Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Horst Seehofer

Mit dem Kommentar „der Islam gehört nicht zu Deutschland“ war dem neuen Heimatminister die Titelseite der Bild-Zeitung sicher.

(Foto: dpa)

Kommentar Seehofers Gesellschaftsbild ist nicht heimatlich, sondern rückschrittlich

Als erste Amtshandlung entfacht Heimatminister Seehofer eine plumpe, alte Islam-Debatte. Das ist nicht zeitgemäß.
16.03.2018 - 15:15 Uhr 16 Kommentare

Leise-technokratisch vor sich hinarbeiten, sich geräuschlos-effizient der Herausforderung der Integration und den Problemen der inneren Sicherheit annehmen? Kommt natürlich nicht in Frage. Horst Seehofer hat schon am ersten Tag im neuen Amt bewiesen, dass er sein Heimatministerium zur Schlagzeilenfabrik machen will.

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte der Bundesminister des Inneren, für Bau und Heimat. Damit war ihm die Titelseite der „Bild“-Zeitung sicher. Kontroverse entfacht, Ziel erreicht.

Die Reizung politischer Erregungsrezeptoren ist das Spezialgebiet des CSU-Chefs. In den dreieinhalb Jahren bis zur nächsten Bundestagswahl wird er sein Können noch öfters unter Beweis stellen. Seehofer will das Innenministerium zum Machtzentrum ausbauen – neben Kanzleramt und Finanzministerium.

Und sich selbst will er nach seinem Abtritt als bayerischer Ministerpräsident wieder in den Vordergrund spielen. Dass er mit seiner Islam-Debatte seinem Erzrivalen Markus Söder ausgerechnet an jenem Tag die Show stiehlt, an dem dieser sein Erbe in Bayern antritt, dürfte Seehofer als besonders genugtuend empfinden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Eine ganz andere Frage ist, wie man sich inhaltlich mit den Aussagen des Innen-, pardon: des Heimatministers auseinandersetzen soll. Eigentlich ist zu dieser Debatte schon alles gesagt. Seehofer recycelt eine Diskussion, die Wolfgang Schäuble als Innenminister schon vor zwölf Jahren angestoßen und Christian Wulff 2010 als Bundespräsident aufgegriffen hat.

    Beide hatten den islamischen Glauben zum Teil Deutschlands erklärt. Das war und ist zunächst einmal kein normatives Statement, sondern einfach eine Faktenbeschreibung. Ein Blick auf die Straße genügt.

    Was hingegen in einem freiheitlich-demokratischen Deutschland keinen Platz hat, ist der politische Islam mit seinen archaischen Wertvorstellungen. Nur: Das behauptet auch niemand, der ernst zu nehmen wäre.

    Die Differenzierung zwischen Glauben und Fundamentalismus ist für die Diskussion über den Islam entscheidend. Doch Seehofer fällt dahinter zurück, er vermischt beides, weil es ihm Aufmerksamkeit und seiner Partei womöglich ein paar Stimmen verspricht.

