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Konjunktur „Gebt das V nicht auf!“: Industrieaufträge steigen unerwartet stark

Die Auftragsbücher der deutschen Industrie füllen sich nach Ende des Shutdowns in Rekordgeschwindigkeit. Ökonomen halten einen V-Aufschwung für immer realistischer.
06.08.2020 Update: 06.08.2020 - 13:18 Uhr 9 Kommentare
Die Unternehmen bekommen wieder mehr Aufträge. Quelle: dpa
Produktion einer Wasserturbine

Die Unternehmen bekommen wieder mehr Aufträge.

(Foto: dpa)

Wiesbaden „Gebt das V nicht auf!“ Mit diesen Worten kommentierten Volkswirte wie Carsten Brzeski am Donnerstagmorgen die neuen Zahlen zu den Auftragseingängen der Industrie. Der Grund für den Optimismus: Die Auftragsbücher der deutschen Firmen füllen sich nach Ende der harten Corona-Beschränkungen schon wieder in Rekordgeschwindigkeit.

Das Auftragsplus im Juni fiel mit 27,9 Prozent nicht nur so hoch aus wie nie zuvor, sondern nahezu auch dreimal so stark wie von Ökonomen erwartet. „Das war eine äußerst positive Überraschung. Die deutsche Industrie meldet sich eindrucksvoll zurück“, sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Die Hoffnung, dass auf den tiefen Absturz in der Coronakrise eine starke Erholung folgt – die Konjunktur also den Verlauf eines „V“ einnimmt –, ist mit den neuen Zahlen deutlich gewachsen.

Auch die Automobilbranche erholt sich

Zumindest bei den Auftragseingängen hat die Industrie einen großen Teil ihres Einbruchs während der Coronakrise wieder wettgemacht, auch wenn die Bestellungen erst auf 88 Prozent des Vorjahresniveaus liegen. Besonders erfreulich: Der Aufschwung zieht sich quer durch alle Branchen.

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    Besonders eindrucksvoll ist die Erholung der Automobilindustrie, wo die Auftragseingänge im Juni fast 90 Prozent des Vorkrisenniveaus entsprachen. Im April hatte diese Relation nur bei 37 Prozent gelegen.

    Mit Ausnahme des Pharmasektors, der allerdings bisher von der Pandemie kaum betroffen war, haben auch in allen anderen Branchen die Aufträge zumeist kräftig zugelegt. Die größte Nachfrage kam dabei aus dem Inland. Die Aufträge aus Deutschland kletterten im Juni um 35,3 Prozent, die aus dem Ausland um 22,0 Prozent.

    Die Erholung komme damit „einen großen Schritt voran“, betonte das Bundeswirtschaftsministerium. Bereits vor den neuen Zahlen hatten einige Wirtschaftsinstitute wie das Ifo-Institut ihre Prognosen leicht angehoben.

    Das Ifo-Institut etwa rechnet in diesem Jahr nunmehr „nur“ noch mit einem Konjunktureinbruch von fünf Prozent. Noch vor einigen Wochen fielen die Prognosen des Instituts deutlich pessimistischer aus.

    Kurzarbeit geht zurück

    Das Ifo lieferte am Donnerstag zudem ein weiteres Indiz, dass es mit der Konjunktur aufwärtsgehen könnte: So ist die Zahl der Kurzarbeiter nach den Berechnungen des Instituts im Juli auf 5,6 Millionen Menschen gesunken. Im Juni waren es noch 6,7 Millionen, im Mai 7,3 Millionen.

    Das Institut warnt allerdings vor überbordendem Optimismus. „Der Rückgang hat sich insgesamt beschleunigt, aber in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu“, sagt Ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link.

    Zudem könnte in der zweiten Jahreshälfte auch eine Insolvenzwelle drohen, viele der staatlichen Hilfsprogramme für Firmen laufen dann aus. Bereits im Juli waren dreimal so viele Jobs von Unternehmensinsolvenzen betroffen wie im Durchschnitt der ersten Monate dieses Jahres, zeigen neue Zahlen des Wirtschaftsinstituts IWH.

    Industrie galt eigentlich als Sorgenkind

    Doch trotz aller Risiken versprühen Ökonomen derzeit vor allem eines: Zuversicht. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, sagt etwa: „Eigentlich ist der Aufschwung schon da. Wir müssen nur dafür sorgen, dass er nicht durch eine zweite Infektionswelle abgewürgt wird und insgesamt dynamisch ausfällt.“

    Auch laut ING-Volkswirt Brzeski deutet vieles auf eine starke Erholung hin: „Die heutigen Zahlen zu den Auftragseingängen legen nahe, dass die Industrie mit dem Tempo der restlichen Wirtschaft mithalten kann.“

    Das ist nicht nur wegen der hohen Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes für die deutsche Wirtschaft entscheidend, sondern vor allem auch überraschend.

