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Kostenexplosion Merkels Strompreislüge

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„Die Deindustrialisierung hat längst begonnen“

Kostentreiber Strompreis

Industriestrompreise im Vergleich

in Cent/kWh, 2011 (Inkl. Steuern außer MwSt.)

"Die Deindustrialisierung hat längst begonnen", warnt Energiekommissar Günther Oettinger im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auch Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, beklagt: "Das Niveau der Industriestrompreise hier ist höher als in fast allen anderen Ländern."

In der schwarz-gelben Koalition wachsen die Sorgen: "Die Strompreise werden zur Achillesferse der Energiewende. Wir müssen sie so gestalten, dass sie bezahlbar bleibt", sagt Thomas Bareiß (CDU), Koordinator Energiepolitik der Unionsfraktion. Experten schätzen die Kosten der Energiewende auf insgesamt 170 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was Deutschland abschreiben muss, sollte Griechenland aus der Währungsunion ausscheiden.

Dabei hat gerade die Industrie in den vergangenen Krisenjahren dazu beigetragen, dass Deutschland schneller als andere Volkswirtschaften wirtschaftlich Tritt fassen konnte. Staaten wie Großbritannien beneiden Deutschland um den 22-prozentigen Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung.

Deshalb steckt die Politik in einem Dilemma. Einerseits gehe es nicht ohne Entlastungen der Industrie bei den Energiekosten, um deren internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden, sagt CDU-Experte Thomas Bareiß. Andererseits dürfe die Belastung nicht einseitig bei den Privatverbrauchern landen. "Die Lösung kann nur darin liegen, die Energiewende so kosteneffizient wie möglich zu gestalten", sagte der CDU-Politiker. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Bundesländer, die eine Kürzung der Photovoltaik-Vergütung kürzlich mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt hatten.

Beim heutigen Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder wird das Thema Strompreise oben auf der Tagesordnung stehen. Dafür hatten die Länder gesorgt. Merkel wollte sich mit den Ministerpräsidenten zunächst nur über den Ausbau der Netze unterhalten. Vielleicht wollte sie auch einfach nicht an ihre Zusage aus dem vergangenen Juni erinnert werden, wonach die Strompreise für Industrie und Verbraucher bezahlbar bleiben würden.

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99 Kommentare zu "Kostenexplosion: Merkels Strompreislüge"

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  • Wenn der Ökostrom dermaßen die Preise explodieren lässt, wie kann es dann sein, dass der Strom aus der Atomnation Frankreich um 25% teurer ist, als bei uns? Müsste der ach so billige Atomstrom aus Frankreich nicht viel günstiger sein, als unser teurer Ökostrom?

  • Die EEG-Umlage muss sehr wohl von der Industrie gezahlt werden. Nur bei einem extrem hohen Stromanteil an der Wertschöpfung gibt es eine Befreiung!

  • Es wurde zwar nicht direkt gesagt, dass die Energiewende nichts kostet - aber vielleicht ist Ihnen der Slogan: "Die Sonne schickt keine Rechnung" bekannt. Damit tourte ein gewisser Franz Alt lange durch die Lande und Medien. Diese Aussage wurde von der Mehrheit so verstanden: "Die Energierwende bringt keine Kosten mit sich.

  • Da gab es doch mal einen Mann, Theologe und Journalist, auch im öffentlich rechtlichen Fernsehen - der tourte einige Jahre durch die Republik mit einem griffigen Slogan: "Die Sonne schickt keine Rechnung". Seit einiger Zeit hört man nichts mehr von dem Herrn - ach ja, der Name: Franz Alt

  • Zu versuchen wären alternative Stromtarife wie "Billigstrom ab Windfarm, wo und wann er anfällt". Stromintensive Industrien wie Aluminiumhersteller sind es gewohnt, dorthin zu gehen, wo der Strom anfällt. Wieso nicht in den Norden?

  • Der Ausstieg aus der Kernenergie war sicher Merkels größter Fehler. Alle Vorteile der Agenda 2010 sind mit der momentanen Energie und Europapolitik wieder aufgebraucht.
    Die beste Alternative währen Gaskraftwerke in Kombination mit Fracking. Außerdem könnten die Netze nach Frankreich und Tschechien ausgebaut werden. Das gibt genug Luft für ein paar Jahrzehnte, bis die Anti-Atom Stimmung verflogen ist und wir eine neue Generation sicherer Kraftwerke aus China importieren können.

  • Die EEG-Umlage stellt doch nur einen Bruchteil der vom Staat verursachten Kosten dar! Hinzu kommen die "Netzentgelte", die Teile der Kosten der Schattenkraftwerke enthalten, die Brennelementesteuer und diverses andere Gedöns. So hat man viele Jahre lang politische Sabotage an den Kernkraftwerken geübt: beispielsweise hat nach mir zugetragenen Informationen die Atomaufsicht in Schleswig-Hollstein wiederholt das Wiederanfahren des KKW Krümmel nach Revisionen ohne Grund um jeweils einige Tage verzögert, wodurch alle Projektpläne der Betreiber und der beteiligten Zulieferfirmen (die bei einer Revision manchmal über 1000 Mitarbeiter in einem KKW haben) platzten und erhebliche Mehrkosten entstanden.

  • Kleine Korrektur: Für Endverbraucher sind die Stromkosten in Deutschland mittlerweile etwa VIERMAL so soch wie in Texas. In Dallas, TX, betragen sie nach unserer Recherche derzeit umgerechnet auf Euro und "brutto" 7 Cent pro Kilowattstunde.

  • Der Bundesbürger zahlt so oder so - entweder direkt über die Stromrechnung, oder indirekt über geringere Lohnsteigerungen oder gar den Verlust seines Arbeitsplatzes. Die richtige Rechnung ist also: bei 20 Milliarden Euro pro Jahr, verteilt auf 80 Millionen Bundesbürger, zahlt jeder - vom Baby bis zum Greis - 250 Euro PRO JAHR für die Energiewende.

  • die Nutzung der Erneuerbaren Energien muss Vorrang haben, wenn wir unseren Kindern nicht die Last unserer Resourcenverschwendung, das verpresste CO2 und den Atommüll hinterlassen wollen. Langfristig ist die Nutzung der Erneuerbaren sogar kostengünstiger, da nur die Anlagen gebaut werden müssen - danach aber keine Brennstoffkosten mehr zu zahlen sind. Kurzfristig müssen diese Anlagen aber gebaut werden. Dazu ist Geld nunmal notwendig. Und das müssen wir auch ausgeben, wenn wir uns am nächsten morgen vor unseren Kindern nicht schämen wollen.

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