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Kommentar Der Patient ist tot

Deutschland droht den Anschluss zu verlieren bei einer wichtigen Export-Technologie, meint KLAUS STRATMANN
16 Kommentare
Das Braunkohle-Kraftwerk des Energieversorgers Vattenfall in Boxberg. Quelle: dapd

Das Braunkohle-Kraftwerk des Energieversorgers Vattenfall in Boxberg.

(Foto: dapd)

Berlin Der Bundestag hat das Thema CCS, also die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid, gestern geradewegs von der Intensivstation in die Aussegnungshalle befördert. Wer sich über die Jahre noch die Hoffnung bewahrt hatte, die Politik werde der Technik eine Chance einräumen, weiß nun: Der Patient ist tot.

Rein theoretisch könnte der Bundesrat noch Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen. Doch die Chancen stehen äußerst schlecht.

Die großen Energiekonzerne hatten schon lange Konsequenzen gezogen: Eon betreibt seine CCS-Aktivitäten in den Niederlanden, wo die Bedingungen weitaus unkomplizierter sind, RWE hat sich von seinem Projekt im nordrhein-westfälischen Hürth mit Kohlendioxid-Pipeline zu einer Lagerstätte in Schleswig-Holstein längst verabschiedet. Allein Vattenfall glaubte bis zuletzt daran, sein 1,5-Milliarden-Projekt am Standort Jänschwalde realisieren zu können. Doch mittlerweile heißt es auch bei Vattenfall, das Projekt stehe auf der Kippe.

Deutschland verliert damit eine Menge. Die CCS-Technik wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Wer nachweisen kann, die gesamte Prozesskette von der Abscheidung des Kohlendioxids im Kohlekraftwerk bis zur unterirdischen Speicherung zu beherrschen, hat große Exportchancen. Denn nach übereinstimmender Einschätzung fast aller Experten wird Kohle als Energieträger in den kommenden Jahren weltweit an Bedeutung gewinnen.

Deutschland, einer der Vorreiter im Klimaschutz, muss ein Interesse daran haben, Ländern wie China oder Indien demonstrieren zu können, dass CCS funktioniert. Gerade die wachstumsstarken und energiehungrigen Schwellenländer werden nicht darauf verzichten, Kohlekraftwerke zu bauen.

Es wäre ratsam, ihnen alle Instrumente anzubieten, die dazu beitragen können, trotzdem Fortschritte im Klimaschutz zu erzielen.

Unverzichtbar wird CCS in einigen Jahren im Bereich der industriellen Emissionen, etwa in der Stahl- oder der Zementindustrie. Deutschland wird sich daher irgendwann erneut der CCS-Debatte stellen müssen. Die erforderliche Technik wird man dann allerdings im Ausland einkaufen müssen.

Schuld an der Entwicklung haben die Länder, die rücksichtslos ihre Interessen durchgesetzt haben. Jedes Land will sich vorbehalten, die Speicherung von Kohlendioxid auf seinem Territorium auszuschließen. Die entsprechende Länderklausel hat eine negative Signalwirkung auf viele andere Gesetzgebungsverfahren. Mit der organisierten Verantwortungslosigkeit, die sich am Beispiel CCS-Gesetz zeigt, wird sich die Energiewende nie erreichen lassen.

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16 Kommentare zu "Kommentar : Der Patient ist tot"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Also nochmal:

    Man entwickelt eine "Technologie" um ein Gas "unterm Teppich" verschwinden zu lassen, gekoppelt mit einem Mehrverbrauch von Kohle von bis zu 50%. Ein Mehrverbrauch von Kohle bedeutet natürlich auch eine Mehrerzeugung von CO2!

    Bei Bussen und LKW haben wir schon den Salat. Immer mehr Filter im Abgasstrang bescheren inzwischen einen Mehrverbrauch an Diesel von über 30%! Wer es nicht glaubt, kann ja mal nachfragen.

    Wir können es uns ja leisten.

