Kritik an Merkel „In der Wirtschaft wären Sie ihren Posten los“

Bei ihrem letzten Treffen mit der CDU-Basis vor dem Parteitag im Herbst muss die Kanzlerin heftige Kritik an ihrer Euro-Politik einstecken. Doch Merkel verteidigt den Rettungsfonds und warnt vor einem Schuldenschnitt.
Update: 04.10.2011 - 21:59 Uhr 13 Kommentare
Angela Merkel verteidigt in Magdeburg ihre Euro-Politik. Quelle: dpa

Angela Merkel verteidigt in Magdeburg ihre Euro-Politik.

(Foto: dpa)

MagdeburgWer immer gedacht haben sollte, eine ostdeutsche Kanzlerin würde bei einem Auftritt in Magdeburg ein Heimspiel haben, sah sich getäuscht. Am Dienstagabend jedenfalls gerät die letzte der sechs CDU-Regionalkonferenzen zu einem wahren Scherbengericht der Basis mit der Politik der Vorsitzenden Angela Merkel. Egal ob es um den Euro-Kurs, den Schwenk in der Atomenergie oder den Umgang in der schwarz-gelben Koalition geht - fast jeder Redner geht die CDU-Vorsitzende hart an. „In der Wirtschaft nennt man das Missmanagement. Da würden Sie als Vorstand in kürzester Zeit nicht mehr tätig sein“, wütet ein Frager, der sich als CSU-Mitglied outet. „Ich bin in sehr, sehr großer Sorge um unsere Partei“, sekundiert eine Fragestellerin. „Ich bin entsetzt“, meint eine andere. Angela Merkel sitzt regungslos auf der Bühne und macht sich Notizen. 

„Das ist der Stil, in dem wir miteinander reden wollen“, dankt die CDU-Vorsitzende dann in ihrer Antwort auf die fast 20 Wortmeldungen - und setzt nach einer eher müden Einführungsrede nun zum vehementen Verteidigungslauf an. Das Lob klingt zunächst seltsam. Aber Merkel weiß, dass die Regionalkonferenzen gerade als Ventil für den Unmut wichtig sind, der sich wegen der immer neuen Entscheidungen etwa zur Schuldenkrise oder eben in der Energiepolitik in ihrer Partei entwickelt hat. Viele Redner bitten geradezu, die erschöpfte Basis mit immer neuen Entscheidungen zu verschonen. 

Jetzt muss Merkel kämpfen, damit kein Eindruck der Frustration, sondern ein kämpferischer zurück bleibt. Immerhin hat sie sich auch harte persönliche Vorwürfe anhören müssen. „Oben setzt sich eine Riege von fünf, sechs Leuten fest. Und dann wird der Bosbach fertiggemacht“, moniert ein Redner mit Blick auf den Streit zwischen Kanzleramtschef Ronald Pofalla und dem Abweichler Wolfgang Bosbach. Prompt erntet er Applaus. 

Sie habe sehr wohl „höchsten Respekt“ vor denen, die sich die Zustimmung zum Euro-Rettungsschirm EFSF nicht leicht gemacht hätten, betont Merkel. Denn auch die CDU-Vorsitzende muss wissen, wie sehr die vermeintlichen Pofalla-Worte wie „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ als Zündstoff in einer Partei wirken, die sich zum einen bürgerliche Umgangsformen zugute hält - und in der zum anderen die große Mehrheit der Mitglieder ebenfalls Probleme hat, dem Euro-Rettungsschirm etwas Gutes abzugewinnen. Schon am Morgen hatte Merkel deshalb in aller Stille dafür gesorgt, dass sich ihr Kanzleramtschef am Dienstag öffentlich entschuldigt.

"Wenn die CDU vor dieser Aufgabe versagt, dann..."
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13 Kommentare zu "Kritik an Merkel: „In der Wirtschaft wären Sie ihren Posten los“"

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  • Nicht nur Frau Merkel wird am Ende verlieren.

    Frankreich wird den Hebeleffekt ausnutzen wollen und auf die, dann bestehenden, Verträge pochen. Deutschland wird die gemachten Garantien nicht decken wollen, weil es politisch nicht mehr durchsetzbar sein wird.
    Der daraus resultierende Konflikt wird das Ende der Achse Frankreich/ Deutschland markieren, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.

