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Kommentar Sterbehilfe ist menschenwürdig

Die Freiheit, über das eigene Ende zu entscheiden, ist Selbstbestimmung. Der Wert, nach dem unsere Gesellschaft ausgerichtet ist. Er sollte jedem zustehen. Auch in der Frage des Sterbens.
4 Kommentare
Maike Freund ist Politik-Redakteurin.

Maike Freund ist Politik-Redakteurin.

Haben Sie über Ihren eigenen Tod nachgedacht? Oder den eines geliebten Menschen? Das ist kein Gedanke, der leicht zu ertragen ist. Und für die meisten vermutlich auch keiner, der uns alltäglich begleitet, während des Jobs, im Supermarkt oder beim Sport. Und doch wird sich niemand davon frei machen können. Von dem Wissen, dass das Leben endlich ist. Von der Angst, dass wir nicht wissen, wie es enden wird.

Es bleibt die Hoffnung, dass der Tod friedlich kommen wird, im Schlaf, nach einem erfüllten Leben, im hohen Alter, umgeben von geliebten Menschen. Doch was, wenn nicht? Was ist mit dem, was vor dem Tod kommt? Mit dem Sterben?

Endlich beschäftigt sich auch der Bundestag mit diesem Thema – mit Sterbehilfe. Das Plenum nimmt sich Zeit, und das ist richtig. Denn über das Sterben sollte niemand und zu keiner Zeit mal eben eine Entscheidung treffen. Doch die Verantwortung sollte bei demjenigen liegen, der betroffen ist. Und das muss das Gesetz regeln.

Fast ein wenig verschämt nennen es die Abgeordneten Sterbebegleitung, der Begriff Sterbehilfe ist ihnen zu krass. Und doch genau darum soll es gehen. Um Hilfe beim Sterben. Und zwar nicht per se, sondern für Menschen, die unheilbar krank sind. Bei denen es keine Genesung mehr geben wird. Wenn es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie geht.

Wer nicht mehr Leben will, kann sich für den Freitod entscheiden. Doch wer unheilbar krank ist, muss mögliches Leiden ertragen. Dafür gibt es Palliativmedizin, also Medizin, die die Schmerzen lindert, sagen Kritiker der Sterbehilfe. Und es ist unbedingt nötig, dass sie ausgebaut wird. Genauso wie Hospize.

Wie will ich leben, wie sterben?

Fraktionsübergreifende Debatte über Sterbehilfe

Doch wer will wissen, ob Schmerzlinderung genug ist? Welche Schmerzen trotz Medizin bleiben? Welche Schmerzen ertragbar sind und für wie lange? Wie ich leben und sterben will? Das sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen – und die entsprechende Unterstützung bekommen. Deshalb ist aktive Sterbehilfe, also die Hilfe beim eigenen Tod durch Ärzte oder durch Sterbehilfevereine, menschenwürdig. Sie wird die Todesrate nicht nach oben treiben. Denn sie ist ein Angebot. Nicht mehr.

Natürlich muss es auch um Hilfe gehen. Um Hilfe zum Leben. Doch die Freiheit, über das eigene Ende zu entscheiden, ist Selbstbestimmung. Der Wert, nach dem unsere Gesellschaft ausgerichtet ist, der jedem zustehen sollte. Nicht nur in der Frage, wie das Leben aussehen soll, sondern auch in der Frage des Sterbens.

Es sind scheinbar zwei Grundgesetze, die da aufeinanderprallen: Der Schutz des Lebens und der Schutz der Würde des Menschen. Dabei geht es jedoch vor allem darum, dass mich kein Dritter meiner Würde beraubt. Wenn ich persönlich mein Leben nicht mehr als würdevoll empfinde, sollte ich die Freiheit haben, mich dagegen zu entscheiden.

Die Entscheidung, wie ich Sterben möchte, ist eine mutige. Vielleicht die mutigste, die es geben kann. Wer will sie mir abnehmen? Und wem wollen wir zumuten, diese Hilfe zu leisten? Angehörigen? Oder den Ärzten, die einen kranken Menschen begleitet haben, die dafür ausgebildet sind – nicht dafür, den Tod herbeizuführen, aber entsprechende Hilfe als letztes Mittel anbieten – und zwar rechtlich abgesichert.

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4 Kommentare zu "Kommentar: Sterbehilfe ist menschenwürdig"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja, Sterbehilfe ist menschenwürdig.
    Wie man heute mit Schwer- und Schwerstkranken umgeht, ist mehr als unwürdig
    Wann wird in diesem Land mal wieder begriffen, dass man alte Menschen in Würde sterben läßt?

  • „Sterbehilfe ist menschenwürdig“

    Auch wenn es manchen Leser schwer angehen wird: Die meisten Hunde in Deutschland haben es besser, weil sie in Würde sterben dürfen. Das kann nur der verstehen, der schon einmal einen Menschen in den Tot begleitet hat, weil dieser Mensch es so verfügt hatte. Keine Maschinen, keine lebenserhaltenden Maßnahmen, sondern ausschließlich Schmerzlinderung und Nahrung. Dennoch war es kein schöner Anblick einen Menschen so verfallen zu sehen.

  • „Sterbehilfe ist menschenwürdig“

    Auch wenn es manchen Leser schwer angehen wird: Die meisten Hunde in Deutschland haben es besser, weil sie in Würde sterben dürfen. Das kann nur der verstehen, der schon einmal einen Menschen in den Tot begleitet hat, weil dieser Mensch es so verfügt hatte. Keine Maschinen, keine lebenserhaltenden Maßnahmen, sondern ausschließlich Schmerzlinderung und Nahrung. Dennoch war es kein schöner Anblick einen Menschen so verfallen zu sehen.

  • Sterbehilfe Verhinderung eines Sterbewilligen (Todkranken) kommt einer Diktatur gleich und somit für einen freien Menschen eines selbstbestimmten Leben in einer freien Marktgesellschaft strikt azulehnen.

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