    „Die bei uns lebenden Muslime gehören selbstverständlich zu Deutschland“, schob Seehofer noch nach. Dass es sich bei den „bei uns lebenden Muslimen“ schlicht um Deutsche handelt, kommt ihm offenbar nicht in den Sinn. Wir und die: Das ist das Denkmuster des Heimatministers. Doch ein Gesellschaftsbild, das sich in Abgrenzung definiert, werden viele Deutsche nicht als heimatlich empfinden, sondern als rückschrittlich.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Seehofers Gesellschaftsbild ist nicht heimatlich, sondern rückschrittlich
    16 Kommentare zu "Kommentar: Seehofers Gesellschaftsbild ist nicht heimatlich, sondern rückschrittlich"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Typischer Artikel mit Totschlagsarumenten wie Rückschrittlich, nicht ernst zu nehmen.
      Die Überschrift ist das Urteil: "Seehofers Gesellschaftsbild ist nicht heimatlich, sondern rückschrittlich". Dann kommt bla bla bla ohne Substanz, das Utreil ist ja bereits in der Überschrift verkündet. Dann folgt eine Typische Aussage um Erwiderungen zu Hr. Kochs These mundtot zu mach wie: "Was hingegen in einem freiheitlich-demokratischen Deutschland keinen Platz hat, ist der politische Islam mit seinen archaischen Wertvorstellungen. Nur: Das behauptet auch niemand, der ernst zu nehmen wäre."
      Jetzt kann man dutzende Personen aufzählen die einen politischen Islam fordern, aber die sind ja nach Herrn Kochs These nicht ernst zu nehmen. Also Hassprediger, der IS usw. sind nicht ernst zu nehmen, na ja kann man glauben muß man aber nicht.
      Vielleicht ist Rückschritt auch Fortschritt. Besser als dem unsäglichen Zeitgeist, Mainstream hinterher zu hecheln und sich nur im Kreise drehen. Lieber rückschrittlich als mit einem mittelalterlichen brutalen Islam zu leben.
      Aber hier braucht keiner Angst zu haben, der Fön Seehofer tut nichts außer heißer Luft zu produzieren. Man braucht ja nur die letzten Abstimmungen im Bundestag zu verfolgen, z.B Deutsch als Amtssprache ins Grundgesetz zu schreiben, hat übrigens die CDU/CSU noch vor nicht all zu langer Zeit selber gefordert, aber wie wurde von CDU/CSU abgestimmt? Natürlich mit nein. Die Reden Seehofers enthalten richtige Forderungen sind aber nur Volksverdummung, weil immer das Gegenteil von dem gesagten getan wird.
      Wer sich etwas Literatur antun will, dann von Michel Houellebecq die Unterwerfung lesen, könnte bei uns so ähnlich ablaufen.

    • Jo Black

      " oder gibt es einen islamisch geprägten demokratischen Staat?"

      Nach einigem Grübeln: Mit wem verhandelt denn das demokratische EU-Brssel seit Jahrzehnten wegen eines EU-Beitritts? Doch wohl bestimmt nicht mit einem "diktatorisch" regierten Ländle.

    • Politischer Islam, moderater Islam oder nur religiöser Islam. Es gibt keinen Unterschied sondern nur Erklärungs- und Beschwichtigungsversuche von angeblich toleranten Menschen, die sich beharrlich weigern die wahre Natur des Islam anzuerkennen. Demokratie und Islam schließen sich aus, da helfen auch keine Umdeutungen, oder gibt es einen islamisch geprägten demokratischen Staat?

    • Dem Qualitäts-Journalisten Koch geht es doch überhaupt nicht um eine „Debatte“ zu Drehhofers vermeintliches „Gesellschaftsbild“. Das hat er doch schon in bester inquisitorischer Manier mit „Das ist nicht zeitgemäß.“ deklaratorisch ausgeschlossen.

      Nachdem nun der BT heute den Antrag der AfD auf umfassende Grenzsicherung auch mit offensichtlicher Zustimmung der CSU-Abgeordneten in nicht zu überbietender Mehrheit abgelehnt hat, bin ich jedenfalls nach „wie vor“ (darauf lege ich gesteigerten Wert) der Meinung, dass Seehofer ein populistischer „Polit-Profi“ ist und bleibt, dem man nicht einen Satz glauben kann – außer er erzählt von seiner Modell-Eisenbahn.

      Dem Autor des Artikels erschließt sich vor diesem Hintergrund natürlich nicht die „Sinnlosigkeit“ seines Artikels. Warum auch? Hauptsache ist wohl doch der unbedingte Wille, jede Gelegenheit zu nutzen, dass auch seine Meinung mit zur „Allgemeinbildung“ nach bewährtem Muster beiträgt.

