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Konjunktur Die deutsche Wirtschaft sendet Notsignale

Die Industrie in Deutschland hat im zweiten Halbjahr 2018 den Rückwärtsgang eingelegt. Das ist kein Ausreißer, die Wirtschaft befindet sich im Abschwung.
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Das Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal 2018 nicht gewachsen, aber auch nicht geschrumpft. Quelle: dpa
Bauarbeiten

Das Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal 2018 nicht gewachsen, aber auch nicht geschrumpft.

(Foto: dpa)

FrankfurtBisher dachten die meisten Volkswirte, der Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2018 und die Stagnation im vierten seien vorübergehende Folge von Sondereffekten. Vor allem die Schwierigkeiten der wichtigen Autoindustrie mit der Umstellung auf neue Abgastests und das Niedrigwasser des Rheins wurden angeführt, verbunden mit der Erwartung, dass die Produktion die Ausfälle zumindest teilweise nachholen werde, wenn diese Probleme gelöst sind.

Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mit den ausführlichen Ergebnissen zum Bruttoinlandsprodukt bestätigte, lag die Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes im dritten Quartal um 0,4 und im vierten sogar um 1,4 Prozent niedriger als im Jahr zuvor.

Dass die gesamte Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahresquartal noch ein leichtes Wachstum aufwies, und im Vergleich zum Vorquartal immerhin nicht sank, lag vor allem am boomenden privaten Wohnungsbau und daran, dass der Staat deutlich mehr Geld ausgegeben hat.

Der Außenbeitrag, also die Exporte minus die Importe, lieferte dagegen im Vergleich zum Vorquartal keine Wachstumsimpulse. Im Vergleich zum Vorjahr brachte er sogar einen Abzugsposten von gut einem Prozentpunkt.

Bisher war die Hoffnung, dass nach Normalisierung des Rhein-Wasserstands und der gelungenen Anpassung der Autoindustrie an die neuen Abgastests ein Wachstumsschub aus der Industrie kommen würde, der die Schwäche des zweiten Halbjahrs 2018 zumindest teilweise kompensieren würde. Das scheint auszubleiben.

Im Februar sank der Einkaufsmanagerindex für die Industrie, den das Marktforschungsinstitut Markit am Donnerstag bekanntgab, nochmals kräftig von ohnehin schwachen 49,7 Punkten auf nur noch 47,6 Punkte. Werte unter 50 Punkten deuten auf rückläufige Produktion hin. Zwar stieg gleichzeitig der Index für den Dienstleistungsbereich auf 55 Punkte. Die Industrie ist aber für die Konjunktur in der Regel wichtiger.

Für den Chefvolkswirt von Deutsche Bank Research, Stefan Schneider, deuten die schwachen Industriedaten darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal schrumpfen könnte. Er traut der Deutschen Wirtschaft deshalb in diesem Jahr nur einem halben Prozentpunkt Wachstum zu.

Die Regierung und die meisten Forschungsinstitute rechnen bisher mit rund einem Prozent.  Die These von den vorübergehenden Sondereffekten lasse sich nicht mehr länger aufrechterhalten, sagen die Deutsche-Bank-Volkswirte: „Von Nachholeffekten keine Spur.“

Besonders stark gefallen sind die Teile des Industrieindex, die am stärksten in die Zukunft weisen. So fiel der Index für den Auftragseingang im Februar auf nur noch 42,6 Punkte.

Ifo fällt auf schlechtesten Wert seit Dezember 2014

Der Ifo-Geschäftsklimaindex, den das Ifo-Institut am Freitag veröffentlichte, nährte die Sorgen um die deutsche Konjunktur weiter. Er beruht auf einer Befragung von deutlich mehr Unternehmen und fragt auch die Erwartungen für die nächsten Monate ab. Der Index fiel im Februar um 1,8 Punkte auf 98,5 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit Dezember 2014.

Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als auch die Perspektiven für die kommenden sechs Monate. „Diese Ergebnisse und andere Indikatoren deuten auf ein Wirtschaftswachstum im ersten Quartal von 0,2 Prozent hin. Die deutsche Konjunktur bleibt schwach“, kommentierte Ifo-Chef Clemens Fuest die schlechten Umfragewerte.

