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Konjunktur „Schneller und breiter Aufschwung“: Minister Altmaier sendet positive Signale

Mit 5,8 Prozent werde die Wirtschaft weniger stark schrumpfen als zuvor befürchtet – so die Prognose des Wirtschaftsministers. Der Rückgang falle nur etwas stärker aus als nach der Finanzkrise.
01.09.2020 Update: 01.09.2020 - 13:05 Uhr Kommentieren
Der Bundeswirtschaftsminister zeigt, dass der Aufschwung V-förmig verläuft. Quelle: dpa
Peter Altmaier

Der Bundeswirtschaftsminister zeigt, dass der Aufschwung V-förmig verläuft.

(Foto: dpa)

Berlin Die Corona-Rezession wird in diesem Jahr offenbar weniger stark ausfallen, als die Bundesregierung und fast alle Konjunkturforscher zunächst erwartet hatten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eröffnete seine Pressekonferenz zur neuen Interimsprognose der Bundesregierung mit „guten Nachrichten“. Denn: „Der Aufschwung hat schneller und breiter eingesetzt, als wir es zu hoffen gewagt haben“, sagte er am Dienstag.

Zwar ist und bleibt der Einbruch im zweiten Quartal mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von minus 9,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal das tiefste jemals in der Nachkriegszeit gemessene Minus. Aber auf das Jahr betrachtet werde – dem Wiederaufschwung sei Dank – es nurmehr 5,8 Prozent betragen. Die alte Regierungsprognose war noch von einem BIP-Verlust von 6,3 Prozent ausgegangen.

Als Ursache für den im internationalen Vergleich glimpflichen Verlauf der Wirtschaftskrise nannte Altmaier den guten Zusammenhalt innerhalb der Bundesregierung, aber auch zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: Das pragmatische Vorgehen habe Schlimmeres verhindert, sagte er und schloss aus, dass es – trotz noch immer hoher Infektionszahlen – zu einem zweiten Lockdown in Deutschland kommen werde. Voraussetzung sei allerdings, dass die Hygieneregeln beachtet würden.

Ökonomen beurteilten die Regierungsprognose unterschiedlich. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, sagte, er halte „eine Anpassung der Prognose nach oben noch für zu früh“. Zwar zeigten verschiedene Frühindikatoren eine bessere Entwicklung an als im Juni erwartet.

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    „Aber die Unsicherheit vor allem in der Außenwirtschaft ist doch sehr hoch“, meinte er. Der Sachverständigenrat-Wirtschaft liege mit seiner Prognose aus dem Juni genau auf der Schätzung des Statistischen Bundsamts für das zweite Quartal. „Somit sehe ich derzeit noch keinen Grund, von dieser Prognose abzuweichen“, sagte er.

    Altmaier: „Rechnen im weiteren Verlauf des Jahres mit einer anhaltenden Erholung“

    Der Außenhandelsexperte Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) unterstützt dagegen die optimistische Korrektur der Bundesregierung. Die pessimistischere Prognose etwa der Forschungsinstitute stamme noch aus dem Juni.

    Die Regierung könne sich jetzt auf die harten Daten des zweiten Quartals stützen. „Im Großen und Ganzen entspricht die amtliche Prognose der Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft“, sagte er. „Der aufs Jahr gerechnete Einbruch im Jahr 2020 dürfte in der Tat etwas kleiner ausfallen.“

    Der Aufschwung verläuft V-förmig

    Nach der Finanzkrise war die deutsche Wirtschaftsleistung um 5,7 Prozent eingebrochen, also ähnlich stark wie voraussichtlich 2020. Altmaier legte sich sogar darauf fest, dass die Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr nicht schlechter als mit minus 5,8 Prozent enden werde. Er persönlich rechne eher mit einem um 0,2 Prozent besseren Ergebnis.

    „Wir sehen nach einem leider starken Einbruch einen unerwartet schnellen Wiederaufschwung“, sagte Altmaier, und sprach von einer V-förmigen Erholung. Weil ein größerer Teil des Wiederaufschwungs bereits im zweiten Halbjahr 2020 zu erwarten sei, korrigierte die Bundesregierung ihre Prognose für 2021 nach unten: Das BIP werde dann um 4,4 Prozent zulegen – statt um 5,2 Prozent, wie in der alten Regierungsprognose.

    Felbermayr hält auch diese Annahme für plausibel. Denn zum einen sei der deutsche Binnenkonsum etwas stabiler, zum anderen belaste der schwache Export die Konjunkturentwicklung im kommenden Jahr stärker die Wirtschaft.

    Rückenwind für die optimistische Sicht des Bundeswirtschaftsministers brachten am Dienstag auch neue Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit: Danach nimmt die Kurzarbeit bereits stark ab, das Bundeswirtschaftsministerium rechnet inzwischen im Jahresdurchschnitt 2020 nunmehr mit 2,5 Millionen Kurzarbeitern.

    Es habe sich gezeigt, dass die ersten Schätzungen zur Kurzarbeit mit teilweise zehn Millionen viel zu hoch waren. Auch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit sei bisher angesichts des Einbruchs erstaunlich wenig dramatisch. Positiv sei auch, dass erstmals seit Krisenbeginn die Zahl der Erwerbstätigen wieder steige.

    Grafik

    Hoffnung auf rasche Erholung der Wirtschaft hatte vergangene Woche auch das Ifo-Geschäftsklima gemacht, das seit Mai steigt und seit Juli klar Aufschwung signalisiert. Auch der Einkaufsmanagerindex des IHS-Markit-Instituts für die Industrie verzeichnet im August sowohl für Deutschland als auch für die Euro-Zone moderates Wachstum.

    Das seien „ermutigende Hinweise, dass die Produktion im dritten Quartal wieder kräftig hochgefahren werden dürfte“, sagte IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson. Nach dem starken Einbruch dauert es allerdings, bis das BIP wieder Vor-Corona-Höhen erreichen wird. Auch Altmaier erwartet dies erst für das Jahr 2022.

    Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist die Prognose dagegen ein Beleg dafür, wie wichtig massives Gegensteuern gegen den Abschwung weiter ist. „Jetzt muss die öffentliche Hand den Investitionsturbo starten, um die Konjunktur zu stabilisieren“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell dem Handelsblatt.

    Debatten, wann die Schuldengrenze wieder greifen sollte, seien vollkommen fehl am Platz, warnte der Gewerkschafter. „Die Konjunktur darf nicht durch eine vorschnelle Rückkehr zu einer restriktiven Haushaltspolitik der öffentlichen Hand gefährdet werden. Investitionsturbo statt Schuldenbremse, darauf kommt es jetzt an.“

    Mehr: Auch wenn sich die Wirtschaft vom Tiefpunkt der Corona-Rezession erholt, ist es für Entwarnung viel zu früh, meint Jens Südekum.

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