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Konjunktur Ökonomen fürchten, dass Coronavirus die Industrie-Rezession in Deutschland verlängern könnte

Mit der Ausbreitung des Coronavirus in Norditalien wechselt auch Deutschlands Wirtschaft in den Sorgenmodus. Drei Schlüsselbranchen sind betroffen.
25.02.2020 - 15:30 Uhr Kommentieren
Das Coronavirus könnte die Konjunktur weiter lähmen. Quelle: dpa
Container im Hamburger Hafen

Das Coronavirus könnte die Konjunktur weiter lähmen.

(Foto: dpa)

Berlin Der Industrieverband BDI ruft angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Italien bereits die Bundesregierung um Hilfe. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang verlangt von der Regierung ein koordiniertes wirtschaftspolitisches Vorgehen: „Neben dem Gesundheitsschutz muss die Politik ab sofort das wirtschaftliche Krisenmanagement in den Fokus nehmen“, forderte Lang. Weil weder Ausmaß und Dauer der Corona-Krise absehbar seien, drohten für die Konjunktur „schwere Auswirkungen“.

Das Bundeswirtschaftsministerium hält die Auswirkungen nach Aussagen eines Sprechers zwar noch für beherrschbar – bisher jedenfalls. Die Chefvolkswirte der Banken erwarten jedoch bereits, dass das Virus die Industrierezession in Deutschland um einige Monate verlängern dürfte. Turkey

Die Wirtschaftsforschungsinstitute wiederum versehen ihre noch überwiegend positiven Frühindikatoren mit Warnhinweisen. So stieg zwar am Montag der ifo-Geschäftsklimaindex wider Erwarten an. Doch Ifo-Präsident Clemens Fuest wählte bereits die vorsichtige Formulierung: „Die Wirtschaft scheint von der Entwicklung um das Corona-Virus unbeeindruckt.“

Dass sie es nicht wirklich ist, zeigten die am Dienstag veröffentlichten Ifo-Exporterwartungen: Danach wird die Industrie wohl nicht so schnell wie zur Jahreswende erwartet aus ihrer Rezession finden: Die Erwartungen waren unterm Strich wieder negativ, nachdem sie die letzten beiden Monate gestiegen waren. Die drei deutschen Schlüsselbranchen Auto, Chemie und Maschinenbau befürchten nun wieder einen Rückgang ihrer Exporte, nachdem ihre Zuversicht zuletzt gestiegen war.

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    Dass der deutschen Wirtschaft eine Ansteckung direkt aus China droht, legte am Dienstag auch das China Economic Panel von ZEW und der Fudan Universität Shanghai nahe, das die Erwartungen internationale Finanzmarktexperten für China misst: 2020 erwarten sie für China nur noch ein Wirtschaftswachstum von 5,4 Prozent. Dahinter stehe aber die Erwartung, dass die Corona-Krise im ersten Quartal überwunden werde. Für das laufende Quartal erwarteten sie nur ein Plus von 4,4 Prozent. Diese Zahlen sind weit entfernt von den sechs Prozent Wachstum, auf das Chinas Regierung für 2020 setzt.

    EU-Länder müssen mit Exporteinbußen rechnen

    Unter Ökonomen gilt die Daumenregel, dass sich das Wachstum in Deutschland um 0,1 Prozentpunkte verringert, wenn es in China um einen Prozentpunkt schrumpft. Gabriel Felbermayr, Präsident des IfW-Kiel, wies aber darauf hin, dass durch die global vernetzten Wertschöpfungsketten auch Länder wie Japan, Korea und Taiwan stark an Dynamik verlieren werden, wenn China schwächelt.

    Und: In der EU müssen alle großen Mitgliedsländer mit Exporteinbußen rechnen. Zudem trifft das Virus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien in einer Phase eines ohnehin abgekühlten Wachstums.

    Am vergangenen Wochenende warnte Felbermayr deshalb im Handelsblatt: „Uns droht ein Lehman-Moment“. Also eine Kettenreaktion, in der die Exportschwächen sich ausgehend von Chinas Wachstumseinbruch gegenseitig verstärken könnten. „Auch das Exportland Deutschland wird damit klarkommen müssen, dass stabile Lieferketten keine Selbstverständlichkeit mehr sind“, warnte er.

    Deka-Bank-Experte Andreas Scheuer sagte am Dienstag, die deutsche Wirtschaft sei bereits infiziert mit dem Coronavirus, doch sei die Krankheit noch nicht ausgebrochen: „Viele Containerschiffe, die wegen Corona in China nicht losfahren konnten, wären derzeit noch auf hoher See“, sagte er.

    Der regelmäßig vom RWI-Essen erhobene Containerumschlagsindex zeigte wohl auch deshalb noch einen Anstieg für Januar. Aber viele umschlagsstarke asiatische Häfen hätten noch keine Daten veröffentlicht, so RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. Er rechnet daher mit „größeren Revisionen“ dieses Indexes.

    Schwächeres Wachstum erwartet

    Die Zeichen stehen daher auf deutlich schwächeres Wachstum in Deutschland. Zum Jahreswechsel, vor dem Coronavirus, rechneten die Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland für dieses Jahr mit Wachstumsraten zwischen 0,8 und 1,2 Prozent – wovon wegen der wenigen Feiertage jeweils 0,4 Punkte abgezogen werden müssen: Auch ohne das Virus waren damit für Deutschland nur knapp über Stagnation liegende Wachstumsraten erwartet worden. 2019 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent gewachsen, und damit so schwach wie seit 2013 nicht mehr.

    Coronavirus: „Keinesfalls panisch werden und alles verkaufen”

    Wenn die Industrierezession nun länger dauert und tiefer wird, wächst auch die Gefahr, dass sie auch die Binnenwirtschaft ansteckt. Sie behauptet sich bisher gut. So rechnet etwa die Bauindustrie nach einem Umsatzwachstum von sieben Prozent im letzten Jahr mit einem nominalen Wachstum von 5,5 Prozent. Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, erwartet, dass seine Branche in diesem Jahr zusätzlich 15.000 Menschen einstellen und dann 885.000 Beschäftigte haben wird.

    Mehr: Die Schadensbilanz von Corona an den Märkten. Die Aktienmärkte sind durch die Ausbreitung des Coronavirus in Italien zurück im Krisenmodus. Bei anderen Anlageklassen zeigen sich die Spuren ebenfalls.

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