Kritik an CDU-Vorstoß „Schuldenschnitt für Griechenland schadet allen“

Kommt Griechenland ohne einen Schuldenerlass wieder auf die Beine? Wohl kaum, meint der CDU-Wirtschaftsrat. Doch ein Schuldenschnitt ist in Deutschland nicht mehrheitsfähig. Athen kann aber dennoch mit Hilfe rechnen.
39 Kommentare
Euro-Geldscheine fallen auf eine griechische Fahne. Quelle: dpa

Euro-Geldscheine fallen auf eine griechische Fahne.

(Foto: dpa)

BerlinÜberlegungen des Präsidenten des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, zu einem möglichen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland stoßen auf deutlichen Widerstand bei FDP, Grünen und SPD. „Griechenland helfen auf Dauer nur Strukturreformen“, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, Handelsblatt Online. „Kurzfristige Erleichterungen durch einen schnellen Schuldenschnitt senken den Reformdruck und schaden am Ende allen.“

Lauk hatte in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt erklärt, ein erneuter Schuldenschnitt für Griechenland sei „nahezu unvermeidlich“. Zwar wäre es schmerzlich, einen Großteil der bisherigen Hilfsgelder abschreiben zu müssen. "Klar ist aber auch: Einfach immer weiter die Haftungsrisiken auszudehnen, hochzuhebeln oder zu verschleiern kann nicht die Lösung sein", heißt es in Lauks Beitrag.

Der Fall Griechenland zeigt Lauk zufolge, dass eine Austeritäts- und Rettungspolitik allein nicht zielführend sei. Dies habe nur dazu geführt, dass sich viele Bürger von Europa abwendeten. Die einen wollten sich nicht zu Tode sparen, die anderen nicht für Zechpreller bezahlen, schreibt Lauk. Der für November geplante Bericht der Gläubiger-Troika drohe zur Farce zu verkommen.

Die Bundesregierung lehnt allerdings einen Schulden-Erlass für Griechenland auch durch öffentliche Gläubiger ab. Zuvor hatten bereits die privaten Gläubiger auf Milliarden-Forderungen verzichtet.

Auch die Grünen halten einen Schuldenerlass für den falschen Weg. Zwar sei richtig, dass die jetzige Situation nicht haltbar sei. „Vor einem neuen harten Schuldenschnitt sollten aber erst bestehende Möglichkeiten eines Schuldenrückkaufprogramms genutzt werden“, sagte Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick Handelsblatt Online. „So kann ein Beitrag zur Schuldenreduktion geleistet werden, ohne dass europäische Steuerzahler Verluste erleiden müssen.“ 

Außerdem müsse der Gewinn bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Höhe von rund 15 Milliarden Euro, der aus der Differenz zwischen Ankaufkurs und Nennwert entstehe, für eine Schuldenreduktion genutzt werden. Zudem, so Schick weiter, müsse mit einem europäischem Steuerpakt und einer Vermögensabgabe in Griechenland „sichergestellt werden, dass reiche Griechen ihren fairen Anteil an den Krisenlasten zahlen“.

Weitere Griechen-Hilfe spaltet Euro-Länder
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Kritik an CDU-Vorstoß - „Schuldenschnitt für Griechenland schadet allen“

39 Kommentare zu "Kritik an CDU-Vorstoß: „Schuldenschnitt für Griechenland schadet allen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • die Summe der genannten Prozente ergibt nur 76,5 Prozent. Liegt ein Druckfehler vor oder nur ein „griechisches Orakel“?

  • Deshalb will die EUdSSR Griechenland auf jeden Fall Geld geben (egal was dieser lächerliche "Trioka-Klopapier-Bericht" beinhaltet), weil sonst Neuwahlen anstehen und die beide Verbrecherparteien weg sind vom Fenster. Damit stützt die EUdSSR ein durch und durch korruptes System in Griechenland und läßt keinen Neuanfang zu.

  • Man darf auch ganz offiziell seine Gelder ins Ausland verlagern. Bis jetzt haben wir NOCH einen ungehinderten Divisenverkehr.
    Am besten seine Gelder in kanadische und australische Dollar oder koreanische Won anlegen. Die Euro-Politik wird nur noch auf ungehinderte Inflation hinauslaufen. Anders werden die PFIGS nicht zu retten sein.
    Mit dem Lebensstandard wird es in Deutschland dramtisch bergab gehen.
    Aber so lange der deutsche Michel sein Fussball und Bier hat, ist ihm alles andere egal.

