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Kölner Aleppo-Demonstrationen Wie ich lernte, Empörung zu zeigen

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Freitag 19:30 Uhr auf der Domplatte: es geht los!
Demonstration gegen die Menschenrechtslage in Aleppo vor dem Kölner Dom. Im Bild auch Mitglieder der Light Brigade Cologne.Foto: Susanne Schacht, Agentur Momo: http://www.momokinderagentur.de
Proteste gegen Bürgerkrieg in Syrien

Demonstration gegen die Menschenrechtslage in Aleppo vor dem Kölner Dom. Im Bild auch Mitglieder der Light Brigade Cologne.

Foto: Susanne Schacht, Agentur Momo: http://www.momokinderagentur.de

Nur eine Stunde, bevor es los geht, lernen wir vier uns zum ersten Mal richtig live kennen. Wir gehen den Ablauf durch. Wir sind hochkonzentriert und haben gar keine Zeit dafür, Angst vor dem zu haben, was uns erwartet. Unsere einzige Sorge in diesem Moment: dass zu wenige Teilnehmer kommen.

Am Ende wird der Einsatzleiter der Kölner Polizei die Menschenmenge, die sich uns angeschlossen hat, auf bis zu 1.500 schätzen. Was an diesem Abend in Köln zustande gekommen ist, hat unsere Erwartungen völlig übertroffen - in mutigen Augenblicken hatten wir mit 500 Teilnehmern gerechnet. Sogar die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist zu uns gekommen, um ihre Solidarität zu zeigen.

Die vielleicht größte Herausforderung: das Schweigen. Schon bevor wir mit der Ansprache auf der Domplatte begonnen haben, okkupierte eine Gruppe mit Transparenten und lauten Sprechchören unsere Veranstaltung. Von den arabischen Rufen konnten wir nur das Wort „Aleppo“ und ab und zu „Putin“ verstehen und uns dämmerte, wie naiv wir auch in den letzten 48 Stunden an die Sache herangegangen sind. Was, wenn die Stimmung hier plötzlich kippt? Wenn das alles eskaliert? Immerhin haben wir auch zwei syrische Freunde dabei, die übersetzen können und uns permanent versichern, dass das alles gerade okay und der Tenor friedlich ist. Trotzdem gibt es auch einige Teilnehmer, die den Domvorplatz wieder verlassen und uns nachher enttäuscht schreiben, dass ihr Schweigen nicht zu hören war.

Aber kann man es Menschen, die gerade aus Aleppo vor Grauen und Kriegsverbrechen geflohen sind, verübeln, wenn ihre Emotionen überkochen? Dass sie laut werden, wo sich endlich jemand für ihre Freunde, für ihre Familie engagiert? Dass sie laut weinen, schreien, dass sie wütend sind?

Was uns allen klar geworden ist an diesem Tag: Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sein Mitgefühl auszudrücken. Dass es, ob laut oder leise, erst einmal wichtig ist, überhaupt die eigene Komfortzone zu Hause auf dem Sofa zu verlassen, um gemeinsam eine kleine Wegstrecke mit vielen fremden Menschen zu gehen, die ein gemeinsames Anliegen verbindet. „Selbst wenn ich nicht jede der Forderungen und Parolen verstanden habe, war die gemeinsame Bewegung doch eine ganz besondere Erfahrung“, fasst es ein Teilnehmer zusammen.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die Menschen am Ende unseres Marsches auf die andere Rheinseite nach Deutz nicht mehr unter einen Hut zu bringen waren. Geplant war zum Abschluss eine Ansprache von Navid Kermani, deutsch-iranischer Schriftsteller und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels. Kermani war gerade mit seiner kleinen Tochter in der Stadt und hatte uns kurzfristig seine Unterstützung zugesagt. Doch als er dann bei uns stand und wir ihn mit dem Megaphon ankündigten, kam es zu Protesten von einigen wenigen aufgebrachten Teilnehmern der iranischen Opposition. Navid Kermanis Rede scheiterte an Menschen, die nicht zuhören wollten. Zu viele Menschen mit zu vielen Emotionen.

