Koalition rät zu Petersburger Gipfel Russland-Freibrief für die deutsche Wirtschaft

Putins Petersburger Wirtschaftsforum genießt einen hohen Stellenwert. Doch wegen der Ukraine-Krise drängte Washington viele Firmen zum Boykott. Deutsche Top-Manager reisen dennoch – mit Rückendeckung aus Berlin.
15 Kommentare
Als die Welt noch in Ordnung war: Angela Merkel und Wladimir Putin beim Petersburger Gipfel im Juni 2013. Quelle: dpa

Als die Welt noch in Ordnung war: Angela Merkel und Wladimir Putin beim Petersburger Gipfel im Juni 2013.

(Foto: dpa)

BerlinEnde März schüttelte Siemens-Chef Joe Kaeser Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau noch die Hand, nun sagten er und die Manager von dutzenden weiteren internationalen Konzernen ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg ab. Hintergrund ist die Ukraine-Krise. Insgesamt 34 Unternehmenschefs hätten deshalb ihre Reise zu dem Forum vom 22. bis zum 24. Mai storniert, schrieb kürzlich die Kreml-treue Zeitung „Iswestija“.

Politiker von CDU, SPD, Linken und FDP halten es jedoch für falsch, die Wirtschaftskonferenz zu meiden und sind froh, dass einige deutsche Top-Manager dabei sind. Sie stellen sich damit mitten in der Ukraine-Krise gegen die US-Regierung, die von einer Teilnahme abgeraten und wegen der Auseinandersetzung mit Russland von einer „unangemessenen Botschaft“ gewarnt hatte. Wichtige US-CEOs hatten daraufhin ihre Zusagen wieder zurückgezogen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich nicht. Im vergangenen Jahr war sie selbst noch zusammen mit einer hochrangigen deutschen Wirtschaftsdelegation nach Petersburg gereist und hatte dort den russischen Präsidenten getroffen.

„Gerade in der derzeitigen Situation sind Gespräche auf allen Ebenen wichtig und richtig, sowohl auf politischer, militärischer als auch auf zivilgesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), Handelsblatt Online. „Es gilt, jede Chance zu nutzen, um deutlich zu machen, was – auch wirtschaftlich – auf dem Spiel steht.“ Denn wenn durch das völkerrechtswidrige Verhalten Russlands die Lage in der Ukraine weiter eskaliere, werde es am Ende auf allen Seiten nur Verlierer geben.

Ähnlich äußerte sich der Vize-Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Klaus Barthel (SPD). „Ich halte es für unangemessen und unklug, Russland und Putin unter Quarantäne zu stellen“, sagte Barthel Handelsblatt Online. Die Frage sei, wer eigentlich ein Interesse an einer Eskalation im Ukraine-Konflikt habe und was das konkrete Ziel einer „Kontaktsperre“ bei einer solchen „Eskalationsstrategie“ sein solle. Gleichwohl würde er sich wünschen, „dass es die europäischen Regierungen und politisch Verantwortlichen nicht einigen Managern überlassen, die Gesprächsfäden aufrecht zu erhalten“, fügte der SPD-Politiker hinzu. „Das kann und darf natürlich nicht bedeuten, dass man Putin nach dem Mund redet oder ihn hofiert.“

Bereits Anfang Mai hatten etliche Konzerne angekündigt, dass Spitzenvertreter am Wirtschaftsforum trotz der Ukraine-Krise wie geplant teilnehmen würden. „Spiegel Online“ berichtet, dass neben Eon-Chef Johannes Teyssen auch Metro-CEO Olaf Koch und der Öl- und Gasvorstand von BASF, Harald Schwager, kommen werden.

Absagen von Kaeser und Fitschen
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Koalition rät zu Petersburger Gipfel - Russland-Freibrief für die deutsche Wirtschaft

15 Kommentare zu "Koalition rät zu Petersburger Gipfel: Russland-Freibrief für die deutsche Wirtschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wer etwas für die Wiederherstellung guter deutsch-russischer Beziehungen tun kann, der tue es.
    Vielleicht sollten auch baldige Neuwahlen in Deutschland angestrebt werden. Es könnte durchaus eine Mehrheit der Merkel-Nichtversteher geben.