    Denn die Industrie galt vor der Coronakrise eigentlich als Sorgenkind der deutschen Wirtschaft. 

    Während andere Sektoren und auch der private Konsum sich robust zeigten, schwächelte die Industrie in den vergangenen zwei Jahren.

    Am Freitag wird man noch mehr darüber wissen, wie stark die Erholung im verarbeitenden Gewerbe tatsächlich ausfällt: Dann gibt es neue Zahlen zur Industrieproduktion.

    Mehr: Finanzminister Olaf Scholz will die befristete Mehrwertsteuersenkung nicht verlängern. Doch Ökonomen glauben, dass dem Staat kaum eine andere Wahl bleiben könnte.

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    9 Kommentare zu "Konjunktur: „Gebt das V nicht auf!“: Industrieaufträge steigen unerwartet stark"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Josef Berchtold

      China hat durchaus ein gewaltiges Problem: es ist nicht autark wie die USA und z.B. auch Russland - und es muss > 1,3 Milliarden Menschen ernähren. Das geht schon heute nur mit sogenanntem "Land Grabbing": die Chinesen kaufen korrupten Regierungen vorzugsweise in Entwicklungsländern Nutzland im großen Stil ab.
      Dann gefällt das "chinesische Modell" auch immer weniger seinen direkten Nachbarn in Asien. Die sehen den chinesischen Expansionsdrang mit zunehmendem Argwohn.
      Letztendlich, Herr Berchtold, wird es aber irgendwann zwangsläufig zu einem "Showdown" zwischen den USA und China kommen. Und wer wird daraus am wahrscheinlichsten als Sieger hervorgehen?
      "Wie schon erklärt, sind Staaten aggressive Institutionen, da sie die mit einer Aggression verbundenen Kosten auf dritte, nämlich die Steuerzahler abwälzen können. Staaten sehen es naturgemäß nicht gerne, wenn produktive Leute weglaufen, und versuchen sie einzufangen, indem sie ihr Territorium erweitern. Je größer die Zahl produktiver Personen ist, die man kontrolliert, umso besser sind die Inhaber des Staates dran. In diesem expansiven Drang geraten sie in Konflikt mit anderen Staaten. Aber auf jedem Territorium kann es nur EINEN Monopolisten der ultimativen Rechtsprechung geben. Der Wettbewerb zwischen verschiedenen Staaten eliminiert. Entweder gewinnt A und kontrolliert das Territorium oder B gewinnt. Wer gewinnt? Jedenfalls langfristig gewinnt derjenige Staat, (...) der parasitär von einer vergleichsweise wohlhabenderen produktiven Wirtschaft zehren kann. Das bedeutet unter ansonsten gleichen Bedingungen, dass intern "liberale" Staaten - im klassischen Sinn von liberal - dazu tendieren, illiberale, unterdrückerische Staaten zu besiegen." (Hans-Hermann Hoppe, Der Wettbewerb der Gauner, Berlin 2012, S. 46)
      Aus genau diesem Grunde war auch die Sowjetunion (bzw. der Ostblock) den USA letztendlich unterlegen.

    • @Peter Michael
      Ohne Staat wäre die Lufthansa am Boden, flügellahm und die Konkurs-Geier würde schon die Eingeweide fressen. Lufthansa wäre es so gegangen wie der Bank Lehman Brothers in New York -- die Beschäftigen hätten schon vor Wochen ihre persönlichen Sachen vom Arbeitsplatz genommen und wären für immer raus aus der Lufthansa. Wären Sie dort beschäftigt gewesen, stünde ihr Firmen-Schreib-Tisch-Bonsai nun schon an ihrem Küchenfenster, innen natürlich.

    • @Helmut Metz
      Die private Wirtschaft in Europa hat keine Chance gegen das gegenwärtige Wirtschafts-Modell in China. Der chin. Staat stützt so lange chin. Firmen, bis sie Weltmarktführer sind. Ihr Ludwig Erhard kann einpacken und sich seine Zigarre sonstwohin stecken. Wieso haben wir denn keine deutsche Firma wie Huawei, wo doch so viel Nachfrage da ist, nach dieser Technik? Wo bleiben denn die heilenden Markt-Kräfte? Südkorea hat es schon vorher so ähnlich gemacht wie China heute. Europa ist verhaftet im alten Denken, machen wir besser endlich ein Update, die Wissenschaft gibt es leicht her.

