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Kommentar Kohlekommission darf die Unternehmen nicht vergessen

In der Debatte über den Kohleausstieg spielt die Versorgungssicherheit eine zu geringe Rolle. Ein Weckruf in Richtung Kohlekommission.
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Nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur waren knapp 4500 Kilometer Höchstspannungsleitungen notwendig, um Windstrom vom Norden in den Süden zu bekommen. Quelle: dpa
Ausbau der Stromnetze

Nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur waren knapp 4500 Kilometer Höchstspannungsleitungen notwendig, um Windstrom vom Norden in den Süden zu bekommen.

(Foto: dpa)

BerlinDeutschland gehört zu den europäischen Musterschülern, wenn es um die störungsfreie Versorgung mit Strom geht. Seit Jahren sind die ungeplanten Unterbrechungen hierzulande rekordverdächtig kurz.

Der SAIDI-Wert, der die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenen Verbraucher innerhalb eines Kalenderjahres widerspiegelt, betrug 2017 in Deutschland gerade einmal 15 Minuten. In Großbritannien, Schweden, Frankreich oder Spanien liegt der Wert um den Faktor drei bis vier höher.

Dennoch sollte sich kein Stromverbraucher in Sicherheit wiegen. Wenn die Netzbetreiber jetzt warnen, beim Thema Versorgungssicherheit dürfe man den Bogen nicht überspannen, und vor Stilllegungen von Kohlekraftwerken warnen, sollte man das als Weckruf in Richtung Kohlekommission begreifen.

Schon jetzt ist die Lage bisweilen brenzliger, als es auf den ersten Blick scheint. Jahr für Jahr steigt die Zahl der Notmaßnahmen beim Betrieb der Netze. Die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom muss blitzschnell ausgeglichen werden, gleichzeitig schwinden etwa aufgrund des Atomausstiegs die verlässlichen Erzeugungskapazitäten insbesondere im Süden der Republik. Und der Ausbau der Netze stockt nach wie vor.

Es wird immer anspruchsvoller, einen sicheren Netzbetrieb und damit eine verlässliche Stromversorgung zu gewährleisten. Man fühle sich so, also würde man permanent mit fünf Bällen jonglieren, heißt es bei den Netzbetreibern.

Diese wachsende Anfälligkeit ist aller guter Statistik zum Trotz längst in der Realität angekommen. Denn der besagte SAIDI-Wert erfasst nur Versorgungsunterbrechungen, die länger als drei Minuten andauern. Aus vielen Unternehmen ist zu hören, dass kurze Unterbrechungen indes seit Jahren zunehmen.

Was für den privaten Haushalt nur ein kleineres Ärgernis ist, kann sich für Unternehmen schnell zum Problem auswachsen. Schon Unterbrechungen von wenigen Sekunden können hier Schaden anrichten.

In der Kohlekommission spielt das Thema Versorgungssicherheit bislang nur eine untergeordnete Rolle. Dort steht neben dem Strukturwandel in den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen die möglichst punktgenaue Erreichung von CO2-Reduktionszielen im Mittelpunkt der Debatte. Während man es bei der Erreichung der C02-Ziele an Ehrgeiz nicht fehlen lässt, wird die Verlässlichkeit der Versorgung nachrangig behandelt.

Gern gibt man sich dort der Illusion hin, in Engpasssituationen werde man sich schon in Nachbarländern mit Strom versorgen können. Dass Strom in gewissen Phasen aber länderübergreifend knapp ist, wird dabei gerne verdrängt. Für einen Industriestaat ist das riskant.

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