Kompromissvorschlag der Grünen Ende des Verbrennungsmotors in 20 Jahren

Nachdem die Jamaika-Verhandlungen erst einmal vertagt wurden, kommt überraschend ein neuer Vorstoß der Grünen bei einem Thema, das zu besonders vielen Streitigkeiten geführt hat: das Ende des Verbrennungsmotors.
Update: 17.11.2017 - 15:39 Uhr 15 Kommentare
Jamaika: Sondierer läuten Ende des Verbrennungsmotors ein Quelle: dpa
Überraschende Einigung

Kommt das Aus für den Verbrennungsmotor?

(Foto: dpa)

BerlinNachdem die Jamaika-Verhandlungen auf das Wochenende verschoben wurden, gehen die Grünen noch einen Schritt auf ihre Verhandlungspartner zu: Statt wie ursprünglich gefordert in zehn, soll der Verbrennungsmotor erst in zwanzig Jahren zu seinem Ende kommen. „Wir setzen uns als Ziel, in den nächsten zwei Dekaden den Zeitpunkt zu erreichen, ab dem ausschließlich emissionsfreie Neuwagen auf den Markt kommen“, heißt es im jüngsten Kompromissvorschlag der Grünen zur Verkehrspolitik, der dem Handelsblatt vorliegt.

Um dieses Ziel zu erreichen, sollte das Bündnis die Einführung alternativer Antriebe fördern. „Im Rahmen der Dienstwagenbesteuerung werden wir emissionsfreie Fahrzeuge beim geldwerten Vorteil aufkommensneutral besser stellen“, heißt es etwa. Zudem soll eine Absatzquote eingeführt werden. „Dazu werden wir ein Gesetz zur Einführung einer dynamischen Absatzquote verabschieden, das im Jahr 2020 erstmals wirksam wird und fünf Prozent Quote vorgibt, wenn der Anteil emissionsarmer und emissionsfreier Fahrzeuge an den Neuzulassungen im Jahr 2019 unter 3,5 Prozent liegt.“ Es soll auch Anreize für die Verbraucher geben. „Als Kaufanreiz werden wir ein wirksames Bonus-Malus-System in die Kfz-Steuer integrieren und so den Kauf effizienter und emissionsarmer Neufahrzeuge effektiver fördern.“

„Es hat sich immer noch kein Vertrauen aufgebaut“

„Es hat sich immer noch kein Vertrauen aufgebaut“

Darüber hinaus soll es nun doch zu Fahrverboten in Städten kommen können. Dazu soll eine „blaue Plakette“ auf Bundesebene eingeführt werden, damit Kommunen Fahrverbote verhängen und kontrollieren können. „Wir werden geeignete emissionsabhängige Differenzierungen zwischen Fahrzeugen einführen, damit schaffen wir für Kommunen die rechtliche Voraussetzung emissionsarme und emissionsfreie Fahrzeuge zu kennzeichnen und Einfahrtregelungen festzulegen, wenn keine anderen Luftreinhaltemaßnahmen mit geringerer Eingriffstiefe mehr zur Verfügung stehen“, heißt es dazu in dem Dokument. Um Fahrverbote zu verhindern, sollen die Hersteller von Dieselfahrzeugen „ein verbindliches, wirksames und überprüfbares Nachrüstprogramm für die im Verkehr befindlichen Dieselfahrzeuge“, heißt es weiter. Technische Umrüstungen sowie eine blaue Plakette lehnt vor allem der ehemalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vehement ab.

Strittig sei laut Papier dann nur noch die Frage nach der Trennung des Netzes vom Betrieb bei der Deutschen Bahn AG und die Frage, wie Planungsverfahren beschleunigt werden können.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von einem Sondierungspapier die Rede, tatsächlich handelte es sich aber um einen Kompromissvorschlag der Grünen.

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15 Kommentare zu "Kompromissvorschlag der Grünen: Ende des Verbrennungsmotors in 20 Jahren"

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  • Der muendige Buerger - das ist der, der die E-Autos bezahlen soll und bisher zum
    Schluss gekommen ist, dass diese Landplage fuer ihn nicht passt. Es ist auch der
    der unsere Volksvertreter waehlt, und falls es wegen der E-Autos zu Neuwahlen
    kommt, den Verfechtern die Quittung geben wird. Bevormundung hat Grenzen.

  • Komisch, dass beim Elekroauto immer die Herstellungsbilanz der Batterie herhalten muss und beim Benziner bzw. Diesel mit dem reinen Verbrauch verglichen wird. Rechnet man beim konventionellen Antrieb auch die komplett Bilanz ein, z. B. auch die Herstellung der Treibstoffe, sieht der Vergleich wieder komplett anders aus.

