Kreditaffäre Costa Concordia rettet Wulff das Amt, nicht die Ehre

Ist das "Stahlgewitter" vorbei? Schlagzeilen über das Schiffsunglück oder die Euro-Krise verdrängen den Bundespräsidenten von den Titelseiten. Doch wirklich helfen wird ihm das nicht, sagen Kommunikationsexperten.
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Offizielles Porträt des Bundespräsidenten Christian Wulff im Amtsgericht in Rheine: "Schwer, sich noch Respekt zu erarbeiten." Quelle: dpa

Offizielles Porträt des Bundespräsidenten Christian Wulff im Amtsgericht in Rheine: "Schwer, sich noch Respekt zu erarbeiten."

(Foto: dpa)

Für die Bild-Zeitung ist es ein gefundenes Fressen. Sie breitet die "Telefon-Protokolle vom Todesschiff" auf Seite 1 aus, weidet sich an den Ausreden des "Lügen-Kapitäns" ("Ich bin ins Rettungs-Boot gefallen") und berichtet seitenweise wie die Toten "in Smoking und Abendkleid durchs Gala-Restaurant getrieben sind". Beim Untergang der Costa Concordia vor der italienischen Küste läuft die Boulevard-Zeitung zur Hochform auf. Doch auch seriösere Tageszeitungen wie "Die Welt" oder die "Süddeutsche Zeitung" zeigen auf der ersten Seite Luftbilder der Katastrophe oder berichten über die neuesten Opfer-Zahlen.

Und die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff? Ist der Bild-Zeitung gerade mal einen unauffälligen Zweispalter auf Seite 2 wert.

Wulff hatte bei einem internen Neujahrsempfang für Mitarbeiter vor zwei Wochen die Hoffnung geäußert, "dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist". Jetzt könnte sich diese Hoffnung schneller erfüllen, als selbst Wulff wohl gedacht hat. "Andere, wichtigere aktuelle Vorfälle wie beispielsweise der Untergang der Costa Concordia verdrängen den Fall Wulff aus den Schlagzeilen", beobachtet Kommunikationsberater Hasso Mansfeld die Situation. Er wagt die Prognose: "Christian Wulff hat die Angriffe der Medien überstanden." Auch andere Megathemen wie die Rating-Herabstufung von neun Euro-Ländern lenken die Aufmerksamkeit der Politik- und Wirtschaftspresse wieder auf Themen wie die Schulden- und Eurokrise.

Bettina und Christian Wulff im Käfer-Festzelt auf dem Oktoberfest. Quelle: dpa

Bettina und Christian Wulff im Käfer-Festzelt auf dem Oktoberfest.

(Foto: dpa)

Dazu kommt: Wirklich wichtige Neuigkeiten zum Fall Wulff sind rar geworden. "Was jetzt noch an neuen Vorwürfen kommt, wird immer belangloser", sagt Mansfeld. Da enthüllt etwa die Berliner Zeitung, dass Wulffs Sohn von einem Autohändler ein Bobby-Car zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Auch die Tatsache, dass der Bundespräsident im Flugzeug in die Business Class gebettet wird, obwohl er nur Holzklasse gebucht hat, wäre zu anderen Zeiten keine Meldung wert gewesen. "Jetzt wird dem Bundespräsidenten etwas kleinkariert jedes Bier, das ihm auf dem Oktoberfest ausgegeben worden ist, nachgehalten", kritisiert der Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg, Leiter des Instituts für Journalistik an der Universität Hamburg.

Deutlich zu beobachten ist die abnehmende Wahrnehmung der Wulff-Affäre auch beim Kurznachrichtendienst Twitter. War der Begriff "Wulff" um die Jahreswende noch eins der beherrschenden Themen in den Twitterfeeds, ist die Zahl der Tweets zu dem Thema jetzt deutlich zurückgegangen. Das Schlagwort "Concordia" dagegen hat jetzt einen Anteil an den gesamten Tweets, den die die Wulff-Affäre selbst zu ihren aufregendsten Zeiten nicht hatte.

