Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konjunktur Ifo-Index: Unternehmen blicken pessimistisch in ihre Zukunft

Das Geschäftsklima trübt sich ein. Die Wirtschaft ist in eine wachsende Industrie und leidende Dienstleister gespalten, vermeldet auch Deutschlands wichtigster Frühindikator.
24.11.2020 Update: 24.11.2020 - 11:21 Uhr 1 Kommentar
Den starken Wiederaufschwung der Industrie konnte die zweite Pandemiewelle bislang nicht bremsen. Quelle: dpa
Ein Arbeiter baut ein Getriebe zusammen

Den starken Wiederaufschwung der Industrie konnte die zweite Pandemiewelle bislang nicht bremsen.

(Foto: dpa)

Berlin Die zweite Corona-Welle hat die wirtschaftliche Erholung des Sommers vorerst beendet. Darauf weist der Ifo-Geschäftsklimaindex hin. Deutschlands wichtigster Frühindikator ist im November auf 90,7 Punkte gefallen, zum zweiten Mal in Folge. Im Oktober hatte er 92,5 Punkte betragen. 

Eine zweite tiefe Rezession droht aber offenbar nicht: Der Ifo-Index notiert damit noch weit entfernt vom April-Wert, der nur 75,4 Punkte betrug. 

In der monatlichen Umfrage unter 9000 Unternehmenschefs trübten sich vor allem die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate angesichts des erneuten Lockdowns ein, während die Lage nur leicht schlechter beurteilt wurde. „Die Stimmung hat sich verschlechtert“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. 

Ein Lichtblick ist allerdings die Industrie. Im verarbeitenden Gewerbe beurteilten die Firmen ihre aktuelle Lage besser und verzeichneten auch mehr Aufträge. Sie fürchten aber offenbar, dass der „Lockdown light“ sie im nächsten halben Jahr doch noch treffen wird.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Bei den Dienstleistern wiederum ist der Index regelrecht eingebrochen. Er liegt erstmals wieder im negativen Bereich. Die Firmen dieses Sektors blicken ebenfalls skeptisch in die Zukunft.

    Eine deutlich gespaltene Konjunkturentwicklung zwischen Industrie und Dienstleistern hatten auch die am Montag veröffentlichten Einkaufsmanager-Umfragen des britischen IHS-Markit-Instituts gezeigt. Demnach hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager im gesamten Euro-Raum deutlich eingetrübt: Der Frühindikator liegt jetzt mit 45,1 Punkten unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Für Deutschland aber zeigte dieser Index mit 52 Punkten weiterhin Wachstum an, wenn auch ein schwächeres als im Oktober.

    Die Industrie blieb in der IHS-Umfrage mit 62,7 Punkten klar auf Wachstumskurs: Sie profitiert vor allem von der Steigerung der Exporte nach Asien. Auch mit Blick auf den Ifo-Index hatten Börsenanalysten einen stärkeren Einbruch erwartet.

    Unternehmen vor einem schwierigen Winter

    „Das Ifo-Geschäftsklima zeigt, dass den deutschen Unternehmen ein schwieriger Winter bevorsteht“, sagte KfW-Chefökonom Fritzi Köhler-Geib. Nach ihren Analysen haben viele Unternehmen zumindest langfristig, auf ein Jahr gesehen, Hoffnungen auf Impfungen und eine dann dauerhafte Erholung der Geschäfte. 

    In der Industrie zeigte die Corona-Konjunktur bis in den Oktober hinein einen V-förmigen Verlauf: Auf den drastischen Einbruch im März und April folgte ab Mai ein steiler Wiederaufschwung, den bisher die zweite Infektionswelle kaum gebremst hat.

    In Deutschland sei es gelungen, dass der Freizeit-Lockdown bisher weitgehend auf die geschlossenen Branchen Gastronomie, Hotels, Veranstaltungen und Kunst beschränkt blieb, sagte der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld. Diese Branchen zeigten sich auch in der Ifo-Umfrage am pessimistischsten.

    Die aktuell geschlossenen Branchen stehen für vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Unklar ist allerdings, wie stark sich die Schließung von Restaurants und Cafés auf das Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels in den Innenstädten auswirken wird. Der Einzelhandelsverband HDE verzeichnet seit Mitte Oktober wieder deutliche Umsatzrückgänge im stationären Handel – während der Online-Handel boomt. In der Ifo-Umfrage berichteten insbesondere die Einzelhändler von deutlich weniger gut laufenden Geschäften. 


