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Klimawandel Nutzungskonflikte um Wasser: Industrie pocht auf Plan für Versorgungssicherheit

Dass mancherorts in Deutschland Wasser knapp wird, alarmiert die Branche. Sie fordert einen Plan, wie die Wasserversorgung sichergestellt werden kann.
04.05.2021 - 10:02 Uhr Kommentieren
Nach monatelanger Dürre war der Pegel 2018 auf einen Tiefststand gefallen, was zu Problemen auch bei BASF geführt hatte. Quelle: dpa
Niedriger Wasserstand am Rhein

Nach monatelanger Dürre war der Pegel 2018 auf einen Tiefststand gefallen, was zu Problemen auch bei BASF geführt hatte.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschland ist ein wasserreiches Land. Über Jahrzehnte war der Umgang mit Wasser in der Bundesrepublik kein sonderlich problematisches Thema. Doch mit dem Klimawandel ändert sich das. In manchen Regionen wird Wasser zu einem knappen Gut. Die Nutzungskonflikte verschärfen sich.

Zuletzt zeigte sich das am Beispiel der Gigafactory des US-Autobauers Tesla im brandenburgischen Grünheide, die schon allein aufgrund ihrer enormen Größe enorme Wassermengen für die Produktion benötigen wird. Der zuständige Wasserverband erklärte, dass die Wasserversorgung nur für die erste Ausbaustufe des Unternehmens gesichert sei. Darüber hinaus gebe es derzeit keine Kapazitäten, ohne dass das Versorgungssystem mit Trinkwasser für 170.000 Menschen in der Region zusammenbreche.

„Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser muss immer Vorrang haben“, forderte nun Uli Paetzel, Präsident der DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, anlässlich der Übergabe eines Forderungskatalogs an die umweltpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen am Montag.

„Angesichts zunehmender Dürreperioden auch in Deutschland und zunehmender Schwierigkeiten, den Wasserhaushalt in mancher Region zu sichern, stellt sich die Frage, ob die Ansiedlung von Unternehmen in jedem Winkel Deutschlands Sinn macht“, sagte er dem Handelsblatt. Darüber müsse diskutiert werden.

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    Wenn die Politik diese Frage positiv beantworte, so Paetzel, dann müsse sie im Zweifel Sorge dafür tragen, dass Wasser in niederschlagsarme Regionen transportiert werden könne. „Das braucht lange Vorlaufzeiten.“ Vorrang aber, sagte Paetzel weiter, müsse immer ein intelligentes Wassermanagementsystem vor Ort sein. „Der Transport über längere Strecken kann nur die letzte Lösung sein.“

    Den Unternehmen mehr abverlangen?

    Auch in der Wirtschaft müsse „stärker als heute“ über den richtigen Umgang mit Wasser nachgedacht werden. „Den Unternehmen kann mehr abverlangt werden“, meint Paetzel. Sie müssten beispielsweise stärker über die Einführung wassersparender Technologien nachdenken beziehungsweise über die Verwendung von Regenwasser oder gereinigtem Abwasser. „Wir reden immer nur davon, die Emissionen zu reduzieren. Aber es muss auch Fortschritte beim Wasser geben.“

    Das nährt Sorgen in der Industrie. Die Bundesregierung sollte „zügig einen konkreten Plan vorlegen, wie sie auch in Zukunft die Wasserversorgung der Industrie sicherstellen will“, sagte Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), dem Handelsblatt. Deutschland sei ein wasserreiches Land ohne strukturelle Wasserknappheit. Die Wassernutzer dürften daher nicht gegeneinander ausgespielt werden.