Wie viel über Wulff getwittert wurde
Wie viel über die Costa Concordia getwittert wurde

Immer mehr zeichnet sich ab, dass Wulff es tatsächlich schaffen dürfte, die von seinem umstrittenen Privatkredit ausgelöste Aufregung im Amt auszusitzen. "Die Affäre wird in einem langweiligen juristischen Geplänkel auslaufen – ohne dass Wulff zurücktritt", sagt Kommunikationsberater Mansfeld voraus.

"Eigentlich ist er jetzt schon kein Präsident mehr"
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27 Kommentare zu "Kreditaffäre: Costa Concordia rettet Wulff das Amt, nicht die Ehre"

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  • Ja, sowohl die Costa Concordia wie auch Wulff weigern sich unterzugehen auch wenn sie schon ordentlich angeschlagen sind.

  • Oki, gerade gemerkt ...

    Das kommt davon, wenn man die Brille nicht anzieht

  • @Politisch gekaufte Medien.
    Man sollte auf solche bösen Gerüchte gar nicht eingehen.
    Die Frau war Model soweit ich weiß.Aber es geht um den BP,
    und auch das ist lächerlich im Vergleich zu dem was gerade sonst passiert, wie Euro-und Rettungsschirm. Frau Merkel hat den Wagen so in den Dreck gefahren und jetzt sitzt Deutschland in der Falle. Jetzt spielt sich auch Schulz im Europa Parlament noch auf, dabei geht es doch denen allen in erster Linie um die Erhaltung Ihrer gut bezahlten Jobs, bei denen sie nicht maln Verantwortung übernehmen müssen, denn die hat der Steuerzahler. Prof. Stabaty u.a. haben es schon vor Jahren erkannt: Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und muss weg. GR bekommt immer noch mehr Mittel um weiterzumachen. Deutschland wird nicht akzeptiert noch sind wir in der Lage ein vereintes Europa zu führen. Die europ. Staaten sind auch gar nicht reif dafür, denn allen geht es um ihren nationalen Vorteil.Wir können das allein, nur muß jetzt Schluß sein mit dem Europageschwätz , mit Rettungsschirmen und Hebeln. Aus, raus, Schluß damit !

  • @Ich lach mich schlapp. Sie haben völlig recht.Die CDU und Frau Merkel sind im Aufwind und anstatt sich über wirklich dicke Dinger aufzuregen, wird immer weiter gemacht gegen den BP. Dieser hat Fehler gemacht, aber im Vergleich zu unseren wirklichen und teuren Problemen sind das Nebensachen. Der Euro und die Rettungsschirme sind um vieles gefährlicher und weitaus wichtiger als der BP.

  • @hardy

    Ich glaune Sie haben hier etwas verwechselt. Nämlich Graf Stauffenberg mit Graf Lambsdorff. Kann ja mal vorkommen, sollte aber nicht sein.
    Wulff mit Stauffenberg in Beziehung zu bringen ist allerdings mehr als "kühn" gedacht. Die beiden trennen doch wohl Welten.

  • @margritt1877

    "Also einen Wulff mit Graf Stauffenberg zu v ergleichen, das ist schon Beleidigung und völlig daneben"

    Stimmt, der eine ist nämlich ein von einem ordentlichen Gericht verurteilter korrupter FDP-Politiker, der die Taschen weit offen hielt, damit ihm Flick & Co das Geld nur so reinschauffeln konnten.

    Dagegen ist Wulff nun wirklich ein kleines Würstchen.

  • "Costa Concordia rettet Wulff das Amt, nicht die Ehre"

    Aaahh, der süße Sound geordneten Rückzugs ...