  • Das was sie schreiben hat nur einen Knackpunkt. Warum hätten die westlichen Zentralbanken Ihr Gold verkaufen sollen?

  • Wieso Schwachsinn? Ich habe doch nie was anderes behauptet, als das es um Öl und Gas geht.
    Naja so langsam muss auch der allerletzt begriffen haben, dass es um Öl und Gas geht.
    Für Russland ist es eine Existenzfrage, dass die riesigen Öl und Gas Reserven in der Ukraine nicht gefördert werden. Solch eine Konkurrenz mit der bestehenden Infrastruktur würde die Ukraine wirtschaftlich zu einem zweiten Saudi-Arabien machen und Russland direkt in den Bankrott führen. Wie Erklären Sie sich dann, dass Janukowitsch mit Schlumberger, Exxon und Total Verträge zur Förderung abgeschlossen hat und plötzlich die Revolution ausbricht und der President plötzlich vor 1500 Demonstranten fliehen muss. Also wenn Sie glauben, dass das nicht abgekartet war dann kann Ihnen keiner helfen. In Deutschland gab's bei den Montagsdemos 100000 Demonstranten und die Regierung musste nicht zurücktreten und da solle 1500 die Regierung stürzen?

  • Wieso Schwachsinn? Ich habe doch nie was anderes behauptet, als das es um Öl und Gas geht.
    Naja so langsam muss auch der allerletzt begriffen haben, dass es um Öl und Gas geht.
    Für Russland ist es eine Existenzfrage, dass die riesigen Öl und Gas Reserven in der Ukraine nicht gefördert werden. Solch eine Konkurrenz mit der bestehenden Infrastruktur würde die Ukraine wirtschaftlich zu einem zweiten Saudi-Arabien machen und Russland direkt in den Bankrott führen. Wie Erklären Sie sich dann, dass Janukowitsch mit Schlumberger, Exxon und Total Verträge zur Förderung abgeschlossen hat und plötzlich die Revolution ausbricht und der President plötzlich vor 1500 Demonstranten fliehen muss. Also wenn Sie glauben, dass das nicht abgekartet war dann kann Ihnen keiner helfen. In Deutschland gab's bei den Montagsdemos 100000 Demonstranten und die Regierung musste nicht zurücktreten und da solle 1500 die Regierung stürzen?

  • Erst die Krim und jetzt ist der Osten der Ukraine dran, wie sie vielleicht bemerkt haben. Auch die Drohung vom russischen Vizepräsidenten Rogosin das nächste mal mit einer TU-160 nach Bulgarien zu fliegen würde ich nicht unterschätzen.
    Ich wüsste auch nicht, das Südkorea von den USA besetzt ist. Vietnam ist auch ein sehr gutes Beispiel. Die flüchten grade in den Schoß von Uncle Sam weil die Angst vor China zu gro ist.
    Was ist den Mit Tschetschenien wo die Russen in den letzten Jahren 160000 Menschen mit Giftgas, Napalm und Vakuumbomben abgeschlachtet haben. Oder der russische Einmarsch in Afghanistan mit über 5 Millionen Toten Afghanen. Mehr toten als bei allen US Interventionen seit dem zweiten Weltkrieg zusammen?
    Aber vermutlich haben sie recht. Ohne die USA wäre die Welt ein besserer Ort, zumindest für Leute meiner Gehaltsklasse. Ich würde dann wie in Russland typisch keine Steuern zahlen und hätte das OK des Präsidenten und Sie würde man grade im Gefängnis foltern, weil Sie sich erlauben Ihre verrückten Meinungen im Internet zu verbreiten. Dem russischen System ist vielleicht doch was abzugewinnen.
    Und klar. Russland liefert jetzt gas nach Indien. So wie es auch Gas nach China liefer. Gas wird es für Europa genug geben. Aber so wie sie reden sind sie scheinbar kein Europäer. WO sitzen sie in Moskau? Zur Not aus der Ukraine die auf einem riesen Gas- und Ölschatz sitzt. Wie Erklären Sie sich dann, dass Janukowitsch mit Schlumberger, Exxon und Total Verträge zur Förderung abgeschlossen hat.