    Grafik


    Die Wirtschaftsweisen gehen in ihrem Jahresgutachten vom 11. November davon aus, dass 2020 die Wirtschaftsleistung um 5,1 Prozent schrumpfen und im nächsten Jahr um 3,7 Prozent wachsen wird. In die Berechnungen wurde ein Freizeit-Lockdown für die Wintermonate bereits einbezogen.

    In diesem Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Jahr um 1,9 Prozent geschrumpft. Im zweiten Quartal brach es als Folge des April-Lockdowns um historische 9,8 Prozent ein. Das dritte Quartal zeigte mit einem Plus von 8,5 Prozent einen kräftigen Wiederaufschwung. Er wurde im Sommer vor allem vom Konsum getragen. Allerdings lag das BIP damit noch 4,0 Prozent unter dem Niveau des letzten Quartals 2019, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag meldete.

    Für das vierte Quartal erwarten die eher optimistischen Konjunkturbeobachter Stagnation: Die Industrie könnte den Rückgang bei den Dienstleistern auffangen. Eher pessimistische Experten wie Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwarten dagegen ein Quartalsminus von einem Prozent. Feld wiederum rechnet eher damit, dass im Winter das schwierigere Quartal das erste des Jahres 2021 werden wird: Das Weihnachtsgeschäft ist dann vorbei, die Mehrwertsteuersenkung endet ebenfalls.

    Impfungen ändern alles

    Im Gesamtjahr 2021 könnte die Wirtschaft allerdings auch weitaus kräftiger wachsen – wenn es gelingt, möglichst viele Menschen sehr schnell zu impfen. „Ein Impfstoff ändert alles“, sagte etwa Gabriel Felbermayr, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Er könnte die Pandemie beenden.

    Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet dann mit einem starken Konsumaufschwung: Die Privathaushalte würden noch immer sehr stark sparen und hätten bereits im Frühjahr und Sommer 70 Milliarden Euro mehr zurückgelegt als im Vorjahr. „Dieses Geld könnte nach einem Ende der akuten Coronakrise in den Konsum fließen und die Erholung 2021 stützen“, sagte Dullien.

    Die Aussichten auf wirksame Impfungen zeigten denn auch in der IHS-Markit-Umfrage bereits eine belebende Wirkung: Ihre Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist beurteilten die Einkäufer so positiv wie zuletzt im März 2018. Das Ifo fragt demgegenüber nach den Aussichten für das nächste Halbjahr.


    Das Wirtschaftsgeschehen ist in diesem Jahr jedenfalls von hoher Unsicherheit geprägt. Und Unsicherheit führt immer dazu, dass Unternehmen Investitionen aufschieben oder ganz streichen.

    Wegen Corona fällt es den vom Ifo befragten Unternehmen schwer, die Entwicklung ihrer Geschäfte vorherzusagen. Auf einer Skala von null bis 100 betrug der Wert im Oktober 64,3. „Das ist niedriger als im April mit dem Corona-Höhepunkt von 73,8, aber noch deutlich höher als im Februar, als die Ifo-Geschäftsunsicherheit bei 55 lag“, sagte der Leiter der Befragungen, Klaus Wohlrabe.

    Mehr: Wirtschaft fordert mehr Hilfe bei verlängertem Lockdown.

    Startseite
    Mehr zu: Konjunktur - Ifo-Index: Unternehmen blicken pessimistisch in ihre Zukunft
    1 Kommentar zu "Konjunktur: Ifo-Index: Unternehmen blicken pessimistisch in ihre Zukunft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Was soll jedes Jahr und jetzt schon unterjährig das Beziehen auf den Ifo-Index?

      Die Prognosen haben noch nie gestimmt - Marktwirtschaft funktioniert nicht auf Planung sondern beruht auf das Nutzen von Geschäftschancen.
      Aber wir arbeiten ja an der staatlichen Planwirtschaft.
      Nur - schon in der ehemaligen DDR hat es mit den 5-Jahres-Plänen schon nicht geklappt.

      Politik und Wirtschaft - ein Gegensatz. Das klappt nur in China - aber da funktioniert es mit der persönlichen Freiheit und Menschenrechte nicht so.

      Die Frage ist - was wollen wir?

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%