Krawalle bei G20 „Brandschatzend durch Altona“

Hamburgs Innensenator hat in anderen Bundesländern Unterstützung für seine Polizei angefordert. Obwohl weniger Gewalttäter als erwartet in der Stadt sind, ist die Lage eskaliert. Dazu hat die Polizeitaktik beigetragen.
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„Keine gute Visitenkarte für Deutschland“

HamburgDie Polizei steht beim G20-Gipfel vor einer paradoxen Situation: Es sind weniger Gewalttäter nach Hamburg gekommen als befürchtet – und dennoch kommt die Polizei so schlecht gegen die Vorfälle an, dass Innensenator Andy Grote (SPD) einen Hilferuf ins gesamte Bundesgebiet geschickt hat. Im Laufe des Tages sollen weitere Polizeikräfte nach Hamburg kommen – zu den 20.000 bereits mobilisierten Kräften.

„Wir sehen ein hohes Maß extrem gewalttätiger Menschen“, sagte Grote bei einer Pressekonferenz am Freitagmittag. Er sprach von einer „Spur der Verwüstung durch Teile von Altona“. Tatsächlich war in der Haupteinkaufsstraße in dem Stadtteil am Morgen kaum ein Schaufenster heil. Eine zweistellige Anzahl von Autos brannte am Bahnhof Altona und auf der noblen Elbchaussee. Dabei nennt die Polizei nun eine Zahl von 3.500 gewaltbereiten Aktivisten – statt befürchteter 8.000.

Die Lage war am Freitagmorgen dennoch nicht unter Kontrolle. Immer wieder kam es zu Blockaden in der Demonstrationsverbotszone – und zu Gewalt gegen Beamte und Gegenstände.

Mit eine Ursache dafür ist offenbar die Polizeistrategie bei der Demonstration „Welcome to hell“ am Vorabend. Die Polizei stoppte den Marsch bereits nach wenigen Metern, weil sich Menschen im sogenannten „Schwarzen Block“ vermummt hatten. Eine Prinzipienfrage: „Vermummung ist eine Straftat, die dazu dient, bei weiteren Straftaten nicht erkannt zu werden. Deshalb gehen Veranstaltungen, die vermummt sind, in Hamburg nicht los“, sagte Grote. Es sei in den Gesprächen mit den Veranstaltern nicht gelungen, die Vermummung aufzulösen. Tatsächlich waren am Vorabend nur vereinzelt noch Vermummte zu sehen, als die Polizei einschritt.

Mit Luftballons und Gesichtsmasken
Schwarzer Block
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Die Hamburger Polizei meldet, dass einzelne Teilnehmer bei der Demonstration „G20 - not welcome!“ Vermummung angelegt haben. Zudem soll bereits Pyrotechnik gezündet worden sein.

Bunt und friedvoll
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Dabei hatten die Demonstrationen am Samstag zuvor friedlich begonnen. Tausende Demonstranten marschierten mit Luftballons und Friedenstransparenten in Richtung Fischmarkt. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sollte am Nachmittag bei der Abschlusskundgebung sprechen.

Friedliche Demo
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Teilnehmer der Demonstration „Hamburg zeigt Haltung“ haben an der Speicherstadt Flaggen verschiedener Nationalitäten auf einer Straße ausgebreitet.

Bündnis gegen das G20-Treffen in Hamburg
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„Grenzenlose Solidarität statt G20!“: Unter diesem Motto ruft das Bündnis zu einer internationalen Großdemonstration auf. Einige Teilnehmer haben sich schon versammelt.

G20 End Coal
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Aktivisten der Greenpeace-Organisation seilen sich am Samstag an der 50 Meter hohen Köhlbrandbrücke in Hamburger ab. Sie forderten von Bundeskanzlerin Merkel und ihren G20-Kollegen, klimaschädliche Kohle schneller durch saubere, erneuerbare Energien zu ersetzen.

