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Kohl und sein unautorisiertes Buch Kohl teilt aus, Blüm keilt zurück

Ein Buch, das gar nicht erscheinen sollte, schlägt hohe Wellen. Helmut Kohl rechnet darin mit Weggefährten ab, der Altkanzler wollte seine Worte aber nie gedruckt sehen. Einer, den er beleidigt hat, schlägt nun zurück.
06.10.2014 Update: 06.10.2014 - 17:00 Uhr 29 Kommentare

Altkanzler Kohl demontiert sich selbst

Berlin Äußerungen von Helmut Kohl, in denen der Altkanzler teils drastisch mit Parteifreunden abrechnet, sorgen für Unmut in der CDU. „Auf dem Niveau diskutiere ich nicht“, sagte der ehemalige Sozialminister der Regierung Kohl, Norbert Blüm, dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). Kohl hatte in bisher unveröffentlichten Tonbandaufzeichnungen Blüm als „hinterfotzig“ und als „Verräter“ beschrieben. Auch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble werden hart angegangen. Die Zitate sollen am morgigen Dienstag als Buch („Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“) im Heyne-Verlag veröffentlicht werden. Vorab hatte das Magazin „Der Spiegel“ daraus berichtet.

Kritik kam auch vom Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach. Die Aussagen würden Vorurteile in der Bevölkerung bestätigen, die sie über Politik hätten. „Über dem Tisch wird sich in staatsmännischer Manier freundlich mit Sekt zugeprostet – unter dem Tisch wird zugetreten“, sagte Bosbach dem Handelsblatt. Er selbst habe zu Beginn seiner politischen Arbeit gedacht, durch fleißige und ruhige Sacharbeit diese Vorurteile zu widerlegen. „Heute habe ich die Hoffnung nicht mehr“, sagte er.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs, verwies auf die Zeit, in der die Kohl-Äußerungen gefallen seien. Dies sei Anfang der 2000er-Jahre gewesen, auf dem Höhepunkt der  Parteispendenaffäre. Seitdem habe sich vieles geändert. „Ich bin mir sicher, dass Helmut Kohl die Lebensleistung von Kanzlerin Angela Merkel heute anders bewertet“, sagte Fuchs dem Handelsblatt. Kohl soll Merkel seinerzeit Ahnungslosigkeit vorgeworfen haben.

Der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, griff die Autoren des umstrittenen Buches und den Verlag scharf an. „Die Veröffentlichung dieser Tonbandabschriften ohne Zustimmung des Betroffenen ist der eigentliche Skandal. Hier werden Persönlichkeitsrechte verletzt“, sagte Bäumler dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Bäumler sprach von einem verantwortungslosen Handeln. Zugleich betonte der CDU-Politiker: „Die Verdienste Helmut Kohls für die deutsche Einheit, die Europäische Union und den sozialen Frieden in Deutschland schmälern diese Zitate nicht.“

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    In dem Buch erscheinen Auszüge aus jenen geheimen Gesprächen, die der frühere WDR-Journalist Heribert Schwan 2001/2002 mit Helmut Kohl führte, und die er nun zusammen mit dem Autor Tilman Jens publiziert hat. Kohl geht darin mit seinen Einschätzungen über frühere Weggefährten derbe, mitunter verletzend zur Sache.

    Das Verhalten der Autoren sieht auch der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Unions-Bundestagsfraktion, Steffen Bilger (CDU), kritisch. „Die Veröffentlichung solcher Aussagen gegen den Willen des Altbundeskanzlers finde ich nicht in Ordnung, weshalb ich sie auch nicht weiter kommentieren will“, sagte Bilger dem Handelsblatt.

    „Die Merkel hat keine Ahnung“
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    29 Kommentare zu "Kohl und sein unautorisiertes Buch: Kohl teilt aus, Blüm keilt zurück"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ja, das sind gute und einsichtige Kommentare hier. Aber eines vermisse ich, nämlich die Feststellung, daß etwa 70% aller Wahlberechtigten Bürger dieses Landes den Blockparteien SPD und CDU/CSU weiterhin das "Vertrauen" aussprechen. Ist das nun Toleranz oder nackte Ignoranz? oder schlichte und einfache Unfähigkeit zur Demokratie?

    • Also, Sergio Puntila, da kann ich nur sagen: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als solche Typen wie Blüm und Kohl ins Himmelreich ein: die werden im neunten Höllenkreis Dantes kopfüber in den Löchern stecken.