Friedlich und störungsfrei
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3 Kommentare zu "Kölner Aleppo-Demonstrationen: Wie ich lernte, Empörung zu zeigen"

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  • In Syrien ist Bürgerkrieg. D.h. die Bürger (Islamgläubige = Tötet Andersgläubige) ermorden sich gegenseitig und sind nicht gewillt mit den Nachbarn in Frieden zu leben. Diese Personen will Frau Merkel unbedingt in Deutschland haben!

  • (2/2)

    Schockierend sind für mich nicht nur die Bilder von verletzten und toten Kindern, die aus den Trümmern geborgen werden, derlei Bilder gab es dank westlicher Interventionen in den letzten 60 Jahren so viele, dass man sich schon fast daran gewöhnt hat. Mein Gesicht brennt vor allem, wenn ich sehe, wie reaktionär die durchschnittlichen potenziellen Wähler auf die erneute Meinungsmache reagieren und so erneute Interventionen, bei denen es in Wirklichkeit ausschließlich um Rohstoffe und Absatzmärkte geht, gesellschaftlich legitimieren.

    Denn was wird hier eigentlich gefordert? Ein Freund von mir hat mal gesagt, dass es heute kaum noch Menschen gibt, die etwas ändern wollen, dafür aber haufenweise, die demonstrieren, damit jemand etwas für sie ändert. Dass sich die Kriegsparteien von einem Lichterspiel und ein paar Plakaten beeindrucken lassen, aufhören zu kämpfen und beginnen miteinander zu reden, kann selbst die Autorin, die im gesamten Artikel lediglich die eigene Unbedarftheit zur Schau stellt, nicht ernsthaft glauben.

    Wo die anderen Konsorten sind, die sonst immer so schnell für den Frieden auf die Straße gehen? Die ziehen sich Artikel derselben Autorin wie "Das Superman-Shirt gegen Rückenschmerzen" oder "Traumfigur aus der Steckdose?" rein, solange bei amerikanischen und französischen Bombardements, wenn überhaupt, nur von "Kollateralschäden" die Rede ist.

  • (1/2)

    Seit 1953 der demokratisch gewählte Premierministier Mohammad Mossadegh durch amerikanische Initiative weggeputscht wurde, um sich die Rohstoffe im Iran zu sichern, folgte im Nahen und Mittleren Osten eine westliche Intervention nach der anderen. Es wurden Diktatoren unterstützt, islamistische Terrorgruppen finanziert und mehr als einmal selbst militärisch interveniert. Heute haben die meisten Länder in dieser Region einen Regimechange erfahren, der Lebensstandard ist deutlich gesunken und Millionen Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten, sind durch vorwiegend amerikanische Waffen ums Leben gekommen. Immer ging es dabei vordergründig um die "westlichen Werte", also Freiheit und Demokratie, schloss man sich diesem Kriegstreiben nicht an, galt man als "Putin-Versteher" und hatte die Gegenseite mal Oberwasser, verbreitete man schleunigst Meldungen über Atombomben und Kriegsverbrechen, die sich im Nachhinein als erstunken und erlogen herausstellten.

    Auch in Syrien wurde der Regimechange hauptsächlich von den USA finanzierten, ausgerüsteten und ausgebildeten Milizen, teilweise aber auch islamistischen Terrororganisationen initiiert, da sich Assad gegen eine Erdgaspipeline von Katar mit amerikanischer Beteiligung und für eine Pipeline aus dem Iran mit russischer Beteiligung entschied, und auch in diesen Tagen werden syrischen Soldaten die schlimmsten Kriegsverbrechen angedichtet. Allein, dass in diesem Artikel ernsthaft von einem "Bürgerkrieg" gesprochen wird, zeigt also nicht nur die mangelnde Kenntnis politischer und geostrategischer Zusammenhänge der Autorin auf, sondern ist auch eine Unverschämtheit gegenüber den Lesern und respektlos gegenüber den Opfern des "arabischen Frühlings".

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