  • Wie das abläuft, das kann man hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Nyos-See

  • Die CO2-Konzentration muß auf die Werte von ca. 1940 zurückgeführt werden, daß sich das Klima normalisieren kann. Hochseefischer melden eine Verschiebung der Fischgründe überhaupt (das hat nichts mit der Überfischung zu tun, sondern mit der wassertemperaturabhängigen Artenspezifik!). CO2-erzeugende Energietechnologie zu benutzen, um CO2 in der Luft abzubauen und irgendwo einzulagern, ist ein Schwachsinn an sich. Holz kann mit einfachsten Mitteln so konserviert werden, daß es Jahrhunderte übersteht und nicht verrottet, außerdem ist es ein exzellenter Baustoff, der allen anderen vorzuziehen ist, was Gebäude bis ca. 70m Bauhöhe und einer maximalen Spannweite von 50m anlangt, Fundamente könnte man weiterhin aus Beton oder Ziegelsteinen herstellen. Alle erheblich von der natürlichen Zusammensetzung der Erdathmosphäre abweichenden Atemgasgemische können tödlich sein, Krebs, Sinnstäuschungen oder andere seelische Störungen hervorrufen, leider sind die Forschungsergebnisse dazu noch viel zu mager bzw. nicht offengelegt.

  • CO2 wird u. a. als technischens Gas in Großkühlsystemen verwendet. Von seiner absoluten Menge (Konzentration) und den Druckverhältnissen hängt die Menge der absorptionsfähigen Wärmeenerie ab. Erhöht man den CO2-Anteil, wird auch mehr Wärmeenergie in der Erdatmosphäre gespeichert und es ändern sich die thermodynamischen Verhältnisse! Hier lügen die scheinbar hochqualfizierten Fachleute, weil Sie auf ihre kleinkarrierten Laborexperimente starren. Noch verheerender wird die Sache, wenn man vergißt, daß die CO2-Konzentration des Meerwassers sich ändernt, was dort zur kompletten Veränderung vom Flora, vor allem Plankton und Fauna führt, kombiniert mit der Wassererwärmung. Es mag sein, daß dazu noch eine Zunahme der Wäremabstrahlung der Sonne kommt, leider ungünstig fürs Gesamtsystem. Leute, die heute zwischen 50 und 60 Jahre alt sind und an Küsten mit noch natürlichen Meeresstreifen, Hafenanlagen usw. aufgewachsen sind, bestätigen, daß der Meeresspiegel bereits angestiegen ist (ca. 15 cm, wenn nicht mehr!)

  • Nach Einatmen von reinem CO2 ist ein Hausschwein nach 15-20 Sekunden bewußtlos und nach 70 Sekunden komatös.

    Aber die gleichen Leute, die diesen blamablen Schwachsinn (der schnell zum grausamen Verbrechen umschlagen könnte) gerade beschlossen haben, sind doch die, die uns beseelt von der Töpferethik gerade vor der bösen Atomstrahlen schützen mußten. Und jetzt vergleichen wir mal: 2011 - vor 4 Monaten - havarierten in Japan gleich vier Reaktoren. Daraufhin wurden die Menschen in 20 Kilometer Umkreis evakuiert: niemand ist tot, niemand ist verstrahlt. Als es 1986 in Kamerun am Nyos-See zu einem natürlichen CO2-Ausbruch (Freisetzung von CO2 vulkanischen Ursprungs aus einem tropischen See) kam, wurden am nächsten Tag noch in 27 Kilometern Entfernung vom See die Leichen aufgesammelt, insgesamt 1.700. Und viele der Überlebenden erlitten schwerste Gewebszerstörungen.

    Konzentriertes CO2 tötet. Nur wenn es verdünnt bleibt, ist es harmlos. Wer CO2 in die Erde pumpt, ist ein Schwachkopf. Und ein Verbrecher, der den Tod vieler billigend in Kauf nimmt.

  • Noch einmal, was ein anderer Leser (leider anonym - das hasse ich) schon geschrieben hat: Es gibt keinen Grund! CO2 gehört zum KÜHLSYSTEM der Erde - eine fiktive Atmosphäre ohne "Treibhausgase" wäre heißer und nicht kälter als die reale Lufthülle, die wir haben. Unsere Landsleute müssen sich endlich befreien und die Denkkäfige vom Kopf reißen!

    Wer der tatsächlichen Funktionsweise der Atmosphäre und den Steuerungsmechanismen für die bodennahen Temperaturen näher kommen will, mag unser Klimaretter-Studie googeln.

  • Was ist denn das für ein Unsinn?

    CO2 ist harmlos, es ist die Grundlage unserer Nahrungskette, und es hat - wie wir selbst in einer Studie aufgezeigt haben - keinerlei wärmenden Einfluß auf die Erde.