    • Wer bestimmt, was zeitgemäß und was rückschrittlich ist? Wenn zeitgemäß heißt unsere Kultur zu verachten und D zu verkaufen, dann bin ich lieber rückschrittlich. Deutschland schafft sich ab. Es ist aber nicht mit Sprüchen getan, es muß gehandelt werden. Es ist auch keine plumpe und alte Islam Debatte. Plump sind die Angriffe auf Seehofer. Debattiert wurde über das Problem noch nie, weder im BT, noch wurde die Bevölkerung befragt. Warum eigentlich nicht, da doch jetzt alle sogar dafür sind, ein paar Parteimitglieder befragen, ob eine Regierung gebildet werden darf. Aber so existentielle Fragen werden über die Köpfe der Bürger entschieden.

    • Wir und die, daß ist Ihre Interpretation und selbstverständlich gehen Sie dabei in Ihrem Kommentar davon aus, daß Ihre Meinung das "Wir" repraesentiert.
      Wir sind jedoch die breite Mehrheit der deutschen Staatsbürger, quer durch alle Parteien und werden mit unserer Meinung von Ihnen permanent ignoriert und bewusst falsch interpretiert.
      Ihre Meinung ist in der Bevölkerung deutlich unterrepräsentiert und wird auch durch immerwährende Wiederholung keine Mehrheit finden.
      Die offene Diskussion hat noch gar nicht stattgefunden, sondern wird durch Ihre ideologisierte Darstellung nicht gefördert, sondern unterbunden.
      Sie wollen keine offene und sachliche Diskussion führen, weil Sie wissen, daß Sie keine Mehrheit für Ihre Meinung finden werden. Nein, ich bin kein AFD Wähler, aber die einseitige Darstellung des Themas in den Medien ist unerträglich und hat mit gutem Journalismus nichts zu tun.
      Ich hoffe sehr, daß Herr Seehofer diese sachliche und offene Diskussion weiter in der Öffentlichkeit führen wird und es wird Ihnen nicht gelingen durch Verunglimpfung eine Meinungsänderung in der Bevölkerung herbei zu schreiben. Gott sei Dank, leben wir in einer aufgeklärten Gesellschaft, die nicht alles glaubt, was die Medien veröffentlichen.
      Plump sind einzig und allein Ihre undifferenzierten Kommentare.

    • Und nicht alles, von uns vom rot-grünen Komplex als innovativ, modern und kulturbereichernd und unbedingt nötig verkauft wird, ist fortschrittlich. Warum so viele unserer rundum-allzu-toleranten Politiker einen Besen an einem mittelalterlich-patriarchalischen Weltbild gefressen haben, erschliesst sich mir nicht, vor allem, wenn Akzeptanzproblem der Neuen mit unserem "unverhandelbaren Wertekomplex" unübersehbar sind, wie jüngst in Flensburg gesehen.

    • Hallo Herr Caruso,

      wieso werden die uns um 300 Jahre zurückwerfen?

      Wenn es soweit ist, dann gibt es "uns" in der jetzigen Form nicht mehr. Entweder sind wir (uns) ausgewandert oder den "Heldentod" gewählt.

      Was bliebe ist dann ein stinknormales islamistisches Land.

    • Herr Frank Plonus,

      der Herr Autor irrt sich nicht. Er informiert auch nicht. Schon gar nicht auf sachlicher Ebene. Und die Ratio ist ihm völlig fremd.

      Er verkündet nur seine „Meinung“ wie Sie und ich. Mit Journalismus, so wie ich den noch kenne, hat das absolut nicht zu schaffen.

      Entweder muss der Herr Autor seine Brötchen hier beim HB verdienen – egal wie. Oder er ist ein Oper der „Bildungspolitik“. Im schlimmsten Fall ist er Ideologe und dann können Sie und ich und sonst wer schreiben, was das Zeug hält, ohne dass da der „Groschen fällt“.

    • @ Herr Pete

      Der Islam wird uns im Ergebnis um minimum 300 Jahre Zivilisationsgeschichte zurückwerfen. Das ist dann der Fortschritt!

      Aus den Krankenscheinen ist ja auch die Gesundheitskarte geworden. Man definiert eben, wie man will, und in Zeiten der political correctness ist das dann eben so!

    Alle Kommentare lesen
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%