Kommentar Herrmanns Blackout

Bayerns Innenminister Herrmann hat bei seiner Äußerung über den „wunderbaren Neger“ nicht nachgedacht. Damit hat er eine Mindestvoraussetzung für Politiker nicht erfüllt, meint Rüdiger Scheidges.
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Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nennt Roberto Blanco einen „wunderbaren Neger“. Quelle: dpa
Joachim Herrmann

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nennt Roberto Blanco einen „wunderbaren Neger“.

(Foto: dpa)

Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister von der CSU, gehört zu der Generation Deutscher, die in ihrer Kindheit „Negerküsse“ oder „Mohrenköpfe“ gegessen hat, das grauenhaft morbide-rassistische „Zehn Kleine Negerlein“ gesungen und gespielt und eben jenen schwarzen Onkel Tom mit dem grotesken Namen „Roberto Blanco“ angehimmelt hat.

Zu guter Letzt: Das ist die Generation, die nichts dabei fand, dass Pippi Langstrumpfs Vater als „Negerkönig“ bezeichnet und Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste „Negerbaby“ genannt wurde.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Aus Joachim Herrmann spricht also nicht nur ein vielleicht gar nicht so untypischer bayerischer Schwarzer, also ein CSUler. Aus ihm tönt auch jener sprachliche Rassismus, der in Deutschland absolut salonfähig war und auch heute noch nur mit großen Mühen aus den zahlreichen Volksliederbüchern zu tilgen ist. Die „Zehn Kleinen Negerlein“ sind im „Volksliederarchiv“ noch immer verewigt. In dem Kinderlied heißt es beispielsweise:

„Neun kleine Negerlein,
Die gingen auf die Jagd,
Das eine wurde totgeschossen,
Da waren's nur noch acht.“

Wie nachhaltig solches „Liedgut“ und solche, gutgläubig ausgedrückt, unbesonnenen Rassismen, die die Leute von Kindesbeinen an aufgesogen haben, sich in das Gemüt der Menschen schleichen, sieht man eben an Innenminister Herrmann, der solchen Rassismus völlig unbedacht vor laufenden Kameras äußert. Viele würden dies wohl ohne großes Nachdenken, ohne großes Stutzen tun.

Doch wenn es eine Mindestvoraussetzung für den freien Beruf des Politikers in Deutschland geben sollte, so heißt sie: Denken können! Herrmann hat nicht (nach)gedacht. Er hat spontan, direkt, unreflektiert vom „wunderbaren Neger“ geschwelgt. Man sollte darüber diskutieren, was fürchterlicher ist: der sprachliche Rassismus des Politikers oder der allgemeine Rassismus, der da aus seinem Mund tönt.

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17 Kommentare zu "Kommentar: Herrmanns Blackout"

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  • Ein bisschen Spaß muss sein
    und Scheidges fällt drauf rein.

    Natürlich hat Herrmann keinen blackout gehabt - "wunderbarer Neger"..

  • Herr Ungläubig
    Rassismus?
    Nein, die Bayern und auch die Sachsen haben noch Patriotisus.
    Abe für solche Leute wie Sie ist das ja schon Nazi
    Mein Gott, was ist bloß in Deutschland los?
    Merkt ihr gar nicht mehr, dass dall das ins totale Chaos führn wird?

  • Könnte man nicht sogar sagen, der Autor, Herr Scheidges, diskriminiert die Sprache – und in der Quintessenz Leute, die Sprache sorgfältiger verarbeiten?

  • Wie sagte Steven Biko im Film »Schrei nach Freiheit« zu seinem Richter als der ihn als einen nicht ganz Schwarzen bezeichnete? »Herr Richter, Sie sind auch nicht ganz weiss, mehr so rosa, wie ein Schweinchen« (Zitat Ende) das Urteil fiel entsprechend aus. Also alles relativ, Obama ist auch nicht ganz schwarz. Annähernd schwarz sind sie höchstens im Senegal. Aber auch nicht alle, genauso wenig wie sie in »D« alle weiss sind, in Ostfriesland sind sie je nach Jahreszeit käsig oder rot und in Bayerns Gebirge eher braun, ich meine jetzt außen;–)) also, legt euch wieder hin!

