Krisen-Talk bei Illner „Griechenland wäre die richtige Grabstätte für den Euro“

Neue EU-Finanzhilfen für Griechenland sorgen auch im ZDF-Talk bei Maybrit Illner für Dramatik pur. Die Sendung lieferte eine besorgniserregende Nachlese einer finanzpolitischen Tragikomödie.
  • Gabriela M. Keller
40 Kommentare
Blick in die Illner-Runde zum Thema „Wird der Euro in Griechenland begraben?“ (v.li.): Schauspieler Hermes Hodolides, Gastgeberin Maybrit Illner, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesfinanzminister, Steffen Kampeter (CDU), Finanzexperte Dirk Müller und Fondsmanager Karsten Schröder. Quelle: Screenshot ZDF

Blick in die Illner-Runde zum Thema „Wird der Euro in Griechenland begraben?“ (v.li.): Schauspieler Hermes Hodolides, Gastgeberin Maybrit Illner, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesfinanzminister, Steffen Kampeter (CDU), Finanzexperte Dirk Müller und Fondsmanager Karsten Schröder.

(Foto: Screenshot ZDF)

BerlinDas, was sich derzeit in Griechenland abspielt, erinnert eher an eine postmarxistische Farce als an eine antike Tragödie: Bei Aischylos und Sophokles ging es um die schicksalhaften Verstrickungen von Helden, die in eine so ausweglose Lage geraten, dass sie durch jedwedes Handeln nur schuldig werden können. Griechenland dagegen hat so viele Schulden angehäuft, dass jedwedes Handeln dem Land immer weitere EU-Milliardenkredite einbrockt.

Es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, dass die EU-Finanzminister den Euro-Rettungsschirm über Griechenland aufgespannt haben. Heute steht das Land tiefer in der Kreide als je zuvor: Das eiserne Sparprogramm hat die Rezession verschärft, die Steuereinnahmen sinken, das Defizit schwillt weiter an. Neue Finanzhilfen scheinen unvermeidlich.

Und wieder einmal musste Steffen Kampeter, Staatssekretär beim Finanzminister, antreten und die Dramaturgie eines Stückes erklären, dass der deutsche Steuerzahler immer weniger versteht. Im Mai 2010 saß er bei Anne Will, in einer Sendung unter dem Motto "Griechenland ist pleite - jetzt zahlen wir." Und nun, im Mai 2011, fragte ihn Maybrit Illner: "Wird in Griechenland der Euro begraben?" Seinen Text zumindest hatte der CDU-Politiker sorgfältig gelernt, und zwar so sorgfältig, dass er zum Teil die exakt selben vorgestanzten Phrasen benutzte wie vor einem Jahr in der ARD. So rezitierte er zum Beispiel: "Griechenland ist nicht pleite, es bedient seine Schulden."

Das sieht Dirk Müller, der "Mister Dax" genannte Börsenhändler, ganz anders. Die Griechen, so diagnostizierte er, seien nämlich längst nicht mehr in der Lage, sich aus der Schuldenfalle zu befreien: "Wir zwängen die Griechen in ein Sparpaket hinein, das sie überhaupt nicht stemmen können." 750 Millionen Euro brächte das Reformprogramm - gegenüber 60 Milliarden, die nun neu dazukommen sollen. So werde es Griechenland wohl nicht gelingen, die Kredite zurückzuzahlen. Stattdessen würge der drakonische Sparkurs die Wirtschaft ab und heize den Volkszorn an. "Wenn wir dieses Sparpaket weiter aufrecht erhalten", sagte Müller, "kommen wir in Teufels Küche".

