Barmer GEK

Eine Gesundheitskarte der Barmer GEK.

(Foto: dpa)

Krankenkassen Barmer steigt in das Rennen um die Patientenakte der Zukunft ein

Als letzte große Krankenkasse ist die Barmer bei der digitalen Patientenakte noch unentschieden. Nun startet die Kasse eine Ausschreibung.
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BerlinNach der Einigung auf einheitliche Standards für die elektronische Patientenakte wagt sich nun auch die Barmer aus der Deckung. „Wir werden in den nächsten Wochen eine europaweite Ausschreibung für die Entwicklung einer Patientenakte der Barmer vorbereiten“, sagte Kassenchef Christoph Straub dem Handelsblatt „Anfang nächsten Jahres soll die Ausschreibung dann erfolgen.“

Die mit mehr als neun Millionen Versicherten zweitgrößte Einzelkasse in Deutschland hatte bei der Digitalakte stets abgewartet, während Konkurrenten wie die Techniker Krankenkasse (TK) oder die AOK mit eigenen Lösungen für die Steuerung von Gesundheitsdaten per Smartphone vorgeprescht waren. Straub sagt, dass die Barmer erst Klarheit über die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen haben wollte.

Diese Klarheit zeichnet sich nun ab: Nach jahrelangem Gezerre verständigten sich Krankenkassen und Ärzte kürzlich bei Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium auf ein Grundkonzept für die Digitalakte. Die Gesellschaft für den Aufbau eines Gesundheitsdatennetzes (Gematik) soll die grundlegende technische Architektur und Schnittstellen definieren. Die Formate, in denen medizinische Daten gespeichert werden, legt die Ärzteschaft fest.

Die Kassen müssen bei ihren Patientenakten der Einigung zufolge einem einheitlichen Muster folgen: Neben einem Standardbereich für Medizindaten wie Röntgenbilder soll es einen Kassenbereich etwa für Informationen zu Bonusprogrammen geben. Auch die Versicherten bekommen ein eigenes Fach, in dem sie beispielsweise Fitnessdaten speichern können.

Die Datenhoheit liegt bei den Patienten: Sie entscheiden, ob sie eine Digitalakte nutzen wollen und wer auf welche Informationen zugreifen darf.

In seinem Ende September vom Kabinett gebilligten Terminservicegesetz regelt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zudem, dass die Krankenkassen ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte zur Verfügung stellen müssen. Der Zugriff auf die medizinischen Daten muss dabei auch über mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets möglich sein.

Straub, der an den Gespräche im Ministerium beteiligt war, begrüßte die Einigung zwischen Kassen und Ärzten auf gemeinsame Standards. „Damit gibt es eine Grundlage, die unseren Ansprüchen an eine elektronische Patientenakte gerecht wird“, sagte er dem Handelsblatt.

Die TK und die AOK haben bereits eigene Aktenmodelle entwickelt, die nun an das vereinbarte Konzept angepasst werden müssen. Das gilt auch für die Gesundheits-App „Vivy“, auf die eine Reihe von gesetzlichen und privaten Krankenkassen wie die DAK und die Allianz setzen.

Branchenkenner erwarten, dass sich unter anderem die IT-Dienstleister IBM und Cisco um den Barmer-Auftrag bemühen werden. Die beiden Unternehmen stehen schon hinter den Projekten der TK beziehungsweise der AOK.

Straub sagte, dass die Barmer ihre bestehenden digitalen Angebote in die künftige Patientenakte einbinden wolle. So könnten Versicherte beispielsweise bereits jetzt Krankmeldungen online übermitteln oder sich per Smartphone an Vorsorgetermine erinnern lassen. „Das alles sind gewissermaßen Mosaiksteine der Barmer-Akte von morgen“, sagte Straub.

Bei der Vernetzung der auf Ärzte, Krankenhäuser und Kassen verstreuten Patientendaten hinkt Deutschland im europäischen Vergleich deutlich hinterher. Jahrelang stritten die Akteure im Gesundheitswesen über den Aufbau eines sicheren Datennetzes und die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte.

Dabei werden mit der Digitalisierung des Gesundheitswesen große Hoffnungen verbunden: Die Qualität der ärztlichen Versorgung soll sich verbessern, etwa indem Fehlmedikationen und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Außerdem könnten durch den Einsatz digitaler Technologien Milliarden im Gesundheitsbereich eingespart werden.

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