  • Neger leitet sich aus dem lateinischen "niger", "nigres" ab, was ganz banal so viel bedeutet wie "schwarz". Ein Neger ist also ganz einfach ein Schwarzer... Punkt... Und hat keine Rassistische Bedeutung... im übrigen: jeden Begriff kann ich entsprechend negativ - oder auch positiv verwenden... z.B. Facharbeiter, Flüchtling usw. Es hängt halt ganz einfach und banal von der Intention des Sprechers ab.
    Im übrigen: Woher leitet sich der Name Nigeria ab? Oder Niger? Vielleicht sollten wir diese Länder dann auch umbenennen: Buntland, Farbland, Schwarzland - oder noch besser: Dunkelland???

    Aber schließlich leben wir in einem Land mit einer bestimmten Gruppe, zu der auch Herr Scheidges gehört, die nichts anderes zu tun haben als anderen vorzuschreiben was man sagen darf - und was nicht - was politisch korrekt ist - und was nicht - was man zu denken hat - und was nicht.
    Aber nein, es gibt bei uns im Land keine Zensur und keine Einschränkung der Meinungsfreiheit.... ;-)

  • Interessant ist die Einleitung: "Das ist die Generation, die nichts dabei fand,..."
    Nach dem Foto des Autors war ich neugierig und habe das Alter des Autors sowie Herrmann gegoogelt. Überraschung: Wenn die Angaben stimmen, dann sind die exakt gleich alt!
    Im Übrigen gibt es von "10 kleine Negerlein" beliebig viele Versionen. Wir haben hier zum Beispiel noch Bilderbuch mit dem Text wo die zitierte Strophe nicht vorkommt.

  • Der vorliegende Artikel ist gewiss keine geisteswissenschaftliche Meisterleistung. Nicht nur sprachhistorische Unkenntnis sticht daraus hervor – als ich sprechen lernte, war "Neger" ähnlich wie "Gastarbeiter" kein abfälliges Wort – sondern auch situativ mangelhaftes Analysevermögen: Herr Herrmann nutzte "Neger" als wortgleiche Replik auf eine vorangegangene Bemerkung und kennzeichnete es durch den Zusatz "wunderbar" aber auch durch den sonstigen Kontext unzweifelhaft als nicht diskriminierend (zu begreifen).

    Aber anstatt mit einem Zeitungsartikel Sprachkompetenz und Sinnverständnis zu beweisen, wird den Lesern ein miserabler Kurs in reflexartiger Nutzung von Stereotypen geboten. Schlecht sind Wörter eigentlich selten, sondern wer etwas Schlechtes daraus macht.

    Das Pech von Autoren ist manchmal, dass sie in einem Artikel mehr über sich selbst Auskunft geben als über das Beschriebene. Man sollte solchen nie das Denken allein überlassen.

  • .. wie wär's denn'mal mit der Aufarbeitung der allseits wütenden anti-weissen Rassismen, z.B. natürlich auch im sprachlichen Bereich: jeder Abbitte-Weisse kann ja gar ned genug über den achso-widerlichen "White Trash" die Nase rümpfen - gleiches über den zweifelsohne mindestens ebenso vorhanden "Black Trash" zu tun, würde dagegen natürlich gleich wieder die Gutmenschen-Zensur auf den Plan rufen .... ebenso "Black Pride" vs "Whte Pride" usw. usw. ... letztlich wurde nur der damalige pro-weisse durch einen heutigen anti-weissen Rassismus ersetzt - beides verwerflich!

  • @Thomas Ungläubig
    Und von mir das gleiche...Ich bin auch Stolz in Bayern leben zu dürfen und meine Wurzeln in Franken zu haben und ein Teil meiner Verwandtschaft aus dem Sudetenland stammt. Danke!

  • So ein Unsinn .... bei ons im Schwobaland sagt auch kein Mensch "Schocko-Küsse" .... das sind und bleiben "Mohraköpf" ohne dass sich ein darüber aufregt.

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