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40 Kommentare zu "Krisen-Talk bei Illner: „Griechenland wäre die richtige Grabstätte für den Euro“"

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  • Ach Blinse du verstehst es einfach nicht. Nackt seit ihr man hat euch das Fell über die Ohren gezogen und wieder einmal steht ihr vor einen unbezahlbaren Scherbenhaufen Eurer eigenen alles erduldender Geduld mit den Verantwortlichen. Wann begreift ihr endlich das man im Leben seinen mann stehen mus was bedeutet sich auch einmal gegen diese Lumpenelite in Nadelstreifen zu wehren ihnen klar zu machen bis hier und nicht weiter. Solange hier getextet wird machen die einfach so weiter, dabei gibt es nur noch den weg der Bankrotterklärung.

  • @Skyjumper
    Einer der wenigen wirklich guten Kommentare.

  • Was laberst du wieder für einen Stuß. Das versteht doch kein Mensch! Hast du deinen Duschvorhang geraucht?

  • Lieber schnullman,
    Merkel hat soeben angeordnet alle Deutschen können in
    GR lebenslang kostenlos urlauben .

  • kurzum: wir werden von "Verbrechern" regiert !

  • Der Kampeter gehört in eine Ostdeutsche Zeitarbeitsbude als Zeitsklave in ein Billiglohn, und jeden Abend mus er nackt eine Stunde vor den Spiegel stehen und den Aufschwung schönreden natürlich mit unterbrochener Bieografiiii wegen der fetten Absicherung im Alter, so neben der von der Leyen in so ner Putkolone damit die iditen merken was sie für scheisse labern. So BMW mässig is nicht sonderbonus nein du bekommst mehr Quadratmeter zur rinigung und weniger Zeit Leyen.

  • So mehr und mehr erinnert die derzeitige Situation an die Zeit vor 33.
    Die Parteien sind sich nicht einig, die eine sagt Hü, die andere Hott, dann kommen die Sparmaßnahmen, erinnert so an Brüning, in die Krise hinein sparen, die Folgen sind bekannt.
    Haben eigentlich unsere Politiker nichts aus der Geschichte gelernt?
    Nein, haben sie nicht. Das wußte übrigens schon Hegel

    "Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, daß Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben".
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel

  • Griechenland ist nur die Spitze des Eisberges, es geht um äußerst komplexe Prozesse von Währungen, Finanzen, Arbeit, Zinsen, Börsen und Investmentprodukten, Staatshaushalten und Staatsanleihen, die in Zyklen 'übergerollt' werden - überall auf dieser Welt. Eigentlich ist der Wahnsinn zum Methodengott geworden! Man spricht über die Pleitegriechen, was man nur als dumm und oberflächlich betrachten kann, angesichts der weltweiten Verschuldung der Staaten dieser Erde. Auf die großen ökonomischen und sozialen Fragen dieser Welt, in einer post-industriellen Zeit, die voreilig zur Wissens- und Servicegesellschaft hochstilisiert wurde, gibt es noch keine ausreichenden Antworten! Rolf D. Lenkewitz
    http://www.freiewelt.net/blog-3183/einige-worte-zu-maybritt-illners-griechenland-talk.html

  • Dem Lob schließe ich mich an.
    Schlimmr noch als der Spiegel ist Welt online. So PolCor wie die, das ist schon krank.
    Ganz flott schließen die immer die Kommentarfunktionen, wenn es mal ein wenig kritisch wird.
    Arm so etwas

  • Sie täuschen sich, ihre Meinung geht an der Realität vorbei. Den Sinn des Euro habe ich allerdings auch nicht verstanden und frage mich immer, wem nützt er? Bei einen definitiven Reallohnverlust in Deutschland, dem deutschen Arbeitnehmer bestimmt nicht. Der Euro soll Europa soll eine bedeutende Rolle in der Welt verleihen? Nein völlig unnötig. Keine Machtpolitik, so etwas brauchen wir nicht. Wem nützt ein starkes Europa? Einem DAX Unternehmen, einem kleinen Handwerksmeister? Wollen sie mit einem starken Europa andere Länder zwingen europäische Produkte zu kaufen? Unsinn. Und im übrigen, ich lebe gerne hinterm Wald.

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