Kommentar Deutschland ist zu wenig innovativ – und droht seinen Wohlstand zu verspielen

Die OECD bescheinigt Deutschland großen Wohlstand. Doch dieser könnte bald verspielt werden – wenn die Regierung nicht in die Investitionsoffensive geht.
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Die OECD hat der Bundesregierung Hausaufgaben mitgegeben. Quelle: action press
Bundeskanzlerin Merkel mit OECD-Chef Angel Gurria

Die OECD hat der Bundesregierung Hausaufgaben mitgegeben.

(Foto: action press)

Der Blick von außen, mit ein wenig Abstand, kann oft helfen, die eigene Lage klarer zu sehen. Die Große Koalition sollte deshalb den neuesten Deutschlandbericht der Industrieländer-Organisation OECD aufmerksam studieren.

Denn neben viel Lob für das kräftige Wirtschaftswachstum, steigende Löhne, stabile Staatsfinanzen und eine äußerst wettbewerbsfähige Exportindustrie enthält der Bericht auch einen besorgniserregenden Hinweis: Die Produktivität nimmt nur noch sehr langsam zu in Deutschland. Wenn das so bleibt, sieht es bald mau aus mit weiteren Wohlstandsgewinnen.

Teilweise lässt sich dies dadurch erklären, dass anstelle von Arbeitslosigkeit viele neue Jobs im Niedriglohnsektor entstanden sind. Zum wichtigeren Teil ist die mit 0,7 Prozent äußerst schwache Produktivitätswachstumsrate aber ein Zeichen, dass es der Wirtschaft an Innovationskraft mangelt.

Dass die letzten beiden Bundesregierungen Investitionen in die Digitalisierung von Netzen und in die Förderung neuer Unternehmen vernachlässigt haben: Es könnte sich bald rächen.

Könnte, muss aber nicht: Denn wenn die neue Bundesregierung in die digitale Investitionsoffensive geht und wenn sie ihren Blick von der starken Exportwirtschaft hin zum vergleichsweise schwächeren Dienstleistungssektor lenkt, dann muss sich niemand Sorgen um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands machen, lautet die ermutigende Botschaft der OECD.

Finanziellen Spielraum hat der Staat genug: zum einen, um in Glasfasernetze und ins E-Government zu investieren. Zum anderen kann er gleichzeitig Geringverdiener von Steuern und Sozialabgaben entlasten, so den Konsum anreizen und außerdem mehr in die Weiterbildung geringqualifizierter Arbeitnehmer investieren.

All dies kann helfen, die Beschäftigten fit zu machen für den digitalen Wandel, der laut OECD 37 Prozent aller Jobs umwälzen wird. Angelegt ist vieles davon im Koalitionsvertrag. Zu sehen ist vom „Aufbruch für Deutschland“ bisher jedoch viel zu wenig.

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