    Außerdem bin ich weiterhin der Meinung, eine Reichweite von 400 bis 600 Kilometern ist nur nötig um Statusgefühle zu befriedigen. M. E. braucht die die Mehrzahl der Nutzer nicht.

    Wo ich zustimme ist, dass die Rahmenbedingungen nicht passen. Wenn allerdings in Los Angeles, New York, Singapur oder Tokio kein konventionell angetriebenes Fahrzeug mehr fahren darf, geht das evtl. ganz schnell. Ich sage auch nur, dass die Industrie sich nicht vorbereitet.

  • G. Nampf17.11.2017, 15:26 Uhr

    Wenn es so kommt, wie VW plant, denke ich, dass Sie da nicht mehr lange mit der Klimabilanz des E-Autos argumentieren werden können. Oder wollen Sie klimaschädliche Produktion von E-Autos in China mit dem Abschalten weiterer Kraftwerke, oder alternativ dem Vertreiben von Industrien mit klimaschädlichen Produktionsmethoden aus Deutschland kompensieren?

    Ich weiß natürlich, dass Sie nicht zu der Kategorie der Argumentierer gehören, für die der grüne Strom aus der Steckdose kommt – auch wenn der aus dem AKW von Frankreich kommt.

  • Immer daran denken: auch noch so idiotische Politik kann NIEMALS gegen die Gesetze der Ökonomie gewinnen: ES WIRD NICHT FUNKTIONIEREN.
    Es gibt nicht genügend Rohstoffe für E-Mobilität für Alle.
    Dann übersehen die politischen Lineardenker (und leider auch die bei den Automobilkonzernen) ein weiteres entscheidendes ökonomisches Phänomen: wir haben heute eine VERZERRTE PRODUKTIONSSTRUKTUR (für Interessierte: das Hayek´sche Dreieck erfährt einen künstlichen Knick) aufgrund der ungehemmten Kreditexpansion und des manipulierten Zinssatzes der Zentralbanken. Nur diese verzerrte Produktionsstruktur ermöglichte es überhaupt, enormes Kapital für die E-Mobilität zu generieren, da andernfalls nicht im geringsten RENTABEL.
    Diese Verzerrung der Produktionsstruktur wird jedoch eher früher als später korrigiert werden, und Investitionen in die E-Mobilität werden sich dann als verheerende Fehlinvestitionen herausstellen - umso verheerender, je länger die Politik mit ihrem Interventionismus gegen den Markt arbeitet.

  • NEEEIIIINNN!!! Ende des Verbrennungsmotors - WIEDER SO EIN SCHWACHSINN
    Es mag vielleicht ein Hybridfahrzeug sinnvoll sein, doch ein reines Elektroauto mit ca 500 bis 600 km Reichweite benötigt allein zur Batterieherstellung deutlich mehr CO2 als ein Benzinmotor. Und wie lange hält so ein Batterie, wie wird sie entsorgt? und tausend weitere ungelöste Probleme.
    Wieder so ein komischer ideologischer SCHWACHSINN
    Liebe Politiker, sagt doch einfach, dass die Autos effizienter werden sollen, dann wird es auch besser. MISCHT EUCH BITTE NICHT IN TECHNOLOGIEN EIN, IHR KÖNNT NICHT RECHNEN! Und lasst euch nicht von irgendwelchen Lobbyisten - seien es die der Umweltverbände oder der Industrie - an der Nase herumführen.

  • Herr Leo Löwenstein17.11.2017, 15:09 Uhr

    Seien Sie bitte doch nicht so kleinlich.

    VW hat die Zeichen der Zeit doch auch erkannt – oder warum wollen die 34 Mrd. € in China für Elt-Kfz’s investieren?

    Was sind da schon 800.000 Arbeitsplätze in Deutschland? In die Zukunft geblickt wären das im Idealfall 800.000 Fußgänger zzgl. Angehöriger, die keinen wesentlichen Beitrag zur Umweltverschmutzung leisten.

    Und überhaupt – welche Zukunft (zum Wohl Deutschlands) erwarten Sie denn von diesen Hütchenspielern der etablierten Parteien-Diktatur?

    Kaum dass es eine Umfrage mit dem Ergebnis gibt, dass eine Mehrheit Neuwahlen will, wenn die jetzigen Protagonisten scheitern, wird, wie zu lesen ist, plötzlich wieder alles möglich.

