Krisenlösungen Wirtschaft giftet gegen Euro-Scharfmacher

Überzogene Euro-Forderungen aus der SPD und der Koalition stoßen in der Wirtschaft auf harsche Kritik. Arbeitgeberpräsident Hundt fürchtet heftige Marktreaktionen, ein Daimler-Manager das Ende des Euros.
Update: 07.08.2012 - 09:38 Uhr 82 Kommentare
Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt. Quelle: dapd

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt.

(Foto: dapd)

Berlin/DüsseldorfDie Euro-Debatte in Deutschland treibt seltsame Blüten und gerät damit zum Sommerlochthema für die Politik. An vorderster Front mit dabei: der Vorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel, und Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU). Der eine will im Euro-Raum eine gemeinschaftliche Haftung für die Schulden aller Staaten geben - bei gleichzeitiger strenger gemeinsamer Haushaltskontrolle, der andere fordert offen den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Beide Vorstöße sorgen für große Aufregung.

Jetzt hat sich auch die Wirtschaft in die Debatte eingeschaltet - mit deutlichen Worten gegen Euro-Scharfmacher wie Söder. Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebbber verlangte daher in der "Süddeutschen Zeitung" "eine größere Zurückhaltung in der Öffentlichkeit" gerade auch von Politikern. Denn es sei im Interesse der deutschen Wirtschaft dass der Euro unbedingt erhalten werde. "Ohne den Euro hätten wir immense Wechselkursrisiken und Abwertungen innerhalb des europäischen Marktes - ich will mir gar nicht erst vorstellen, wie es ohne den Euro wäre", warnte Uebber.

Folgen eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaftswährung wären "ein riesiger Einbruch in der Wirtschaftsleistung, gerade auch in Deutschland, mit sehr großen Schwankungen an den Finanzmärkten", sagte Uebber weiter. Er befürworte daher eine "konsequente Stufenlösung", wie sie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolge. "Eine Fiskalunion muss kommen, ebenso wie eine Bankenunion und eine stärkere Integration Euro", forderte der 52-jährige Manager.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wandte sich deutlich gegen den von Gabriel geforderten Strategie-Wechsel in der Euro-Krise. "Eine Vergemeinschaftung der Schulden einzelner Staaten darf es nicht geben", sagte Hundt der "Passauer Neuen Presse". Der Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei richtig.

Im Fall Griechenland plädierte Hundt dafür, den Troika-Bericht abzuwarten. "Wir dürfen den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nicht herbeireden. Öffentliche Spekulationen sind nicht hilfreich." Damit werde nur zusätzliche Unsicherheit an den Märkten hervorgerufen. Damit wandte er sich gegen Söder.

Der bayerische Finanzminister hatte am Wochenende den Ton gegen Griechenland verschärft und gefordert: "Nach meiner Prognose sollte Griechenland bis Jahresende ausscheiden", sagte Söder der "Bild am Sonntag". "An Athen muss ein Exempel statuiert werden." Bei einem Verbleib Griechenlands in der Eurozone drohe erheblicher wirtschaftlicher Schaden für Deutschland.

Gabriel wiederum hatte erklärt, der Euro sei nur mit einer gemeinschaftlichen Schuldenhaftung bei gleichzeitig strenger Haushaltskontrolle zu retten. Über die Abtretung nationaler Souveränität an europäische Institutionen müssten am Ende die Bürger abstimmen.

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82 Kommentare zu "Krisenlösungen: Wirtschaft giftet gegen Euro-Scharfmacher"

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  • Es gibt kein "Europäisches Volk". Von einem Volk kann man nur sprechen, wenn es eine Volksidentität gibt, also eine emotionale Wahrnehmung von Solidarität. Eine solche ist aber nicht da. Meistens ist die gemeinsame Sprache die Identifizierungsschiene, und die gibt es eben in "Europa" nicht.

  • @Steuersklave
    Super rescherschiert. Danke! Mischen Sie sich hier weiter ein.
    MfG
    Walter Schmid

  • 'klaus ermecke' sagt
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    Nicht der EURO ist das Problem, das Problem sind die eigenen Politiker. Und es sind wir selbst, die ihre Geringschätzung gegenüber dem eigenen Land tolerieren.
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    Ihre Worte sollten in Stein gemeiselt und am Eingang des Reichstags installiert werden.

    Wer seine eigenen nationalen Interessen nicht vertritt in einem Umfeld, in dem das jeder andere mit größter Selbstverständlichkeit tut, darf sich nicht wundern wenn er vom Ausland als Opfer vom Dienst erkannt und ausgeplündert wird.

