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Die Kandidaten

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer, und Jens Spahn wollen Merkel beerben.

(Foto: dpa)

Kramp-Karrenbauer, Merz, Spahn Die drei potenziellen Merkel-Nachfolger im Steckbrief

Im Dezember wählen die CDU-Delegierten die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Parteichefin Angela Merkel. Die wichtigsten Kandidaten im Porträt.
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Berlin Die CDU will ihre Mitglieder in die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger der Parteichefin Angela Merkel einbeziehen. Das letzte Wort werden allerdings die Delegierten des Parteitags im Dezember haben.

In einer zweitägigen Klausurtagung, die am Sonntagnachmittag begann, stellt die CDU-Spitze die Weichen für die Kandidatenkür. Eine Reihe von Regionalkonferenzen soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Die Partei „kommt zu ihren Mitgliedern vor Ort“, twitterte Julia Klöckner, eine der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden.

Auf den Konferenzen haben die Kandidaten für die Merkel-Nachfolge in den kommenden Wochen die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Die eigentliche Wahl findet auf dem Parteitag im Dezember statt.

Die CDU steht damit vor einer Richtungsentscheidung. Nachdem die seit 18 Jahren amtierende Vorsitzende Angela Merkel überraschend ankündigte, sie werde nicht erneut kandidieren, haben bislang sechs Bewerber ihren Hut in den Ring geworfen. Drei – Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn – gelten als chancenreich. Doch sie stehen für völlig unterschiedliche Richtungen gerade in der Wirtschaftspolitik.

Annegret Kramp-Karrenbauer:

Kramp-Karrenbauer gilt als Wunschkandidatin Merkels. Die CDU-Generalsekretärin wirbt für die Soziale Marktwirtschaft als beste Form, in der Wettbewerb Leistung anreizt und der Staat Leitplanken setzt. Im Saarland betrieb sie als Ministerpräsidentin für den Bergbau und die Stahlindustrie aktive Industriepolitik, um Arbeitsplätze zu sichern. Entsprechend soll die „Bewahrung der Schöpfung“, der Klimaschutz, in Einklang mit Beschäftigung gebracht werden.

Ihre Nähe zu Angela Merkel wird über ihren Erfolg entscheiden. Quelle: Reuters
Annegret Kramp-Karrenbauer

Ihre Nähe zu Angela Merkel wird über ihren Erfolg entscheiden.

(Foto: Reuters)

Frühzeitig warb sie als Mitglied des Arbeitnehmerflügels für den Mindestlohn. „Wir wollen, dass die Menschen von ihrem Lohn gut leben können, doch wir müssen uns auch fragen: Wo fängt ein Mindestlohn an, Beschäftigung zu gefährden? Deshalb wollen wir, dass die Tarifpartner das regeln.“

Die überzeugte Katholikin scheut in gesellschaftspolitischen Fragen keine Konflikte. Sie hat sich für die Frauenquote in Parteien, Parlamenten und Wirtschaft stark gemacht – und auch in der Kirche. „Ich wünsche mir, dass die Priesterinnenweihe kommt“, sagte sie als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Die Ehe für alle lehnt sie ab, ebenso das Adoptionsrecht für Homosexuelle.

In der Flüchtlingspolitik setzt sie wie Angela Merkel auf europäische Lösungen. „Wir dürfen nicht vorzeitig sagen, wenn es nicht klappt, dann reagieren wir eben mit nationalen Maßnahmen.“ Zurückweisungen an der Grenze lehnt sie im Gegensatz zur CSU ab.

Friedrich Merz

Friedrich Merz, der ganz kurz nach Merkels Ankündigung Interesse an einer Kandidatur bekundet hatte, ist der profilierteste Wirtschaftspolitiker unter den Kandidaten. Ein vor zehn Jahren veröffentlichtes Buch von ihm trägt den Titel „Mehr Kapitalismus wagen“. Bei seinem jüngsten Auftritt betonte Merz aber auch, dass er nicht nur liberal und wertkonservativ sei, sondern ihm auch der soziale Ausgleich wichtig sei. Er trete für „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ und „Umweltschutz“ ein.