    Keine Ahnung, ob das „Umfrageergebnis“ gesteuert ist oder nicht. Nur eines bilde ich mir ein zu wissen – wenn es so weitergeht, wird es kein gutes Ende geben.

  • Lieber Herrgott laß es Hirn regnen. Wie kann man nur an so etwas denken. Liebe Jamaikaner zieht euch warm an, die nächsten Wahlen kommen sicher und da gibt es die Quittung für so einen Schwachsinn.

  • @Michael Berger 17.11.2017, 14:57 Uhr

    "Da einige große Industrienationen den Verbrennungsmotor aus dem Programm nehmen, kann man gerne nach AfD-Manier die gute alte Zeit hochleben lassen und irgendwann sind wir abgehängt, oder man steuert jetzt um."

    Im Prinzip ist das richtig. Das Problem besteht darin, daß die Technologie der Elektroautos noch in den Kinderschuhen steckt. Elektroautos sind noch lange nicht so leistungsfähig wie Verbrenner. Ich glaube nicht, daß die Technik in 20 Jahren so weit sein wird, daß Verbrenner ersetzt werden können - oder man nimmt einen dramatischen Mobilitäts- und auch Freiheitsverlust verlust in Kauf.

    Außerdem ist noch vollkommen offen, wie denn der Strom für zig-Millionen E-Autos umwelt- und klimafreundlich erzeugt werden kann. Falls der Strom nicht klimaneutral erzeugt werden kann, sind E-Autos schlichtweg nicht klimafreundlich.

    Letztendlich sind E-Autos auch bei 100%ig klimaneutraler Stromproduktion nicht klimaneutral, denn die Herstellung der Batterien (nach jetzigem Stand der Technik) ist definitiv nicht klimaneutal. Eine Studie (http://www.focus.de/auto/elektroauto/e-auto-batterie-viel-mehr-co2-als-gedacht_id_7246501.html)
    ergab, daß ein E-Auto acht (!) jahre lang betrieben werden muß, bi die Klimabilanz des E-Autos besser ist als die eines Verbrenners.

    Man kann also nicht jetzt Dinge in Jahreszahlen festschreiben, von denen man überhaupt nicht weiß, ob das jemals Sinn machen wird - weder in D noch in anderen Ländern. Das die Politik das doch tut, spricht Bände.

  • Hallo Herr Löwenstein,

    das mag der eine oder andere so sehen. Ein Fahrzeug, das mich auf 99% der Fahrten ohne Unterbrechung ans Ziel bringt, braucht eine Reichweite von unter 100 Kilometern und steht nie an einer Ladesäule. Das ist nun mal Fakt für einen Großteil der Bevölkerung.

    Unabhängig davon könnte man Autobahnen elektrifizieren oder andere Alternativen wählen, wie von Ihnen beschrieben. Investitionen in die Infrastruktur würden zumindest mal unsere unsäglichen Exportüberschüsse vermindern und wieder uns zugute kommen.

    Ein maßvoller Umstieg macht Sinn ... ich weiß nur nicht, wie Maßvoll man sein soll, wenn der Umstieg bis weit nach 2040 dauern wird, während wesentliche Industriestädte schon in den nächsten fünf Jahren die Türen verschließen und unsere Automobilhersteller außer Ankündigungen kein konkurrenzfähiges Produkt für diese Märkte anbieten ... das nenne ich "verschlafen"!

  • Herr Michael Berger - 17.11.2017, 14:57 Uhr

    Das Hauptproblem dabei ist
    - die geringe Reichweite von Elektroautos
    - die zu langen Ladezeiten (Infrastruktur hierfür müsste ein vielfaches der heutigen Tankstellen sein)
    - die fehlende Infrastruktur von Ladesäulen

    Dazu kommt noch, was die Grünen gerne verschweigen, es gibt derzeit gar nicht genug Rohstoffe, um alle PKWs mit Batterien in diesem Umfang auszustatten.
    Dabei sinnvoll wäre auch die Autodächer mit Solarzellen auszustatten, damit wenigstens so schon mal geladen wird und die Reichweite erhöht und die Ladezeiten verkürzt werden.
    Deshalb wäre hier doch ein massvoller Umstieg sinnvoll. Dass er kommen wird, ja, aber nicht ohne vorher die Voraussetzungen zu schaffen.

    Besser wäre eigentlich eine Brennstoffzelle, kommt sie doch mit nur einer giftigen Batterie aus, anstatt einer hohen Anzahl. Das ist meiner Meinung nach der zukunftsfähigere Ansatz. Aber es gewinnt ja nicht immer das sinnvollste.

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