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Konjunktur Handelskonflikte bremsen deutsche Exportfirmen aus – Besserung nicht in Sicht

Erstmals seit 2015 rechnen mehr deutsche Exportfirmen mit schlechteren Geschäften, zeigt eine DIHK-Umfrage. Besonders eine Branche ist stark betroffen.
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Der DIHK hat die Prognose für das deutsche Exportwachstum von 2,5 Prozent auf ein Prozent gesenkt. Quelle: dpa
Containerschiff im Hamburger Hafen

Der DIHK hat die Prognose für das deutsche Exportwachstum von 2,5 Prozent auf ein Prozent gesenkt.

(Foto: dpa)

Berlin Die weltweiten Handelskonflikte schlagen inzwischen auf die Geschäfte deutscher Firmen im Ausland durch – und das weltweit. „Viele Unternehmen sind durch den Handelsstreit verunsichert“, sagte DIHK-Außenhandelsexperte Volker Treier. In einer weltweiten Umfrage der Außenhandelskammern sagten zum Beispiel aus der Automobilbranche 51 Prozent, sie wollten in den nächsten zwölf Monaten in China weniger investieren als zuvor. „Das ist ein Schlag ins Kontor“, sagte Treier.

In der Umfrage, an der sich 4500 Unternehmen mit Standorten im Ausland beteiligten, erwarteten erstmals seit 2015 mehr Firmen schlechtere als bessere Geschäfte im Vergleich zum Vorjahr. Vor einem Jahr waren es 30 Prozent mehr gewesen, die bessere statt schlechtere Geschäfte erwartet hatten. Handelskonflikte nannten viele Firmen als Investitionsbremse – ohne Aussicht auf Besserung: „Stand heute sind wir sehr weit von einer Lösung entfernt“, sagte Treier.

Die Zugeständnisse von US-Präsident Donald Trump beim G20-Gipfel in Osaka am letzten Wochenende bewertete Treier zwar positiv. Es sei gut, wenn es wieder Gespräche zwischen den USA und China gebe.

Nur: Ob die neuen Verhandlungen ein Ergebnis haben würden, sei sehr fraglich. Dass der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer am Montag im langjährigen Subventionsstreit über Airbus und Boeing mit neuen Zöllen auf europäische Güter gedroht hat: Das sei „ein weiterer kleiner Rückschlag“.

Auf der neuen Strafzoll-Liste für Europa stehen unter anderem Oliven, italienischer Käse und schottischer Whisky. Zudem stehe weiterhin die Drohung Trumps im Raum, Autoimporte aus Gründen der nationalen Sicherheit mit Zöllen zu belegen. „Das trifft die Produzenten weltweit“, so Treier.

Unklar sei auch, wie deutsche Firmen in Mexiko für ihre Produktion in den USA künftig behandelt würden: Noch gelte das alte Freihandelsabkommen Nafta. Das Nachfolgeabkommen sei schlechter – und noch immer sei unklar, ob es die USA ratifizieren würden. „Das ist nicht vertrauensfördernd“, sagte Treier.

Derzeit grassieren Unsicherheiten über das, was künftig die Regeln des Handels weltweit sein werden. Viele Firmen würden abwarten, Investitionen zurückfahren und weniger Leute einstellen – sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Der DIHK hat deswegen seine Prognose für das deutsche Exportwachstum von 2,5 Prozent auf ein Prozent gesenkt. Der langjährige Durchschnitt liege bei über fünf Prozent, sagte Treier.

Der DIHK senkt zwar seine Konjunkturprognose von 0,6 Prozent Wachstum für dieses Jahr nicht. „Die Binnenkonjunktur läuft noch sehr stabil“, sagte Treier. „Es ist mir aber ein Rätsel, woher die Konjunkturforscher ihren Optimismus für 2020 nehmen“, sagte er. „Wenn das Muster weiterhin stimmt, dass für die deutsche Wirtschaft längerfristig Impulse aus dem Ausland kommen müssen, dann wird es 2020 eher schwierig“, sagte er.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in ihren Sommerprognosen durchweg für nächstes Jahr ein stärkeres Wachstum als in diesem Jahr vorhergesagt. Während sie 2019 eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,3 und 1,0 Prozent erwarten, sind es für 2020 1,0 bis 1,7 Prozent.

Verzögerte Auswirkungen

Der DIHK ist auch bei seinen Erwartungen an das Wachstum der Weltwirtschaft und des Welthandels etwas pessimistischer als der Internationale Währungsfonds. Die Unsicherheit schlage erst jetzt bis zu den Unternehmen durch, begründete Treier.

Ein zusätzliches Indiz für eine wohl anhaltende Schwäche gab an diesem Dienstag auch der Maschinenbauverband VDMA. Er verzeichnete im Mai erneut Rückgänge beim Auftragseingang um sieben Prozent. Die Produktion werde in diesem Jahr um zwei Prozent zurückgehen, erwartet die wichtige Exportbranche. In den ersten vier Monaten habe die Produktion bereits stagniert.

Als einzigen Lichtblick sieht Treier die EU-Freihandelspolitik: Dass es am Wochenende die Einigungen auf Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay sowie mit Vietnam gab, „macht Mut“, sagte er. Überhaupt sei die EU-Begeisterung der Unternehmen in jüngster Zeit gewachsen: In Handelsfragen kämpfe die EU-Kommission zuverlässig gegen Protektionismus.

Dass es nach Wahlen die personelle Neuaufstellung eine Zeit lang dauere, sieht Treier nicht als Problem. „Das ist der ganz normale demokratische Prozess“, sagte er.

Mehr: Die Autobranche freut sich über das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten.

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