  • O-Ton 'GSG9'
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    @ Sobottka,

    soweit sind wir schon in Deutschland, dass wir uns von einem langjährigen Hartzer und unter Verfolgungswahn leidenden und mehrfach psychatrisch erfolglos behandelten Spinner (siehe hierzu dessen Homepage: www.winfried-sobottka.de) die Welt erklären lassen.
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    Es wäre besser, wenn Sie sich mit den Argumenten auseinandersetzen würden, und nicht mit der Person.

    Viele (nicht alle) der Sobottkaschen Spinnereien sind übrigens recht weit verbreitet - schon deshalb lohnt sich eine inhaltliche Auseinandersetzung.

    +++

    Auch Leute mit psychischen Störungen haben einen fairen Umgang verdient.

    Was natürlich nicht bedeutet, daß sie Narrenfreiheit hätten.

  • 'WinfriedSobottka' sagt
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    Der Homo-Sapiens lebte länger als eine Million Jahre in Sippen, die höchst sozial funktionierten, woher Sie Ihre Irrtümer haben (Keule als politisches Instrument), weiß ich nicht.
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    "... it is still clear that Stone Age tribes make up in enthusiasm what they lack in the technology of murder. Even the !Kung bushmen, popularised as "The Harmless People", had a had a homicide rate of 41.9 on this scale; the Yanomamo come in at 165. The record appears to be held by the Hewa people of New Guinea, with a score of 778."

    http://www.darwinwars.com/chagnon.html

    Oder fragen sie 'mal Archäologen, wieviele der Skelette auf einen unnatürlichen Tod hindeuten.

    +++

    Trotz aller Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten - die moerbe Zivilisation hat erhebliche Vorteeile gegenüber den steinzeitlichen Sippengesellschaften die sie idealisieren.

    Weshalb bei Kontakt zwischen beiden Lebensformen auch die Steinzeitmenschen stets über kurz oder lang eine zivilisierte Lebensweise annehmen, während das umgekehrte nur selten vorkommt.

  • 'WinfriedSobottka' sagt
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    Die Haftungsunion ist in Wahrheit noch viel zu milde für Deutschland, weil Deutschland der Hauptprofiteur des wirtschaftlichen Niedergangs in den Südländern war.
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    Herr Sobottka - worin soll denn diese "Profit vom wirtschaftlichen Niedergang in den Südländer" bestehen?

    Darin, daß wir auf zweifelhaften Forderungen in Höhe von hunderten von Milliarden sitzen? Darin, daß der wirtschaftliche Niedergang in den Südländern den Euro 'runterzieht, so daß wir hunderte von Milliarden zu viel für unsere Einfuhren bezahlt haben?

    Überlegen Sie sich das bitte noch einmal!

    +++++

    'WinfriedSobottka' sagt
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    Und nun soll der - vornehmlich zu Gunsten es deutschen Großkapitals - angerichtete Schaden europäisch sozialisiert werden.
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    Für jeden Euro Profit den die deutsche Exportindustrie gemacht hat sind doch fünf Euro an Schaden für die deutsche Volkswirtschaft insgesamt angerichtet worden.

    Deutschland ist durch die Südländer schon genug bestraft worden.

    Und es wird Zeit, daß das aufhört.

  • O-Ton Linke
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    Das Primat der Bankenrettung müsse fallen, forderte Riexinger in der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Wenn eine Bank einem Staat Geld borgt, dann kassiert sie dafür Zinsen. Im Ernstfall muss dann die Bank das Risiko tragen“, sagte Riexinger. Die Bank müsse für Ausfälle haften und nicht der europäische Steuerzahler.
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    Der Genosse Riexinger kapiert leider nicht, daß viele Banken in der Staatsfinanzierung Risiken eingegangen sind, die sie nicht tragen können. Weshalb sie ohne Rettung pleite wären.

    Und ihre Kunden würden dann ebenso in die Röhre schauen - wieviel sie wann von ihren Spareinlagen und Guthaben wiedersehen steht in den Sternen.

    Des weiteren würde das von Herrn Riexinger geforderte Vorgehen zu Abschlußkonkursen führen - weitere Banken und Unternehmen würden pleite gehen.

    Es käme zu einer Pleitewelle, die alle europäischen Volkswirtschaften erfassen und die Wirtschaftsleistung um 50% einbrechen lassen würde. Dadurch würden dann auch alle Staaten pleite gehen - mangels Steuereinnahmen.

    Bankenrettungen sind also grundsätzlich alternativlos - über die Modalitäten kann man gerne streiten.

    +++

    Das Eigenkapital der Aktionäre wird bei Bankenrettungen ja - so wie es sich gehört - vom Retter abkassiert.

    Die HRE-Aktionäre haben 99% ihres Einsatzes verloren, die Commerzbankaktionäre 95%. Im letzten Fall, obwohl der Staat inzwischen den größten Teil seines Einsatzes zurückbekommen hat.

    Auch bei der Bankia-Rettung in Spanien wird das Kapital der Altaktionäre extrem verwässert.