Vandalismus
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Das Schanzenviertel am frühen Samstagmorgen: Ein zerstörter und geplünderter Laden zeigt die Ausmaße der gestrigen Krawalle.
Copyright: Thomas Tuma

Banner an einem der Protestcamps
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Wie „friedlich“ der Protest war, zeigen auch die vielen rausgerissenen Pflastersteine in den Seitenstraßen des Schanzenviertels.
Copyright: Thomas Tuma

Die Beamten schafften es jedoch nicht, die Verdächtigen zu verhaften. Stattdessen vertrieben sie den „Schwarzen Block“ mit Wasserwerfern und Reizgas. Andere tauchte unter. „Wir haben beobachtet, dass Demonstranten mehrfach die Farbe ihrer Kleidung wechselten“, klagte Grote. Effekte des schnellen Einschreitens: Einerseits konnte die Demonstration schließlich hinter dem Wasserwerfer zumindest die Hälfte der geplanten Route ablaufen. Andererseits verteilten sich die Gewalttäter aus dem Schwarzen Block in Kleingruppen in der westlichen Stadt und lieferten sich in den engen Altbau-Straßen ein Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei. Als Hundertschaften am Altonaer Bahnhof aufzogen, waren die Randalierer bereits verschwunden.

„Unsere Linie war, dass die Demonstration möglichst das Ziel erreicht. Wir hatten kein Interesse an Kleingruppen“, sagte Grote. Jetzt gebe es eine neue Lage, die mehr Kräfte erforderte. Die Polizei werde nicht immer einschreiten. „Wir werden nicht jedem Vermummten hinterherlaufen“, sagte Grote.

Der Veranstalter Andreas Blechschmidt warf der Polizei vor, sie habe die Situation eskalieren lassen. Während laufender Gespräche über die Vermummung seien Polizisten „sehr massiv mit Schlagstöcken reingegangen“, sagte Blechschmidt dem Sender „N-TV“. Damit habe die Polizei für die Eskalation gesorgt. Es habe „sehr viele“ verletzte Demonstranten gegeben.

Bereits 160 Beamte verletzt
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45 Kommentare zu "Krawalle bei G20: „Brandschatzend durch Altona“"

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  • An alle Schlaumaier mal das vorweg:

    die Polizei ist IMMER unschuldig

    - silvester Köln, Muslim
    - Terror-Anschläge von Muslim
    - Terror von links

    Die Polizei macht ALLES (... in unseren Uniformen stecken Menschen,... und es wird auch mal draußen gebumst). um uns ???

    Oje, was machen die denn für uns?
    - Radar-Kontrollen
    - Falschparker abkassieren

    Wohl dem, der weiß sich selbst zu schützen

  • ch spekuliere jetzt einmal:

    Ich vermute mal ganz einfach, dass die AfD nach diesem von Merkel zu verantwortenden "Gipfel-Erlebnis" in den Umfragen wieder prozentual zulegen wird.

  • Es wurde bundesweit um zusätzliche Abstellung von Polizeikräften zur Verstärkung ersucht. Weil man schon jetzt überfordert ist?

    Ich denke, dass die linken Gewalttäter jetzt ebenfalls Verstärkung aus dem In- und Ausland erhalten werden. Immerhin ist jetzt Freitagnachmittag und berufstätige Gewalttäter (damit ist nicht der Beruf Gewalttäter gemeint) werden sich genauso auf den Weg machen, wie solche angesichts des bisherigen „Erfolgs“ nun vielleicht zusätzlich motiviert sein könnten.

    Höhepunkt dürfte vielleicht der Samstag werden.

    Was mich aber am meisten ärgert – keine der Qualitätsmedien greifen Merkel wegen ihrer selbstherrlichen Entscheidung, den Gipfel in Hamburg stattfinden zu lassen, an.

    Dafür wird über die Polizei hergezogen und Schuldzuweisungen getätigt, obwohl einzig und allein Merkel schuldig an Allem ist.

    Dass dieses links-grüne Gesindel auch ohne jede angebliche Provokation der Polizei zum Ausleben ihres Gewaltmonopols nach Hamburg gekommen ist und das auch ohne angeblicher „Provokation“ umgesetzt hätte, interessiert die Qualitäts-Medien nicht die Spur.

  • Diejenigen, die meinen, der Polizei eine Mitschuld an den Gewalttaten zu geben, sollten mal die Sachlage überdenken.