    Harmlos. Das gilt jedenfalls für die Konzentrationen, die wir typischerweise in der Atmosphäre vorfinden, also bei 0,3 bis 0,4 PROMILLE.

    Nun müssen wir uns klarmachen, daß Mensch und Tier diese extrem CO2-arme Luft einatmen. An den Wänden der Lungenbläschen findet dann ein Gasaustausch statt. Als Ergebnis des Stoffwechsels ist der Blut-CO2-Anteil sehr hoch, und der Sauerstoffanteil gering. Durch einen osmotischen Prozeß wandert CO2 vor allem aus dem Blut in das Luftvolumen der Lunge, während Sauerstoff überwiegend ins Blut wandert. Das Ergebnis dieses Gasaustauschs ist, daß der CO2-Anteil der ausgeatmeten Luft hundertmal höher ist als der der eingeatmeten: er liegt bei vier Prozent!

    Was passiert nun, wenn in der Außenluft der CO2-Anteil ansteigt? Dann sinkt die Leistungsfähigkeit der Lunge ab, CO2 aus dem Blut nach draußen zu befördern. Deshalb nimmt die CO2-Konzentrastion im Blut zu. Steigt die CO2-Konzentration der Außenluft auf acht Prozent, dann stirbt man. Endgültig und real, und nicht nur eingebildet und fiktiv, wie beim KKW-Unfall.

    Unsere Politiker wollen nun, daß die Energieversorger aus den Verbrennungsgasen CO2 abscheiden. Dann soll dieses fast reine CO2 in die Erde gepreßt werden. Das zusammen ist ein ungeheuer energieaufwendiger Prozeß, der mehr als ein Drittel der erzeugten Energie sofort verbraucht - also zwingt, viel mehr Gas oder Kohle zu verbrennen als ohne CCS! Und natürlich kostet das Geld - das die Verbraucher zahlen sollen. Dafür gelangt also reines CO2 in die Erde, mit einem Druck von 200 bar, und zu Hunderten von Millionen Tonnen.

    Und wenn es wieder herauskommt? Kommt das Gas wieder an die Oberfläche, dann wird es eiskalt und schwer - es bildet einen "See", der nach den Seiten abfließt.

    Und tötet.

  • genau. es muss endlich weg von wirtschaftlichem gierdenken und mal darüber nachgedacht werde, dass jeder in der verantwortung steht. man kann nicht gleichzeitig sagen, atomkraft ade und dann 20-30 kohlekraftwerke (sogenannte co2-schleudern) neu zu bauen. es ist paradox, denn am ganzen schlamassel ist nur die industrie selbst schuld. es gibt sicher ein paar gute patente, die der menschheit ein stück weiterhelfen würden. leider landen diese einfach in irgendeine schublade oder einen tresor, damit diese wirtschaftsfeindlichen technologien auch schön auf dem markt nix zu suchen haben und man solchen quatsch wie die ccs-technologie, die wirtschaftlich mehr profit bringen, besser am markt zu etablieren. ich könnte hier noch alle branchen aufzählen, die ähnlich fungieren (die medinzin zum beispiel), dort läuft genauso. hat der mensch denn nix gelernt?

  • Sie wollen die Errungenschaften der Energiewende gegen wirtschaftliche Interessen aufwiegen. Daran ist nichts auszusetzen, denn die Rechnung spricht eine klare Sprache: Nur weil Deutschland viele Autos exportiert, wird Autofahren nicht besser. Es gibt kein Richtiges im Falschen. Und Demokratie ist mehr Wert als ein Außenhandelsüberschuss. Das haben die Bundesländer eben erkannt. Lokale Wertschöpfung finden die besser als Gewinnsteigerungen bei einzelnen Konzernen. Siehe auch hier:
    http://independence.wirsol.de/news/wie-erneuerbare-energien-landersache-werden/3604

    Mehr als 50 Prozent erneuerbare Energien bis 2022, das ist mal ein Ziel.

  • Ich bin Dipl Ing in der Energiewirtschaft und halte CCS für absoluten Nonsens. Die Lagerung von CO2 im Boden kann extrem gefährlich sein und es ist mehr als rational wenn sowas niemand in seiner Nähe haben möchte. Googelt mal 'Katastrophe von Nyos'

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