    Also auch unter dem Aspekt des Klassenkampfs gibt es eigentlich nichts zu beanstanden.

    Macht aber nichts - das Geschäftsmodell der Linken ist faktenfreie Demagogie ohne Verantwortung.

  • O-Ton Daimler-Benz
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    Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebbber verlangte daher in der "Süddeutschen Zeitung" "eine größere Zurückhaltung in der Öffentlichkeit" gerade auch von Politikern. Denn es sei im Interesse der deutschen Wirtschaft dass der Euro unbedingt erhalten werde. "Ohne den Euro hätten wir immense Wechselkursrisiken und Abwertungen innerhalb des europäischen Marktes - ich will mir gar nicht erst vorstellen, wie es ohne den Euro wäre", warnte Uebber.
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    Tja - "ohne den Euro" könnte Daimler eben keine Luxuslimousinen mehr an griechische Kleptokraten verkaufen, die den Erwerb mit Transferleistungen aus Deutschland bezahlen.

    Das Geschäftsmodell der Exportkleptokraten - ich exportiere, und Du bezahlst - hätte sein gerechtes und überfälliges Ende gefunden.

    Abgesehen davon ist natürlich infam, wenn die Exportdemagogen eine Rauswurf der griechischen Kleptokratie mit einem Ende des Euro gleichsetzen.

    +++

    O-Ton Daimler-Benz
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    "Ohne den Euro hätten wir immense Wechselkursrisiken und Abwertungen innerhalb des europäischen Marktes - ich will mir gar nicht erst vorstellen, wie es ohne den Euro wäre", warnte Uebber.
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    Komisch - ich dachte immer, die Existenzberechtigung des freien Unternehmertums läge in seiner Fähigkeit und Bereitschaft Risiken zu bewerten und zu übernehmen.

    Aber für Funktionäre im staatsmonopolistischen Abzockkapitalismus muß das natürlich nicht zutreffen.

    +++

    Daimler short.

    Unternehmensphilosphie aus der Ostzone (jetzt: Südzone).

    Das kann nicht gut gehen.

  • Die sozialisierte Merkel CDU ist zu feige jetzt zuzugeben, dass durch Vertragsbruch rund 80 Milliarden für Griechenland verpulvert worden sind. Der Euroretter Gabriel, sollte den geistigen Notstand, noch mehr Schulden zu machen, beenden u. zurücktreten. Seine Führung läßt die SPD weiter bei 26 % rumdümpeln u. keiner glaubt mehr, dass einer der Troika Kanzeler werden kann. Die infame Lügerei der Politiker haben die Bürger satt. Die Verantwortlichen sind nicht einmal in der Lage, Gesetze, die das GG zulassen, zu verabschieden u. landen immer mehr in Karlsruhe. Nun sollen die Bürger auch noch gegen die EZB klagen u. Merkels Verantwortung, ist wie so oft Schweigen.
    Wie wäre es, wenn die Volksverdummer sich einmal die Exportzahlen in die Krisenländer ansehen würden?

  • @netshadow

    Sie verteilen hier “Valium” und empfehlen Zweckoptimismus in einer eskalierenden oekonomischen Krise. Wenn der EURO eine der stabilsten Waehrungen der Welt waere, wuerden die Buerger Europas gegenwaertig nicht hunderte von Milliarden Euros ins aussereuropaeische Ausland transferieren.

    Die Angst vor der Krise hat reale Ursachen und sollte nicht mit Techniken des „positiven Denkens“ weg suggeriert werden. Die Techniken des „fear appeals“ werden ueberall in Wirtschaft und Politik angewendet. Auch unsere politische Elite ist bestens in diesen sophistischen Methoden von ihren Medienpsychologen trainiert worden.

    Die Buerger merken dies, empfinden die Reden der Politiker teilweise als imfame Luegen und haben Angst, weil sie nicht abschaetzen koennen, was sie diesen Leuten ueberhaupt noch glauben koennen. Sie erleben beinahe taeglich durch die Medien, wie bruechig unser Rechtssystem ist, wie Gesetze nach Belieben installiert und wieder gebrochen werden.

    Die Fundamente unserer Demokrate sind bruechig geworden und drohen zu zerbrechen. Die Verantwortlichen in der Regierung huellen sich in Schweigen oder zuenden „Nebelkerzen“, um die Buerger hinzuhalten oder ruhig zu stellen. Sie selbst NETSHADOW bringen sich in den Verdacht, als bezahlter Meinungsmacher in diesem Forum für ein bischen Ruhe zu sorgen.

    Sie haben eine lange Liste erstellt, was alles schief laeuft in der Eurozone. Was sie erwaehnen ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Hoffentlich wird diese Ihre Mahnung von den Verantwortlichen gehoert und bald in dringend notwendige Korrekturen umgesetzt.

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