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Konsum Warum das Glühbirnenverbot nicht greift

Ab 1. September heißt es "Goodbye Glühbirne". Ihre Auslieferung wurde von der EU verboten, um so die umweltfreundlichere Energiespar-Birne zu fördern. Doch die Konsumenten hamstern die stromfressenden konventionellen Birnen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Konsumenten mit Verboten kaum lenken lassen. Andere Methoden haben mehr Erfolg.
  • Jan Guldner
Die EU hat die Glühbirne verboten, der Konsument wehrt sich mit seinen Mitteln. Quelle: dpa

Die EU hat die Glühbirne verboten, der Konsument wehrt sich mit seinen Mitteln.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Einkaufswagen rollen randvoll mit Glühbirnen aus dem Baumarkt. Die Anbieter des leuchtenden Auslaufmodells freuen sich über unerwartet hohe Umsätze: Um 48 Prozent stieg der Absatz mit den stromfressenden Glühlampen im ersten Halbjahr 2009 laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Doch genau das Gegenteil wollte die EU erreichen, als sie Ende letzten Jahres die EU-Effizienzrichtlinie für Licht beschloss. Im Sinne des Energiesparens wurde das Ausliefern von allen matten Birnen, sowie der klaren 100-Watt-Birne ab 1. September verboten.

Den deutschen Konsumenten ist das im Moment jedoch herzlich egal. Sie sonnen sich munter weiter im warmen Licht der Glühbirne und würden das, betrachtet man die aktuellen Verkaufszahlen, auch gerne die nächsten Jahre noch tun. "Wenn der Staat etwas verbietet, nimmt er den Konsumenten die Wahlmöglichkeiten", sagte Rolf Bürkl von der GfK. Das lassen die Verbraucher offensichtlich nicht mit sich machen. Und führen damit das Glühbirnenverbot zumindest auf mittelfristige Sicht ad absurdum.

Ein Beispiel für die Macht der Verbraucher. Aber ebenso dafür, dass die Politik beim Versuch, das Konsumverhalten zu beeinflussen, oft scheitert. Einige Experten halten das Steuern des Konsumenten durch Verbote für den falschen Weg: "Dieses produktpolitische Eingreifen ist der falsche Ansatz", sagte Ingo Schoenheit, Vorsitzender des Instituts Markt-Umwelt-Gesellschaft (Imug) der Universität Hannover. "Man greift ein und ist entschlossen einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten", so Schoenheit weiter. Am Ende sei dieser Eingriff aber doch nur Willkür.

Eine Meinung die Lucia Reisch nicht teilt. Sie ist Professorin für Konsumverhalten und Verbraucherpolitik an der Copenhagen Business School und der SRH Hochschule Calw und hält das Verbot für einen "grundsätzlich richtigen Schritt." Denn manchmal könne die Politik nicht auf einen Bewusstseinswandel warten, sondern müsse sofort handeln. Besonders beim Glühlampenverbot gilt: "Energiesparen ist keine individuelle Entscheidung mehr, sondern eine gesellschaftliche", sagte Reisch. Und so strittig wie das Glühlampenverbot sind solche Entscheidungen auch nicht immer. Das Verbot des Klimakillers FCKW wurde beispielsweise ohne Murren hingenommen.

Dass Anreize aber deutlich besser wirken als Verbote, sieht man an der Abwrackprämie. Der Andrang auf die Autokauf-Subvention ist nach wie vor ungebrochen. "Wenn der Staat was subventioniert, nimmt man das natürlich mit", sagte Rainer Kambeck vom RWI Essen. 9000 Anträge werden immer noch jeden Tag gestellt. Der Handel mit Pkw verzeichnete in den ersten fünf Monaten dieses Jahres einen Umsatzzuwachs von 4,7 Prozent. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im selben Zeitraum um 22,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Und auch das zweite Ziel der Umweltprämie scheint erreicht: Es wurden mehr Kleinwagen verkauft und dadurch - so die Hoffnung der Politiker - die Umweltbilanz verbessert. Zum Vergleich: Ganz anders lief es bisher bei der Ökosteuer auf Benzin. Höhere Spritkosten haben kaum dazu beigetragen, dass die Deutschen kleinere Autos kaufen.

Allem Anschein nach kann der Staat durch Subventionen die Konsumenten effektiver beeinflussen als durch Verbote: "Preisherabsetzungen sind ungeheuer attraktiv", sagt Lucia Reisch. Und auch Rainer Kambeck bestätigt: "Monetäre Anreize wirken gut." Bei der Abwrackprämie sei der Erfolg allerdings nur kurzfristig: "Langfristig gesehen ist die Abwrackprämie volkswirtschaftlich fragwürdig", so Kambeck weiter. Die Folgen sind schon heute absehbar: Laut einer aktuellen Roland-Berger-Studie sind bis zu 90 000 Arbeitsplätze in der Automobilbranche in Gefahr, wenn die Abwrackprämie ausläuft.

Für wirtschaftlich sinnvoll hält auch Ingo Schoenheit die Auto-Subvention nicht. Allerdings sei sie ein deutliches Zeichen für die Entschlossenheit des Staates und habe die Stimmung belebt: "Die Abwrackprämie ist zwar ein Strohfeuer, aber sie symbolisiert auch, der Staat ist gewillt, den Karren aus dem Dreck zu ziehen." Eine solche Symbolik konnte das Glühbirnenverbot nicht entfalten und wurde auch deshalb von den Verbrauchern abgestraft.

Eine Alternative zum rigorosen Verbot wäre eine Preiserhöhung auf die energieverschwendenden Lampen gewesen. "Auf höhere Preise müssen Verbraucher reagieren", sagte RWI-Experte Rainer Kambeck. Diese hätte man über eine Steuer erreichen können. Bei der Ökosteuer auf Benzin, Tabaksteuer auf Zigaretten und der Steuer auf die so genannten Alkopops hat der Staat das bereits versucht. Mit wechselndem Erfolg.

Die Alkopop-Steuer beispielsweise hatte das Ziel, den Konsum der süßen Alkoholika so teuer zu machen, dass es für Jugendliche nicht mehr erschwinglich war. Diese mischten fortan selbst Hochprozentiges mit Erfrischungsgetränken und umgingen die Steuer. "Wenn die Steuer das Verhalten so beeinflussen könnte, dass weniger konsumiert würde, dann wäre sie sinnvoll", so Kambeck. Sie würde allerdings wirkungslos, wenn das besteuerte Gut - wie in diesem Fall - so leicht zu ersetzen sei.

Und wenn sonst nichts hilft, sollten Politiker eine einfache Regel beherzigen: "Öfter mit gutem Beispiel vorangehen", empfiehlt Lucia Reisch. Das öffentliche Beschaffungswesen hat eine nicht zu unterschätzende Macht. Einerseits zeigt es den Bürgern, dass der Staat nicht nur über Nachhaltigkeit redet, sondern selbst nachhaltig konsumiert. Andererseits können so Märkte geschaffen werden, auf denen es sonst zu wenig Nachfrage gäbe.

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