Sorgenkind. Zwar erfüllte der Emissionshandel in den EU-Staaten exakt die gesetzten Reduktionsziele; die Anreize für Investitionen in emissionsarme Technik blieben jedoch gering, weil die Preise für die Zertifikate weit unter den Erwartungen lagen und im niedrigen einstelligen Euro-Bereich dümpelten.

Ursache war neben einer großzügigen Ausstattung mit Zertifikaten auch die Wirtschaftskrise 2008. Zwischenzeitlich hat sich die Situation verändert. Derzeit kostet ein Zertifikat 21 Euro. Mit der Reform des Emissionshandels, die ab 2021 in Kraft tritt und die Regeln deutlich verschärft, dürften die Preise für Zertifikate weiter steigen.

Allerdings blieben weitere Reformvorschläge bislang unerhört. Viele Verfechter des Emissionshandels fordern, das System in Europa auch auf die Sektoren Verkehr, Wärme, Landwirtschaft sowie Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) auszuweiten. Damit wären dann sämtliche Sektoren erfasst.

Lateinamerikas Emissionshandelssysteme seien im vergangenen Jahr einen großen Schritt weitergekommen, heißt es im ICAP-Report. Mexiko stehe bereit, zwischen 2019 und 2020 einen Pilot-Kohlenstoffmarkt einzuführen. Kolumbien und Chile, letzteres Land Ausrichter der nächsten Weltklimakonferenz, prüften das Instrument für ihr Land.

Das zukünftige Schwergewicht wird indes das EHS in China sein. Chinas nationaler Kohlenstoffmarkt wird, sobald er in Kraft tritt, der weltweit größte sein. Durch diesen neuen Markt springt der weltweite gesamte Anteil all jener Emissionen, die durch Emissionshandel reguliert werden, ICAP zufolge von acht auf 14 Prozent.

US-Präsident Donald Trump zum Trotz hat der Emissionshandel auch in den USA Fortschritte gemacht und das Interesse weiterer US-Bundesstaaten geweckt. Mehrere Systeme auf regionaler Ebene, heißt es in dem Bericht, seien geplant oder würden geprüft.

Der Traum vieler Befürworter des Emissionshandels, die verschiedenen Systeme global zu vernetzen, dürfte allerdings so schnell nicht in Erfüllung gehen. „Bis zu einer Verlinkung der großen Systeme ist es noch ein weiter Weg.

Frühestens gegen Ende des nächsten Jahrzehnts wird man darüber nachdenken können, das chinesische System mit dem europäischen zu verknüpfen“, sagte Felix Matthes vom Öko-Institut dem Handelsblatt. Matthes befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema Emissionshandel und hat unter anderem China beim Aufbau des Emissionshandelssystems beraten.

Keine Probleme sieht Matthes hingegen bei der Frage, wie sich Emissionshandelssysteme mit einer CO2-Steuer kombinieren lassen. „Man muss nicht zwingend einen Gegensatz zwischen einer CO2-Abgabe und einem Emissionshandelssystem sehen. Bereits heute sehen wir Hybridsysteme, die Preis- und Mengensteuerung miteinander verknüpfen, und zukünftig wird sich das noch deutlich verstärken“, sagt Matthes.

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2 Kommentare zu "Klimaschutz: Immer mehr Staaten geben CO2 einen Preis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wer besteuert die weltweit tätigen Vulkane mit ihrem exorbitanten CO2 Ausstoß ??? Die weltweite Vulkanaktivität stößt mehr giftige Gase aus, vor allem Co2, wie die gesamte Menschheit und wenn ein paar neue aktive Vulkane hinzu kommen was laufend passiert, dann lassen die unsere Einsparungen zur Farce werden.
    Wer Politikern die Möglichkeit zum abkassieren gibt, darf sich nicht wundern wenn sie es tun. Wer aber den Emissionshandel in Mexiko, Kolumbien und Chile als beispielhaft hervor hebt macht sich lächerlich. Ach ja in Kolumbien wird auch der Drogenanbau sowie Handel bekämpft, nur leider wissen davon die Kulumbianer nichts und so wird es auch mit dem CO"-Emissionshandel sein.
    Das CO2 ist harmlos gegenüber dem was sich hier zusammenbraut, eine CO2-Diktatur. Diese geht in die nächste Phase über zur CO2-Inquisition, die den Menschen von der Wiege bis zur Bahre alles vorschreiben will und wer sich nicht unterwirft kommt auf den Medialen Scheiterhaufen.
    Die Initiatioren, die Grünenpolitiker fliegen weiter wie an Weihnachten gesehen nach Lateinamerika und nach Florida und gönnen sich ihr Eis aus Kunststoffbechern mit Kunststofflöffeln.
    Ja die haben recht, die wissen dass sie nur das Volk verarschen und es für die Umwelt belanglos ist wenn sie um die halbe Welt zu fliegen für einen netten Kurzurlaub, während der ängstliche Normalbürger seinen CO2-Verbrauch zu reduzieren versucht und Weihnachteinkäufe zu Fuß erledigt. Die DDR läßt grüßen mit Wandlitz als Vorbild.

  • Welcher Staat läßt sich schon zusätzliche Einnahmen entgehen, wenn diese so leicht mit "Naturschutz" zu begründen sind?

    Das Klima der Erde ändert sich ständig. Sie tut dies schon seit 3 Milliarden Jahren und auch sicher in den nächsten 3 Milliarden Jahren, unabhängig ob wir Menschen da sind oder nicht.

    Wer bestimmt, was das "optimal" Klima für dei Erde ist? Ein Grad mehr oder weniger? Alles hat Vor- und Nachteile. Schlimmer als der Gletscherschwund ist das Anwachsen der Gletscher! Das Jammern wäre sehr groß, wenn die Gletscher wieder bis an die Nordsee reichen - hatten wir schon!

    0,038 Prozent CO2 sind in der Luft. Davon produziert die Natur 96 Prozent, den Rest, also vier Prozent, der Mensch. Das sind dann vier Prozent von 0,038 Prozent also 0,00152 Prozent. Der Anteil Deutschlands hieran ist 3,1 Prozent. Damit beeinflusst Deutschland 0,0004712 Prozent des CO2 in der Luft. Damit wollen wir die Führungsrolle in der Welt übernehmen, was uns jährlich an Steuern und Belastungen etwa 50 Milliarden Euro kostet.

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