    • Über Kohls eigene Versäumnisse, für die wir alle bereits viel gezahlt haben und zukünftig noch zahlen werden, kommt nichts ans Licht. Aber wer etwas Vernunft walten lässt, und davon soll es in diesem Lande doch noch einige Zeitgenossen geben, ist sowieso schon aufgeklärt: Die deutsche Einheit hat er teuer gemacht, weil er in seiner Großmannssucht nicht abwarten konnte, bis sie ihm in den Schoß gefallen wäre. Die sogenannten Großdemonstrationen der DDR-Bürger waren Anlaß, nicht Ursache der Grenzöffnungen. Ursache war die wirtschaftliche Lage des Ostblocks – die Moskauer Komsomolzen hatten noch nicht einmal mehr das nötige Heizmaterial für ihre Datschen. Und darüber hinaus hat er noch völlig überflüssiger weise dem Mitterrand die Mitgliedschaft in einer Währungsunion versprochen, die nun ganz Europa ruiniert, was vernünftig denkende Zeitgenossen schon 1988 wussten. Neu an den „Enthüllungen“ ist für mich, daß die Merkel Schwierigkeiten beim Essen mit Messer und Gabel hat, das sie unfähig ist, ein demokratisches Land zu regieren, dürfte keine neue Erkenntnis sein, sondern lange bekannt, denn sie hat ja nur die Qualifikation einer FDJ-Sekretärin von Mecklenburg-Vorpommern. Ja, und das Norbert Blüm ein abgefeimter Lügner ist, dürfte auch schon allgemein bekannt sein. Wo liegen also die Schwierigkeiten einer Veröffentlichung der Kohl-Protokolle?

    • @ Herr Ylander Ylander,
      Sie haben Recht, besonders wenn Sie die Gesellschaft als Spiegelbild hinstellen.
      Aber die wenigen integeren Mitmenschen werden diffamiert als die "Gestrigen", als "Altsozialisten", oder als "ewige Nörgler". Wenn man dann noch erwähnt dass man auch noch Bücher liest und kennt wie etwa von Scholl-Latour, Gerd Ruge, Krone-Schmalz, Prof. Dr. Hickel, und auch noch das Kapital von Karl Marx, aber auch von Kardinal Reinhard Marx das Buch gleichen Titels, zudem auch noch das neue und alte Testament, haben Sie verloren, fast.
      Dennoch brüllen ca. 43% aller Wahlberechtigten wenn Frau Merkel auftritt vor Freude. Ich bleibe dabei:
      Armes Deutschland, armes Westeuropa.

    • Man sollte immer dran denken, wenn man sich über Politiker empört: Sie sind ein Spiegelbild der Gesellschaft.

      Vielleicht sind Sie persönlich integer, ich weiß es nicht, ich kenne Sie nicht. Doch unsere Gesellschaft als Ganzes ist genauso so verkommen wie die hiesigen Parteibonzen.

      Wenn die wenigen Menschen mit Charakter in unserer Gesellschaft integer auftreten, könne sie einiges bewirken.

    • Herr Kohl wollte mit aller Gewalt Kanzler der EU werden.
      Deshalb hat damals schon Deutschland eingezahlt und eingezahlt, jeden , sei es auch der größte Blödsinn, zugestimmt, bis zur Einführung des EURO.
      Was meine Vorgängergeneration und meine Generation für die BRD in 40 Nachkriegsjahren geleistet haben, verzocken die heutigen Politiker in Berlin und Brüssel innerhalb von 15 Jahren.
      Sie alle müßten angeklagt werden wegen Verrat und Eidesbruch.
      Kohl war nur der Anfang vom Ende.
      Parteiengehorsam gepaart mit Dilettantismus, Zwergökonomie und asoziales Verhalten sind die heutigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Politiker.
      Armes Deutschland, armes Westeuropa.

    • Dazu empfehle ich den Spiegelbeitrag [b]Der Preis der Einheit[/u]
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73989788.html

      Während die Bundesbürger den Fall der Mauer bejubelten, feilschten Bonn und Paris heimlich um die Europäische Währungsunion. Die Verhandlungen drohten zu scheitern, so belegen interne Regierungsdokumente. Mussten die Deutschen ihre Mark für die Wiedervereinigung opfern?

    • Kohl soll mal schön die Klappe halten denn er ist der grösste Verbrecher und Verräter am deutschen Volk.

    • Ich komme allein nach dem 21.6.1948 auf mindestens 7
      1) "Generationenvertrag" 1957
      2) Fremdrentengesetz aus 1960er Jahren
      3) "Wiedervereinigung" 1989
      4) Einführung des Euro 2002
      5) Alterseinkünftegesetz 2005
      6) Umstellung der Besteuerung der Kapitalerträge 2009
      7) Niedrigzinspolitik der EZB aktuell

    • "nach der 3.Währungsreform innerhalb 100 Jahren"

      Waren es nur drei oder gar fünf, ich komm schon durcheinander mit den ganzen Scheinen und Münzen.

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