  • Der gegenwärtige Schuldenstand steht bei 195% zum BIP.
    Vor dem letzten Währungsschnitt waren es 145%.
    Also, was soll der Schwachsinn? Keinen Cent mehr für das Bond-Spekulantenpack. Asoziales Drecksgesindel.

  • Aktuelle Umfrageergebnisse:

    Sozialdemokraten PASOK 6,5%
    Konservative Nea Dimokratia 20%
    Vereinte Soziale Front Syriza 23%
    Faschisten Goldene Morgenröte 11,5%
    Gemäßigte Rechte Unabhängige Griechen 6,5%
    Demokratische Linke Dimar 4%
    Kommunisten KKE 5%

    Das bedeutet:

    • Stärkste Kraft sind z.Zt. die Syriza mit dem Parteiführer Tsipras (23%).
    • Die nächsten sind die Nea Dimokratia (Samaras, 20%),
    • dicht gefolgt von den beiden rechten Parteien (18%), wovon die eine (Goldene Morgenröte) bekannt ist für gewalttätige Ausschreitungen gegen Ausländer,
    • PASOK und Demokratische Linke machen zusammen nur noch 10,5% aus. Die PASOK ist offenbar dabei sich aufzulösen.
    • Die Kommunisten sind mit 5% unwichtig, zumal sie sich traditionell an keiner Koalition beteiligen und jede Verantwortung ablehnen.

  • @Brasil

    Es bringt wenig wenn ein paar Leute mit dem Knüppel rumlaufen. Klar könnte man sich auf Sätze im Grundgesetz berufen, aber diese jetzige Elite kontrolliert natürlich auch die Gerichte. Unser "System" belohnt und bestraft auch mit vielen subtilen Mitteln. Ich denke nicht, dass unser System Sarrazin, Henkel oder Eva Herrman einen Vortrag halten läßt und die Stadt Bochum 25000 Euro dafür zahlt.

    Es gibt aber einen entscheideten Vorteil. Man kann privat aus dem Euro austreten (Edelmetall, Aktien, Fremdwährungen) und das habe ich bereits getan. Hätten das sehr viele gemacht, dann wäre der Euro bereits Geschichte. Aber wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Aber es wird niemand gezwungen bei der Euro-Sekte zu bleiben. Ggf. muss man aber auswandern, wenn die Zwangsabgaben der Räuberbande zur Rettung ihrer Euro-Religion untragbar hoch werden. Nicht-Euroländer sind nur eine Flugstunde entfernt. Dann sind aber hier auch die Straßen voll.

  • "Da die Euro-Länder einen Staatsbankrott und das Verlassen Griechenlands aus dem Euro ausgeschlossen haben, steht de facto aber fest, dass Athen das Geld auch bekommt."

    Lügenbande. Sollte nicht erst der Troikabericht abgewartet werden?

    Bislang (mit dem zweiten "Rettungspaket" und dem Schuldenschnitt sind 340 Milliarden nach Griechenland geflossen, mit dem Ergebnis, das Griechenland jetzt mehr Schulden hat als vorher.

  • @Rainer_J
    1,55 scheint aber der Preis zu sein, der am Markt erreichbar ist. Wenn die Steuern nicht wären, würden die Mineralölgesellschaften SELBST den Preis auf 1,55 setzen. Nur dass dann diese Differenz nicht dem Bürger (Staat) als Einnahme zugute käme, sondern ausschließlich der Gewinn der Mineralölgesellschaft wäre.
    So gesehen bei:
    Deutsches Gesundheitssystem. Überzählige Einnahmen werden sofort von der Pharmaindustrie oder den Ärzten abgeschöpft.

  • So langsam erkennen die dummen Politiker, dass sie Zockerbanken gerettet haben, aber an den Folgen selber draufgehen werden. Dragdi (ehem. Goldman Sachs) hat ja angekündigt alle Zockerbanken illegal zu retten und die "Probleme" dem deutschen Bürger und Steuerzahler einfach über den Zaun zu werfen. Das hat er den blöden Politikern direkt im Bundestag gesagt und die haben nur dumm geschaut.

    Stimmvieh halt, määääh.

  • "Ich frage mich ohnehin was Draghi und der EZB dazu legitimier....."
    Bei unbedeutendem Nachdenken kann wohl diese Frage selbst beantwortet werden!
    Sie und alle anderen, die nur maekeln und nicht in der Lage und bereit sind, sich zu wehren, notfalls mit Gewalt, wie das das Grundgesetz schon verlangt!
    enai sie und alle Anderen unfaehigen, das ist die Antwort! Wenn das nicht so waere, wurden sie das massiv verhindern!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%