    Industrielle Nutzung von Wasser ermöglichen

    Lösch betont, dass der Wasserverbrauch „in allen Industriebranchen“ in den vergangenen Jahrzehnten gesunken sei. Zum Beispiel habe die Stahlindustrie ihren Wassereinsatz in den vergangenen 30 Jahren um 75 Prozent reduziert, die chemische Industrie in den vergangenen zwei Jahrzehnten um ein Drittel. „Das zeigt, dass die Industrie bereits einen erheblichen Aufwand betreibt, um die Ressourceneffizienz gerade beim Wasser zu erhöhen.“

    Die industrielle Nutzung von Gewässern, insbesondere zu Kühlzwecken und zur direkten Verwendung im Rahmen der Produktion oder zum Transport, müsse weiterhin „unter wirtschaftlich akzeptablen Voraussetzungen“ möglich sein. Damit erinnert Lösch an die Probleme 2018, als lang anhaltendes Niedrigwasser die Schiffbarkeit des Rheins gravierend beeinflusst hatte. Bei BASF in Ludwigshafen wurde die Produktion gedrosselt, der finanzielle Schaden ging in die Millionen.

    Der Auffassung, dass Ansiedlungen deutschlandweit möglich sein müssten, ist Lösch allerdings nicht. „Flächen in nicht streng geschützten Gebieten mit entsprechender Infrastruktur und ungenutzte Industrieflächen sind bereits ausreichend vorhanden“, so Lösch. „Es ist nicht notwendig, Industrieansiedlungen überall in Deutschland möglich zu machen.“

    Der klimapolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Lukas Köhler, sagte dem Handelsblatt, welchen Aufwand eine Kommune tatsächlich für die Ansiedlung eines Unternehmens zu leisten bereit sei, sollte eine Frage des Standortwettbewerbs sein. Gleiches gelte für die Frage, „ob und inwiefern sich Unternehmen im Gegenzug dazu verpflichten, besonders wassersparend zu produzieren oder den Wasserverbrauch beispielsweise durch Wiederaufbereitungsanlagen zu reduzieren“. Grundsätzlich, so Köhler, müssten in Deutschland überall Industrieansiedlungen möglich sein und die Bereitstellung der dafür notwendigen Infrastruktur sei „zunächst mal eine staatliche Aufgabe“.

    Wasserstrategie im Juni

    Bundesweit einheitliche Regelungen lehnt der FDP-Politiker ab. Während einige Regionen unter Wasserknappheit litten und die Folgen des Klimawandels zunehmend spürten, sei dieses Problem in anderen Teilen Deutschlands überhaupt kein Thema.

    Im Juni will das SPD-geführte Bundesumweltministerium eine Wasserstrategie vorlegen, in der es unter anderem darum geht, wie Knappheiten vermieden werden können. „Wir müssen Lösungen finden, wie wir mit Wasserknappheit und Nutzungskonflikten umgehen“, sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) im vergangenen Jahr. Es gehe nicht darum, jemandem das Wasser abzudrehen. „Aber es braucht Spielregeln, damit es am Ende kein Gegeneinander unterschiedlicher lokaler Interessen gibt.“

    Der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft verlangt unterdessen, Verursacher von Gewässerverunreinigungen stärker in die Pflicht zu nehmen. 

    Die Bundesregierung sei gefordert, den Eintrag problematischer Stoffe wie Arzneimittel, Mikroplastik oder Pestizide bereits an der Quelle zu reduzieren und ein herstellerbezogenes Modell zur Finanzierung von Anlagen zur Abwasserreinigung einzuführen, sagte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser vergangene Woche bei Vorlage einer Wasserstrategie für Deutschland.

    Das fordert auch DWA-Präsident Paetzel. Brüssel stelle zunehmend höhere Ansprüche an die Qualität des Wassers, das nach der Reinigung in den Klärwerken in die Gewässer geleitetet werde, sagte er. Das Herausfiltern der Schadstoffe sei technisch möglich, allerdings mit Investitionskosten, höheren Betriebskosten sowie einem größeren Energieeinsatz verbunden.

    Volkswirtschaftlich sei es da häufig sinnvoller, direkt an der Quelle anzusetzen und bei Entwicklung der Stoffe verstärkt deren Umweltauswirkungen zu berücksichtigen, sagte er dem Handelsblatt. „Die Kosten dürfen nicht auf den Bürger über die Abwassergebühren abgewälzt werden.“

    Mehr: Lob von der Wirtschaft, Streit in der Koalition: Was bedeutet das Urteil zum Klimaschutzgesetz?

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