    Auf der einen Seite sind die „Veranstalter“, die dafür verantwortlich sind, dass eine krawallfreie, friedliche Demonstration erfolgt.

    Auf der anderen Seite stehen die Polizisten, welche die Anweisung haben, Vermummte nicht in der Demo laufen zu lassen.

    Die Veranstalter sehen überhaupt keine Veranlassung dafür zu sorgen, dass die Demo ohne die verbotenen Vermummten stattfindet. Absicht??

    Manch Kommentator sieht gar die Polizisten als „willige Büttel“ eines Rechtstaats, den zu bekämpfen alle Mittel „recht“ sind. Den Gipfel schießt einer ab, der zwar viele gute Gründe gegen die sogenannte Politik von Merkels Regierungen hat, aber total ignoriert, dass einige dieser Gründe gar nicht Anlass der mit den von ihm gutgeheißenen Gewalttaten der Links/Grünradikalen sind.

    Das diese Gewalttaten weder Merkel zur Änderung ihrer veranlassen, geschweige denn die „hohen Gäste“ zu einem Umdenken bewegen werden, entgeht ihm völlig oder interessiert ihn einfach nicht.

    Ihm ist auch egal, dass das Eigentum unbeteiligter Dritter zerstört oder beschädigt wird, was die G20-Teilnehmer ja so was von beeindrucken wird

  • @Herr Helmut Metz, ein interessanter Punkt, der wirklich zu bedenken ist. Leider werden diese 20 "Mächtigen" von der Polizei nicht ignoriert. Polizei und Militär knüppeln und schießen los, wenn die 20 "Mächtigen" und die, die sie steuern, es befehlen. Und einen Polizeistiefel im Gesicht kann nur ein buddhistischer Jogi ignorieren.

  • @ peterchen Mondfahrt

    Sie GLAUBEN, dass 20 "Mächtige" gefährlich sind. Das Problem besteht einzig und alleine in Ihrem Kopf. (hat was mit dualistischem bzw- nicht-dualistischem Weltbild zu tun - das würde aber hier zu langatmig werden).
    Diese 20 "Mächtigen" könnten überhaupt nicht gefährlich sein, würden Sie sie komplett ignorieren. Würde JEDER sie ignorieren. Was könnten dann 20 Menschen "Gefährliches für uns alle und unsere Kinder" tun?
    Diese 20 sind nur deshalb "mächtig", weil Sie und 99,9% aller Menschen es zulassen, beherrscht zu werden. Würden Sie dagegen von 99,9% komplett ignoriert werden, dann wären sie ganz einfach lächerliche Gestalten...

  • Ich habe aus dem Artikel nicht herausfinden koennen, wie die Polizei haette besser
    reagieren koennen. Aber wie auch immer: hinterher wissen es alle besser. In jedem
    Fall muss die Polizei eingreifen und zwar hart. Gewaehrenlassen ist absolut unakzeptabel und ermutigt zukuenftige Straftaten. Jetzt liegt es bei den Gerichten
    die Kriminellen zur Rechenschaft zu ziehen.

  • @Herr Helmut Metz: zu den AA: Allgemeinbildung. Zur Weimarer Republik: Gottseidank kann man die Situation damals und heute nicht vergleichen- unsere Polizisten sind nicht aus dem Krieg heimkehrende Freikorps und die G20-Gegner keine verzweifelten Arbeiter. Und wie bereits von anderen erwähnt, sind das Problem nicht die Demonstranten und Polizisten vor der Tür, sondern die 20 hinter der verschlossenen Tür, die wirklich gefährlich sind. Und das nicht für hoffentlich versicherte Autos sondern für uns alle und für unsere Kinder.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ Herr Schtritt, Diktatorische Menschen sind die, die meinen bestimmen zu dürfen was das Thema ist und was nicht. Ich jedenfalls habe diesen Bericht aufgegriffen und einen Zusammenhang dargestellt zu einem ähnlichen Ereignis aus der Vergangenheit. Die "Bedrohung" für die Regierenden war 2013 im Gezi ungleich höher da es sich um einen Umsturzversuch gehandelt hat. Die Intensität bzw. Reaktion der Staatsmacht ähnlich. Die Kommentare in deutschen Foren sind jedoch um 180 Grad anders.

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