  • @ colorful colorado
    "Ich glaube nciht, dass es im Europäischen interesse ist, dass sich Rusland ein Land nach dem anderen einverleibt."
    Welche Länder denn? Die Krim???? Und sonst?
    Dann lassen sie mal die Länder an sich vorbeiziehen, die die USA in den letzten Jahren direkt oder indirekt besetzt haben!
    Korea, Libanon, Chile, Vietnam, Irak, usw.
    Vergessen sie auch nicht, dass die USA die Taliban militärisch ausgerüstet und zu einer Gefahr gemacht haben - im einzigen Auslandseinsatz der russischen Armee nach dem Kieg übrigens!

    Ach so, die USA haben Söldner-Truppen in der Ukraine - nicht vergessen.

    Ohne die USA wäre die Welt lebenswerter.

    Übrigens, ein umfangreicher Vertrag zur Lieferung von Erdgas von Rußland nach Indien ist letzten Monat unterzeichnet worden. Hoffentlich bleibt da noch was für die Europäer übrig!

  • Was für ein Schwachsinn Colorado...heute noch nicht gelesen das Bidden-Junior ins ukrainische gasgeschäft einsteigt? ...Komisch überall wo die USA um "Frieden" ´ringen sind energie-ressourcen

  • Befinden wir uns in einem Wirtschaftskrieg?

    Wir befinden uns seit 2009 inmitten eines gewaltigen Wirtschafts- und Währungskriegs, der auch ein Goldkrieg ist. Von den Massenmedien totgeschwiegen, stehen sich das westliche Bankenkartell um die private Fed und die aufstrebenden Nationen um die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) gegenüber und kämpfen um jeden einzelnen Barren Gold.

    Nach Syrien wurde auch die Ukraine zu einem Spielball im erbitterten Machtkampf zwischen Ost und West, bei dem es nicht um Menschen geht, sondern um geostrategisches Kalkül und um Ressourcen wie Öl, Gas und Gold. Es geht beim Ukrainekonflikt um die Weltherrschaft, denn die Ukraine ist die Verbindung zwischen Russland und Europa - und die wollen bestimmte Kräfte in den USA mit allen Mitteln zerstören. Aus Sicht des Fed-Kartells muss eine friedliche Einheit aus Russland und Europa verhindert werden.

    Dafür scheint Washington offenbar bereit, einen Krieg gegen Russland anzuzetteln – oder will man nur für eine Weile von den massiven Problemen in der Weltwirtschaft und im Schuldgeldsystem ablenken?

    Auf jeden Fall war eine der ersten Amtshandlungen der vom Westen eingesetzten ukrainischen Marionettenregierung, die Goldreserven des Volkes, rund 40 Tonnen, im März 2014 still und heimlich vom Flughafen Boryspil aus nach New York zu schaffen!

    Für dieses "Geschenk" an die private Fed erhielt die Ukraine im Gegenzug umgehend Kredite vom IWF. Die Fed braucht solche "Goldspritzen" ganz dringend, denn ihre Tresore sind leer!
    All das Gold anderer Nationen, das hier zur Sicherheit eingelagert war, ist weg.
    Es wurde verleast, verborgt, verkauft. ( Auch das deutsche Gold )

    Die Zentralbanken der größten westlichen Nationen wie den USA, Großbritannien und Deutschland, haben nicht annähernd so viel Gold, wie sie behaupten – vermutlich haben sie gar keines mehr.

    Es wird gelogen und getäuscht, es wird gezockt und manipuliert.
    Es tobt ein Informations- und Psychokrieg.

  • Am 25 ist Denkzettelwahl?
    Na hoffen wir mal, das Putin nicht irgendwann auf die Idee kommt Westeuropa vom Faschismus wieder befreien zu müssen. Le Pen, Wilders die AfD und NPD lassen sich auch schnell zu lohnenden Zielen machen. Warten wir erstmal die Europawahl ab. Mal sehen was die Russen das zum Europaparlament voll dieser Leute sagt.

  • Ich glaube nciht, dass es im Europäischen interesse ist, dass sich Rusland ein Land nach dem anderen einverleibt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%