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Konjunkturpaket Kleine Forschungsinstitute sehen sich benachteiligt – und fürchten um ihre Existenz

Die Bundesregierung will eine Milliarde Euro investieren, um erfolgversprechende Forschungsprojekte in der Coronakrise zu stützen. Doch kleine Institute gehen leer aus.
11.06.2020 - 14:59 Uhr Kommentieren
Die Bundesregierung sagt Forschern Unterstützung in der Coronakrise zu. Aber nicht alle profitieren gleichermaßen. Quelle: obs
Labor

Die Bundesregierung sagt Forschern Unterstützung in der Coronakrise zu. Aber nicht alle profitieren gleichermaßen.

(Foto: obs)

Berlin Sebastian Nendel ist alarmiert: „Ohne eine Aufstockung bewährter Programme für den Mittelstand ist hier in wenigen Monaten der Ofen aus“, warnt der Geschäftsführende Direktor von Cetex. Das Chemnitzer Institut entwickelt und fertigt neue Technologien und Maschinen zur Herstellung von technischen Textilien und Verbundwerkstoffen – vor allem für kleine und mittlere Unternehmen.

Doch die Coronakrise setzt Cetex und andere kleinere Forschungsinstitute, die ohne staatliche Grundfinanzierung auskommen müssen, erheblich unter Druck. Sie erhalten zwar zeitlich befristet und projektgebunden Fördermittel vom Bund – etwa über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) oder das Programm INNO-KOM zur Forschungsförderung in strukturschwachen Regionen, aber die Mittel sind begrenzt. Was noch schwerer wiegt: Die Förderung setzt eine Kofinanzierung durch die Institute selbst voraus, die sie etwa durch Auftragsforschung, Prüfdienstleistungen oder Schul- und Weiterbildungsmaßnahmen erwirtschaften.

„Wir müssen bei unseren Forschungsprojekten rund 1,5 Millionen Euro Eigenanteil pro Jahr aufbringen“, sagt Cetex-Direktor Nendel. „Das ist bei 4,5 Millionen Euro Gesamtumsatz eine ordentliche Hausnummer.“

Industrieaufträge, mit denen sich die Kofinanzierung stemmen ließe, bleiben angesichts der Coronakrise weitgehend aus, auch Schulungen finden kaum statt. 76 in der Zuse-Gemeinschaft zusammengeschlossene Forschungsinstitute haben sich deshalb in einem Brief an Abgeordnete der Regierungsfraktionen gewandt.

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    Sie beklagen eine Schieflage im geplanten Konjunkturpaket. Denn unter Punkt 33 will die Regierung zwar die Mitfinanzierungspflichten für Unternehmen reduzieren, die wirtschaftlich durch die Krise besonders betroffen sind. Über eine Ersatzfinanzierung soll sichergestellt werden, dass anwendungsorientierte Forschungsarbeiten nicht abgebrochen werden müssen. Entsprechende Fonds will die schwarz-rote Koalition mit bis zu einer Milliarde Euro ausstatten.

    Förderung nur für Fraunhofer, Helmholtz und Co.

    Der Haken: Von dieser Lösung sollen nur die großen außeruniversitären Forschungsorganisationen profitieren – also die Fraunhofer-Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Leibniz-Gemeinschaft. Die kleinen Institute, die schon keine Grundfinanzierung vom Staat bekommen, fühlen sich benachteiligt.

    In ihrem Brief fordern sie, „dass die Zuse-Gemeinschaft mit einem angemessen ausgestatteten Fonds berücksichtigt wird, aus dem erfolgversprechende Projekte eine Ersatzfinanzierung erhalten können“. Bei Cetex etwa wird gerade daran geforscht, wie sich Stahlfasern, die zur Vermeidung von Rissen in Beton verarbeitet werden, durch leichtere Carbonfasern ersetzt werden können.

    Weil gerade mittelständische Unternehmen oft auf die anwendungsorientierte Forschung der kleinen, gemeinnützigen Institute angewiesen sind, stößt das Anliegen der Zuse-Gemeinschaft durchaus auf offene Ohren in der Regierungskoalition: Der Union sei es wichtig, dass die im Konjunkturpaket verabredete Fondslösung mit klaren Bedingungen verbunden werde, sagt der Obmann der Unionsfraktion im Forschungsausschuss, Stefan Kaufmann (CDU).

    „Da es in Punkt 33 des Konjunkturpakets um die Unterstützung der anwendungsorientierten Forschung geht, kann ich mir im Grundsatz gut vorstellen, dass auch Einrichtungen der Zuse-Gemeinschaft von einer Unterstützung der Unternehmen profitieren“, sagt Kaufmann.

    Das Bundesforschungsministerium teilt allerdings auf Anfrage mit, dass die Förderung aus dem Konjunkturpaket sich nur auf die gemeinsam von Bund und Ländern finanzierten außeruniversitären Einrichtungen und auf solche bezieht, die regelmäßig erhebliche Mittel aus der Wirtschaft einwerben. Die gemeinnützigen Institute der Zuse-Gemeinschaft sind damit außen vor.

    Allerdings habe das Bundesministerium für Bildung und Forschung innerhalb kürzester Zeit nach Ausbruch der Coronakrise die Rahmenbedingungen in der Projektförderung erweitert, um der Situation angemessene Verfahren und Liquidität für die Geförderten sicherzustellen, erklärt das von Anja Karliczek (CDU) geführte Ressort. Die Erleichterungen ermöglichten insbesondere eine Laufzeitverlängerung von Vorhaben, einen Mittelabruf im Voraus und die Kostenabrechnung in kürzeren Abständen.

    Der Präsident der Zuse-Gemeinschaft und Leiter des Süddeutschen Kunststoff-Zentrums (SKZ), Martin Bastian, begrüßt diese Verwaltungsvereinfachungen, hält sie allerdings nicht für ausreichend: „Angesichts der massiven Auswirkungen der Coronakrise in der gemeinnützigen Forschung ist mehr nötig, um nachhaltige Schäden für Innovationen aus Deutschland zu vermeiden.“

    Um Nachteile für den Forschungsstandort zu verhindern, müsse zum einen die Projektförderung des Bundes spürbar aufgestockt werden. Dabei geht es um ZIM, INNO-KOM oder auch die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) – alles Programme, die vom Bundeswirtschaftsministerium aufgelegt wurden.

    Zum anderen sei eine Ersatzfinanzierung für gefährdete erfolgversprechende Projekte notwendig, wie sie auch die großen Forschungsorganisationen erhalten sollen, betont Bastian.

    Mehr: Corona-Impfstoff – Das sind die vielversprechendsten Projekte. Lesen Sie hier mehr.

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