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Kreislaufwirtschaft Wertvolle Abfälle: Entsorger fordern Mindestquote für recycelte Rohstoffe

Der niedrige Ölpreis verbilligt die rohölbasierte Kunststoffproduktion – mit dramatischen Folgen für die Recyclingbranche. Die schlägt jetzt Alarm.
29.05.2020 - 15:45 Uhr Kommentieren
Sammlung von Leichtverpackungen über die Gelbe Tonne ist wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Quelle: obs
Müllarbeiter

Sammlung von Leichtverpackungen über die Gelbe Tonne ist wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft.

(Foto: obs)

Berlin Seit mehr als 30 Jahren trennen die Deutschen ihre Abfälle – aber eine wirkliche Kreislaufwirtschaft quer über alle Branchen hat sich noch immer nicht etabliert. Dabei könnten nicht nur jede Menge Ressourcen gespart werden. Auch klimaschädliche Emissionen ließen sich erheblich verringern.

Vor dem am Dienstag stattfindenden Koalitionsausschuss fordert die Entsorgungsbranche von der Regierungskoalition ein „klares Signal“ für mehr Kreislaufwirtschaft.

„Beim Klimapaket wurden die erheblichen Potenziale einer verstärkten Kreislaufwirtschaft nicht berücksichtigt, dies darf sich im geplanten Konjunkturpaket nicht wiederholen“, heißt es in einem Schreiben des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), das unter anderem an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sowie die Fraktionsvorsitzenden der Regierungsparteien versandt wurde.

„Durch den Ersatz von Rohstoffen aus der Natur durch Rohstoffe aus Recyclingprozessen – so genannten Recylingrohstoffen – schonen wir natürliche Ressourcen und ermöglichen massive CO2-Einsparungen“, heißt es weiter in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt.

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    Allein bei der Herstellung einer Tonne Stahl könnten durch den Einsatz von Recyclingrohstoffen bis zu 50 Prozent CO2-Emissionen verhindert werden, zudem 66 Prozent Energie und 1,5 Tonnen Eisenerz.

    Würde man die Wiedereinsatzquote von Recyclingrohstoffen der deutschen Industrie von heute etwa lediglich 15 Prozent verdoppeln, entsprächen die dadurch gewonnenen CO2-Einsparungen den Leistungen der gesamten Windenergie. „Das geschieht allerdings nicht von selbst, sondern braucht die Rahmensetzungen durch die Politik.“

    Kritik an Einkaufsgutscheinen und Abwrackprämien

    Es sei „leicht, Einkaufsgutscheine auszugeben oder Abwrackprämien zu bewilligen“, sagte BDE-Präsident Kurth dem Handelsblatt. „Aber damit macht es sich die Regierung zu einfach.“ Die Kreislaufwirtschaft müsse „ganz anders als bisher auf die Tagesordnung“.

    Es sei „absolut unverständlich, dass einerseits gesetzlich hohe Recyclingquoten festgelegt werden, andererseits aber die Verwendung der recycelten Rohstoffe ungeregelt bleibt. So bleiben die Entsorger am Ende auf ihren Rezyklaten sitzen“, sagte Kurth.

    Er erwarte, dass auch Kunststoffverarbeiter für einen Teil ihrer Produktion Rezyklate nutzen. „Wenn von den Menschen erwartet wird, dass sie ihren Müll sauber trennen, dann dürfen die Menschen auch erwarten, dass diese getrennten Abfälle auch sinnvoll weiterverarbeitet werden“, so der BDE-Präsident.

    Recyclinglabel, Quote, Fördermittel

    Konkret schlägt Kurth folgende vier Punkte vor:

    1. Bereitstellung von Mitteln für die schnellstmögliche Entwicklung eines Recyclinglabels durch das Umweltbundesamt, damit öffentliche und private Einkäufer nachhaltige Beschaffung überhaupt praktizieren können.
    2. Schaffung eines Markts für Recyclingrohstoffe, damit diese überhaupt erste Wahl werden können. Die öffentliche Beschaffung sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Der BDE denkt an eine Mindesteinsatzquote von generell 15 Prozent.
    3. Klare Ausgestaltung aller geplanten Corona-Subventionen danach, dass sie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft fördern. Wer ressourcenschonend konsumiert und investiert, erhält mehr Förderung.
    4. Förderung von Investitionen für mehr und bessere Recyclinganlagen und -technologien.

    „Um die ökologische Modernisierung der Wirtschaft voranzutreiben, darf kein Geld in überkommene Strukturen investiert werden“, mahnte Kurth. Was geschehe, wenn geeignete Instrumente zur Stabilisierung der Kreislaufwirtschaft fehlten, sei derzeit im Bereich des Kunststoffrecyclings erlebbar: ein dramatisch gefallener Ölpreis verbillige die rohölbasierte Kunststoffproduktion, während die Recyclingunternehmen für ihre Rezyklate als Alternative zum Öl keinen Absatz mehr fänden, da ihre Produkte gegen das Ölpreisdumping preislich nicht konkurrieren könnten.

    In der Folge drohe eine gesamte Infrastruktur von Sammlung, Sortierung und Aufbereitung wegzubrechen, weil die Alternativen zum Ölverbrauch benachteiligt würden, so Kurth. „Wir werden so nicht unabhängiger von fossilen Quellen, sondern ganz im Gegenteil.“

    Mehr: Wie Kreislaufwirtschaft für mehr Klimaschutz sorgen könnte

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