  • Wieso sagen immer einige, dass die neue Frau von Wulff eine Prostituierte war? Gibt es dafür Beweise? Hat irgendeiner ihre Dienste in Anspruch genommen? Oder ist das so ein Ding, was irgendeiner in die Welt gesetzt hat und es sich so als Mund-zu-Mund-Propaganda weiterträgt? Mir kommt es so vor, als sollte das nochmal so eine Art Gnadenstoß-Versuch sein. Nach dem Motto: "Also wenn wir das unter die Leute bringen, dann sind die sowas von empört. Dann bleibt ihm ja garnichts anderes übrig, als das Handtuch zu werfen!" Also Wulff geht mir persönlich am Allerwertesten vorbei. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, heißt es bekanntlich. Er hat sich angreifbar gemacht und ist jetzt für irgendjemanden fällig. Ich wette um den 100.000DM-Umschlag vom Schäuble, dass diese Show hier mit jedem Minister und mit jedem Abgeordneten sofort genauso abgehalten werden kann. Ausnahmlos jeder von denen hat sich und seinen Verbündeten Vorteile verschafft. Was ist mit Mappus, dem großen EnBW-Freund? Oder mit Schäuble, dem Welches-Spendengeld-Finanzminister? Oder, oder... Alles schon vergessen? Ihr seid doch sonst solche Freunde, der Korruption der politischen Klasse.

  • @Wolf
    Oder besser noch, zeigt es die Macht der Strippenzieher über den Medien. Die Medien trauen sich doch garnicht, von sich aus jemanden zu degradieren. Der Wulff muss von jemandem zum Abschuss freigeben worden sein. Oder haben sie sonst schonmal in letzter Zeit in den Medien die Wahrheit präsentiert bekommen? Nehmen sie doch mal das "Jobwunder in Deutschland" oder die "niedrigsten Arbeitslosenzahlen in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands" oder "Ohne Euro kein Wohlstand" oder "die deutsche Wirtschaft ist robust". Hat beim letzten Crash auch nicht viel geholfen. Was nützt es, wenn die anderen Länder nichts kaufen? Für die Medien wäre es ein Leichtes die Wahrheit zu präsentieren. Tun sie aber nicht. Weil sie politisch unterwandert sind. Wo kommen die täglich neuen Enthüllungen zum Thema Wulff denn her? Glauben sie, dass die Medien noch irgendetwas selbst recherchieren? Die bekommen ihre Artikel direkt aus Berlin. Diese werden dann von unbezahlten Praktikanten veröffentlicht. So kann also alles über Wulff auch nur von außen kommen. Die Medien haben weder Macht noch sind sie unabhängig. Sie sind Handlanger und Werkzeug der politischen Klasse und der Geldgeber. Und irgendeinen von denen muss Wulff auf den Schlips getreten sein.

  • Fallt Ihr denn alle drauf rein?!
    Nun muß schon das Schiffsunglück herhalten,
    damit es einen Grund gibt die abgestandene Brühe
    wieder aufzuwärmen und den Namen Wulf mal wieder in
    die Headline zu ziehen.

    Auf jeden Fall wünsche ich viel Spaß in den nächsten Monaten, wenn der Esch Stückchen für Stückchen aus dem Nähkästchen plaudert um seine Haut zu retten. Da hängen die wirklichen Hämmer. Nur die meisten betroffenen Politker sind davon nicht mehr im Amt, hatten aber selbst höchste Würden getragen. Auch da wird sich zeigen, daß Wulf eine ganz kleine Nummer ist und man eigentlich den Hut ziehen müßte.

    Widmen wir uns doch den großen Nummern. Der IWF wirbt 500 Mrd. ein, um einen mutmaßlichen Finanzbedarf von 1 Billion zu finanzieren. Die Börsen schreien Hurra. Mal ganz doof gefragt. Woher kommen die 500 Mrd. denn? Von der Wirtschaftskraft her müsste Deutschland sich wohl mit 50 Mrd. dran beteiligen. Wird ne schöne neue Emission von Wertpapieren. Wer zeichnet mit zum Kurs von 103?
    Hosianna

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