Anders als beim Einkaufsmanagerindex hat sich das Geschäftsklima laut Ifo auch im Dienstleistungsgewerbe deutlich verschlechtert. Im verarbeitenden Gewerbe fiel der Index sogar zum sechsten Mal in Folge. Die aktuelle Geschäftslage wurde zwar noch als gut bezeichnet, die Unternehmen erwarten aber eine deutliche Verschlechterung.

Die deutsche Industrie geht damit geschwächt in ein Jahr, in dem sie womöglich noch einige Tiefschläge zu verkraften haben wird. Die US-Regierung hat Sonderzölle auf deutsche Autos angedroht und liegt auch mit China im Handelsstreit. In wenigen Wochen droht zudem noch ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU, der die Zollschranken im Handel mit diesem wichtigen Exportmarkt heruntergehen lassen würde.

Weil die Europäische Zentralbank anders als normal mit Nullzinsen in diesen Abschwung geht und auch das Potenzial zum Aufkauf von Staatsanleihen bereits zu einem großen Teil ausgeschöpft hat, ist von dieser Seite nicht allzu viel Hilfe für die Konjunktur zu erwarten.

Daher dürfte nun die Diskussion um eine Investitionsoffensive des Staates und sonstige Maßnahmen zur Konjunkturstützung neue Schärfe gewinnen. Erst vor wenigen Tagen hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, die Bundesregierung aufgefordert, mehr zur Konjunkturstützung zu tun. Auch Umverteilung zugunsten der Geringverdiener könne helfen, weil diese ihr Geld eher ausgeben, als es auf die hohe Kante zu legen.

Im vierten Quartal war eher letzteres nach den Zahlen der Statistiker der Fall. Der private Konsum hatte zwar noch einen leichten Wachstumsbeitrag geleistet. Aber im Vergleich zum kräftigen Anstieg der verfügbaren Einkommen fiel er eher schwach aus. Die verfügbaren Einkommen legten – nicht inflationsbereinigt – im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent zu, der private Konsum nur um 2,7 Prozent.

Rekordüberschuss im Staatshaushalt

Der Überschuss im Staatshaushalt von 58 Milliarden Euro 2018, den das Statistikamt ebenfalls am Freitag verkündete, dürfte nicht dazu beitragen, die Rufe nach höheren Staatsausgaben aus dem In- und Ausland zu dämpfen. In absoluten Zahlen war das der höchste je erzielte Überschuss, was allerdings auch mit der Geldentwertung über längere Zeiträume zusammenhängt.

Aber auch relativ zum Bruttoinlandsprodukt war der Überschuss mit 1,7 Prozent sehr hoch. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen erzielten jeweils zweistellige Milliardenüberschüsse, die höchsten der Bund mit 14,9 Milliarden, am wenigsten die Länder mit 11,1 Milliarden.

Während aus dem Ausland vor allem auf eine Investitionsoffensive des Staates gedrängt wird, plädiert das konservative und unternehmensnahe Lager für Steuersenkungen. Diese gelten zwar bei Ökonomen als weniger konjunkturstimulierend, haben aber nach Ansicht ihrer Befürworter günstige Wirkungen auf das langfristige Wachstum. Aus dem linken und gewerkschaftsnahen Lager werden zusätzlich zu höheren Investitionen auch mehr Sozialausgaben gefordert.

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2 Kommentare zu "Konjunktur: Die deutsche Wirtschaft sendet Notsignale"

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  • @ Frank Krebs

    Und solange die Euro-Südschiene via Target2-Zahlungssystem lustig weiter anschreiben lassen kann (wobei an eine Rückzahlung nie gedacht wird), steht auch weiterhin weltmeisterlichen Exporten in andere EU-Staaten nichts entgegen. Die Deutschen verschenken ihre Arbeitskraft und ihre Produkte ja schließlich gerne.

  • Ich kann dieses Abschwung-Geraune nicht mehr hören. Die deutsche Wirtschaft arbeitet seit Jahren am Produktivitätslimit, da sind ein paar schwächere Quartale durchaus willkommen. Wir haben Vollbeschäftigung und das auf Jahre hinaus. Also, macht die Leute nicht verrückt!