Der ehemalige Fraktionschef der Union hat seine Stärken in der Wirtschaftspolitik. Quelle: dpa
Friedrich Merz

Der ehemalige Fraktionschef der Union hat seine Stärken in der Wirtschaftspolitik.

(Foto: dpa)

Den Klimawandel bezeichnet er als eine der größten Herausforderungen. Merz ist überzeugter Anhänger des Freihandels. Wie kaum ein anderer hat der Vorsitzende der Atlantik-Brücke in Deutschland für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP geworben. Zuletzt betonte Merz, dass er wegen Senkung der Unternehmensteuern in Europa Handlungsbedarf sehe.

Als Wirtschaftsexperte der Unionsfraktion trat Merz für einen schlanken Sozialstaat ein. Die Hartz-Reformen begrüßte er. Vor zehn Jahren warb er dafür, „nicht über die Ausweitung, sondern die Begrenzung des Sozialstaats“ zu sprechen. Aber er hatte auch schon immer differenziertere Positionen, als es viele darstellen. So unterstützte Merz früh den Sozialflügel der CDU bei der Forderung nach einem Mindestlohn.

Merz ist vielen in der CDU in Erinnerung geblieben für seine Forderung, Migranten müssten sich der „deutschen Leitkultur“ anpassen. Den Begriff hat er geprägt, später aber auch gesagt, dass man ihn missverstehen könne. Die Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht, sei „unterkomplex“, wie es Merz kürzlich bei einer Rede formulierte. Er betonte, dass er für „ein weltoffenes Deutschland“ stehe.

Jens Spahn

Spahn, amtierender Bundesgesundheitsminister, tritt vehement für einen Haushalt ohne neue Schulden ein. Wichtig ist ihm dabei das Thema Generationengerechtigkeit. „Die schwarze Null ist eben kein Fetisch“, sagte er. „Es geht darum, unseren Kindern keine stetig wachsenden Schuldenberge zu hinterlassen.“ Spahn fordert, in Zeiten von Rekordsteuereinnahmen „die hart arbeitenden Menschen“ zu entlasten. Dazu gehört auch der vollständige Abbau des Solidaritätszuschlags.

Der Kritiker der Kanzlerin will mit einer strengeren Flüchtlingspolitik punkten. Quelle: imago/photothek
Jens Spahn

Der Kritiker der Kanzlerin will mit einer strengeren Flüchtlingspolitik punkten.

(Foto: imago/photothek)

Auf Forderungen nach höheren Steuern für Gutverdiener reagiert er allergisch: „Wir müssen auch die Leistungsgerechtigkeit im Blick behalten. Wer glaubt, nur mit Neidsteuern für Reiche ließen sich all die Milliarden-Mehrausgaben finanzieren, der glaubt auch an Märchen.“

Als junger Abgeordneter verscherzte es sich Spahn mit den Senioren in der Union, als er außerplanmäßige Rentenerhöhungen scharf kritisierte. „Das Wahlgeschenk an die Rentner kostet die junge Generation mittel- und langfristig viel Geld“, mahnte er 2008.

Noch im März provozierte er mit dem Satz: „Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut.“ Als Gesundheitsminister hat er seine soziale Ader entdeckt und plant Mehrausgaben wie in der Pflege. „Das muss uns als Solidargemeinschaft etwas wert sein.“

Beim Thema innere Sicherheit vertritt Spahn konsequent Law-and-order-Positionen. In einigen Vierteln in Essen oder Berlin entstehe der Eindruck, dass der Staat gar nicht mehr willens oder in der Lage sei, Recht durchzusetzen. Spahn war einer der ersten CDU-Politiker, die gegen Merkels Flüchtlingspolitik mobilisierten.

Unser Land erfährt weiterhin eine jährliche ungeordnete, überwiegend männliche Zuwanderung in einer Größenordnung von Städten wie Kassel oder Rostock“, sagt er. „Diese gilt es zu begrenzen, besser zu steuern, Asylrecht und das überfällige Einwanderungsgesetz gilt es, neu zu formulieren und klug voneinander abzugrenzen.“

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