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Transporter in Kalifornien

Die von US-Präsident Donald Trump weltweit angezettelten Handelskonflikte wirken sich negativ auf die Weltwirtschaft aus.

(Foto: AFP)

Konjunktur Deutschlands Wirtschaft gerät in die Abwärtsspirale der Handelskonflikte

Die OECD korrigiert ihre Wachstumserwartungen für fast alle Industrieländer nach unten. Vor allem für die deutsche Wirtschaft senkt sie ihre Prognose drastisch.
2 Kommentare

BerlinLange waren die Volkswirte der OECD eher optimistisch, was die künftige Entwicklung der Weltkonjunktur angeht. Denn trotz permanent neuer Handelskonflikte, die US-Präsident Donald Trump anzettelte, wuchs der Welthandel lange erstaunlich kontinuierlich weiter.

Das hat sich im zweiten Halbjahr 2018 deutlich geändert, wie die Auswertung weltweiter Konjunkturzahlen nun zeigt: Die Exporte haben seit dem vergangenen Sommer nicht nur in Deutschland nicht weiter zugelegt, sondern sie haben seitdem weltweit geschwächelt. Das Wachstum des Welthandels hat sich von den jährlich etwa vier Prozent der vergangenen Jahre auf drei Prozent verlangsamt.

Für die besonders exportabhängige Wirtschaft Deutschlands heißt das: Für 2019 erwartet die OECD nur noch 0,7 Prozent Wachstum. Um 0,9 Prozent korrigierten die Ökonomen ihre November-Prognose nach unten. Zum Vergleich: Die Bundesregierung erwartet noch ein Prozent Wachstum in diesem Jahr.

Dem Brexit-geschüttelten Großbritannien traut die OECD 2019 noch ein Wachstum von 0,8 Prozent zu. Italien, erwartet die OECD, schlittert mit minus 0,2 Prozent Wachstum in die Rezession, während Frankreich mit 1,3 Prozent ein vergleichsweise robustes Wachstum zeigt.  

„Handelskonflikte und politische Unsicherheiten fordern ihren Tribut“, sagte OECD-Chefvolkswirtin Laurence Boone bei der Vorstellung der Interimsprognose in Paris. In allen Industriestaaten schwindet das Vertrauen von Unternehmern – und, wenn auch nicht gar so stark, der Konsumenten.

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„Die Handelsbarrieren, die letztes Jahr installiert wurden, drücken Wachstum, Investitionen und den Lebensstandard nach unten – vor allem für Haushalte im Niedriglohnsektor“, mahnte sie. Gerade in der EU verlangsame sich der Handel besonders stark – wegen der Wachstumsschwäche fast aller EU-Staaten.

Die USA können sich zwar über eine Wachstumsrate von 2,6 Prozent in diesem Jahr freuen – allerdings ist auch das etwas weniger, als zuvor erwartet worden war. Die Effekte der Steuersenkungen scheinen bereits auszulaufen. Die Bereitschaft der Firmen, Leute einzustellen, liegt nach den OECD-Berechnungen sogar leicht unter der der Unternehmen in der Euro-Zone.

„Die Regierungen der Euro-Staaten sollten gemeinsam ihre Wirtschaft ankurbeln“, rät Boone. Die multilaterale Zusammenarbeit, die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer flammenden Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz beschworen hat: Sie braucht dringend eine Wiederbelebung, so die OECD-Chefökonomin. Gerade die EU brauche gemeinsame Projekte. Die große Unsicherheit, die vom Brexit ausgeht, aber auch vom Riss zwischen Ost- und West-, Nord- und Südeuropa, schwäche letztlich alle Staaten Europas.

Konkret schlägt Boone vor, dass „Länder mit finanziellen Spielräumen“, wie Deutschland, Österreich, die Niederlande, Irland, Finnland, die Slowakei, Slowenien und die Baltischen Staaten gemeinsam handeln: Sie sollten ein dreijähriges Investitionsprogramm im Umfang von jährlich 0,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) auflegen. Finanzieren könnten sie dies über die Aufnahme neuer Schulden, denn die Zinsen dürften vorerst niedrig bleiben.