    • @Karsten Ax
      Der Staat rettet mittels Geldschöpfung durch die Notenbank, wie in fast allen anderen Ländern auch. Der Staat rettet Sie nicht mit ihrem Geld. Das Geld aus dem Nichts kann man, wenn es hart kommt, auch ausbuchen. Sollten Politiker eine Rückzahlung fordern und bereits ansatzweise durchführen, dann scheitert das System garantiert. Und der neue Player, China, bringt ohnehin frischen Wind in das überalterte Gedankengut unserer Volkswirte.

    • Man muss ganz einfach fest an Wunder glauben. Etwa, dass sich der Staat zukünftig auf seine Kernaufgaben beschränkt, die er bis jetzt zudem stark vernachlässigt hat, und seinen Interventionismus in den Markt zurückfährt. Oder, dass etwa Steuern dauerhaft gesenkt werden (siehe HB-Kommentar von heute zur Mehrwehrtssteuer). Oder, dass die Zentralbanken zukünftig nicht mehr Geldmenge und Zinssatz manipulieren. Dass insbesondere die staatsgläubigen Deutschen mehr dem Markt vertrauen und weniger dem Staat - denn was hat ein Markt jemals zerstört, aber wieviel dagegen der Staat?
      Auch wenn es dieses Mal ein riesengroßes Wunder sein muss, aber Wunder gibt es eben doch immer wieder. Ich selbst habe kürzlich noch ein Wunder gehört und gesehen:
      https://www.youtube.com/watch?v=o6rBK0BqL2w
      Ludwig van hat es im Musikhimmel vollständig die Sprache verschlagen, und das ist besonders betrüblich, da er bereits taub war. Sein Kollege Johann Sebastian ist aber extra vom Himmel herabgestiegen und hat geschrieben, dass es komplett unmöglich ist - technisch, motorisch und überhaupt - dieses Ding von Ludwig van so und dann auch noch mit diesem Instrument zu spielen.
      Also gibt es auch heute noch Wunder.
      Der Markt ist zum Glück auch nur ganz, ganz schwer totzukriegen. Selbst im härtesten Kommunismus gab es eine Schattenwirtschaft, durch die noch weitaus schlimmeres Elend verhindert wurde. Und ich bin mir hundertprozentig sicher, dass wir ein Wirtschaftwunder a la Ludwig Erhard sehen werden, wenn die Menschen wieder weitaus mehr von ihrem Einkommen für sich selbst behalten dürfen - und weniger an den Staat abgeben müssen.

    • @Faust

      wenn der Staat (genauer, die sozialistische Bürokraten-EU) den Unternehmen nicht durch immer neue Regeln künstlich absurd hohe Kosten verursachen würde und die Steuer so niedrig wären, wie in anderen EU-Staaten, bräuchte sich der Staat hier nicht als Retter aufzuspielen.

      Der Staat rettet uns mit unserem eigenen Geld.

    • oh wenn ich die Markt Liberalen Kommentatoren da wieder lese (siehe unten)...ohne Staat wäre nichts mehr da....und wenn die zweite Welle kommt, wird das mit dem V sehr schwierig...außerdem wem nutzt dieser Wachstumswahn wirklich...der Mehrheit auf jeden Fall nicht.

    • Interessant wäre zu wissen, wieviel aus China kam. Dort hat die Zentral-Gewalt vermutlich die Parole ausgegeben, zu investieren. Dazu benötigt man in China zum Produzieren noch immer auch etwas aus Europa. In China tut man sich leicht, denn die finanzielle Liquidität ist gesichert, wenn man investiert, die Geldmaschine läuft rund. Bei uns laufen die Crash-Propheten durchs Dorf und rufen Vorsicht, was fatal für Investitionen ist. Außerdem, wer als Firma überleben will, muss investieren, wir haben schließlich dieses Modell, dass ohne Investitionen und Wachstum das System scheitern würde und man damit höchstselbt mitscheitert. Somit muss man, schon wegen des eigenen Überlebens, scharf rechnen und mutig investieren. Dann mal los.

    • Wenn sich Politik aus Wirtschaft heraushält, dann geht es auch voran.
      Nur - wer versteht aus unserem politischen Spitzenpersonal was von Wirtschaft?
      Selbst die Prognosen der sog. Weisen und Experten der Politik gehen so weit von der Wirklichkeit weg, dass man auch gleich eine Glaskugel fragen kann.

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