Die übrigen Euro-Länder sollten vor allem Strukturreformen umsetzen, und dabei vor allem die Innovationsfähigkeit und die Produktivität ihrer Unternehmen stärken.   

Eine weitere Unsicherheit aus Sicht der OECD China: Sollte das Wachstum bis 2020 unter sechs Prozent fallen, würde dies die Wachstumsaussichten weltweit weiter verschlechtern. Ohne einen solchen Effekt allerdings setzen die OECD-Ökonomen auf wieder anziehende Wachstumsraten im nächsten Jahr.

Auch wenn die Zeichen auf Abkühlung der Weltwirtschaft stehen: Rezessionen bleiben auf wenige Länder beschränkt. Die OECD nennt  Italien, die Türkei und Argentinien. Stützen der Konjunktur hat der Pariser Thinktank auch gefunden: Der niedrigere Ölpreis zählt dazu, und die Signale wichtiger Zentralbanken, die Zinsen doch eher nicht oder nur ganz leicht anheben zu wollen.

Und: So schwach, wie Export und Handel sich gerade entwickeln, so robust zeigt sich vielerorts die Binnenkonjunktur. Die Arbeitslosigkeit ist überall gesunken, die Löhne wiederum sind in letzter Zeit in den meisten OECD-Ländern gestiegen. Der Konsum bleibt daher eine Stütze der Konjunktur – auch in Deutschland.

Ob die Spirale der Konjunkturprognosen nach unten Fahrt aufnimmt, wird sich hierzulande in der kommenden Woche zeigen: Es beginnt der Reigen der Frühjahrsprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, bei den meisten sind Korrekturen nach unten zu erwarten: Denn im November und Dezember weissagten sie mehrheitlich noch um die 1,5 Prozent Wachstum.

Davon geht aktuell niemand mehr aus. Spannend wird aber die Frage, ob sich die Erwartungen um ein Prozent Wachstum einpendeln – oder auf breiter Front in Richtung 0,5 Prozent abrutschen. 

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2 Kommentare zu "Konjunktur: Deutschlands Wirtschaft gerät in die Abwärtsspirale der Handelskonflikte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Frau Riedel,

    nehmen wir einmal an, die USA und China würden sich in den nächsten 2 Wochen auf einen gegenseitigen Abbau der Zölle und eine starke Ausweitung des gegenseitigen Handels verständigen. Und vielleicht nehmen wir zusätzlich an, der Brexit würde auf Ende 2020 verschoben.

    Was ist denn bei diesen angenommenen Gegebenheiten mit den Prognosen der OECD? Müssen wir diese Berechnungen dann in die Tonne treten?

    Ich weiß es nicht. Das liegt daran, dass Ihr Artikel sich über die Annahmen der OECD-Prognosen ausschweigt. Ihr Artikel sagt nur, "kluge Leute haben einmal gerechnet". Damit fange ich leider nichts an. Mir nur zu erzählen, irgend jemand habe bestimmte Annahmen getroffen und seine Geistesblitze in den Computer eingegeben, ist inhaltslos.

  • Wenn man schon nicht außerhalb Europas punkten kann, dann innerhalb Europas:
    Mit einem "nur weiter so" - Draufhauen auf die Automobilindustrie, die Energiekonzerne und die Banken, Überregulierungen und Bürokratie-Wahnsinn, der sich auch aktuell in der Terminvergabe für Ärzte - Spahns Idee oder den neuen Grundsteuerberechnung zeigt, werden wir in die Rezession getrieben.
    Da helfen keine Negativzinsen, ohne vernünftige Politik wird die Zukunft düster in Europa und die rechten Parteien werden gewinnen.