  • „Aber das Schicksal hat uns diese Aufgabe gegeben“, mahnt sie mit Blick darauf, dass die jetzige Generation das Werk vollenden müsse, dass ihr Vor-Vorgänger Helmut Kohl mit der Euro-Einführung begonnen habe.
    ---
    Was hat das Schicksal mit jahrzehntelanger Schuldenmacherei zu tun?
    Wieder so ein merkelscher Satz fürs Dummvolk.
    Man sollte die richtigen Fragen stellen.
    Kapitalgeber haben Staaten in die Zins- und Schuldenfalle getrieben. Verantwortungslose Politiker haben zum eigenen Vorteil und ihren persönlichen Machterhalt immer neue Kredite bei diesen Kapitalgebern erbeten, die für einen zugesicherten Zinssatz (den wieder das dumpe Volk, besser bekannt unter dem Namen Stuerzahler erwirtschaften muss) bei diesen immer höhere Zinseinnahmen generierten.
    Umso länger sich diese Verschuldungsspirale dreht, umso höher ist der mögliche Zinsgewinn für die Kapitalgeber.
    Im Grunde ist das ein Dealer-Spritzer Verhältnis.
    Der Dealer liefert Cash, dafür spritzt sich der Staat Wachstum und Wohlstand (Abwrackprämie, Arbeitnehmersparzulage, Wohnungsbauprämie, Entfernungspauschale und viele weitere Steuersubventionen). Der Bürger nimmt gerne an, geklagt sich aber dann, wenn hier alles den Bach runtergeht.
    Kreditfinanzierter Konsum kann auf Dauer eben nicht gutgehen.
    Das weiss jede Privatperson, aber anscheinend nicht unsere bisherigen Wirtschaftsminister. Brüderle war in dieser Beziehung unterirdisch - unterirdischer gehts eigentlich nicht mehr. Aber der hat immer noch eine Schippe tiefer gebudelt.
    Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass das jetzige Finanz- und Wirtschaftssystem der globalen Ausbeutung von Mensch und Ressourcen, uns allen so richtig um die Ohren fliegt. Wir, die wir als Staatsbürger alles so widerspruchslos hingenommen haben, was man uns in den letzten 20 Jahren politisch übergestülpt hat.
    Wir haben hart darauf hingearbeitet und uns dieses Desaster, welches vor uns liegt redlich verdient.
    Mein Opa sagte immer; Bub, wer nicht hören will muss fühlen.


  • @eurobonds: bist du mit deinem kopf an den rettungsschirm gestossen?

  • Diese Partei will ihre Regierungsmacht in der deutschen Politik nicht an eine gemeinsame Regierung in Europa abgeben .
    Deswegen hat Sie den Menschen in Deutschland Angst gemacht , Angst vor den bösen Staaten von Europa .
    Wer die Geister ruft muß nun zusehen wie er damit fertig wird .
    Fr Merkel hat Europa in die Bedeutunglosigkeit geführt .
    Riesen Rettungsschirme und der Euro fällt ins Bodenlose .
    Warum weil keiner mehr an ein Europa glaubt .
    Ist denn schon etwas in Richtung einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung getan worden ?

  • wer ist dafür das wir die schweine einsperren und der schweiz beitreten?

  • Niemand braucht die Parlamentskasper noch die CDU-Kanzlerin
    Meine Erlebnisse, wann auch immer ich bei Phönix die Bundestagsdebatten verfolge:
    üblicherweise sind zu ca. 80-90% leere Sitze zu sehen, d.h. die Abwesenden haben wichtigeres (Nebentätigkeiten) zu tun als ihren "Arbeitsplatz" als gewählte Volksvertreter zu besetzen mit riesigen Gehältern und den unverschämten Pensionsansprüchen in wenigen Jahren.

    Bei den Amtseinführungen werden reihenweise Meineide gesprochen (ohne das jemals jemand dafür bestraft wurde!) weil sie ihre "ganze Kraft" nicht dem deutschen Volke widmen, sondern ihrer Klientel bzw. den Wünschen der Lobbyisten usw.
    Probleme werden nicht gelöst, stattdessen Tage- und wochenlange Debatten ohne überzeugende Ergebnisse wie jetzt wieder beim Euro-Fass ohne Boden- Rettungsschirm.

    Mein Vorschlag:
    Abschaffung aller Parteien und Politikern in allen Bereichen bis runter in die Gemeinden, statt dessen:
    Problemaufzeichnungen und Bearbeitung durch die Einführung von jeweiligen Gremien bestehen aus unabhängigen Mitgliedern mit der jeweiligen bestmöglichen Fachkompetenz!

    Meine Überzeugung, dass so etwas immer nur so funktioniert beruht aus der Tätigkeit in großen Unternehmen.
    D.h. kein noch so gesundes Unternehmen bei uns oder international wird von Politikern geführt, und schon die Probe würde in kürzester Zeit in die Insolvenz führen!!
    Fazit daraus:
    Was ein Unternehmen beschädigt, beschädigt auch eine Volkswirtschaft!!

    Grüsse KK

  • Sowas würde gar nicht mal erst einen Job in der Wirtschaft bekommen, nicht mal als Pförtner. Zu unzureichend sind die Qualifikationen der Meisten.
    Leute mit solchen Qualifikationen wie Diese fahren bestenfalls Taxi im Auftrag von Taxibesitzern. Aber diese Typen wären ja zu blöde, die Ziele zu finden, insofern auch dafür ungeeignet!

  • Der Schuldenschnitt für Griechenland wird kommen! Dann aber werden Merkel und Co. die Banken, die im Kapitalismus das Nachsehen hätten, gerettet haben.

    Es ging immer mit hoher Priorität um die Banken. Wenn aber Unternehmen und ganze Branchen geschützt werden, haben wir keinen Kapitalismus. Wir haben eine Wirtschaftoligarchie, in der die Besitzenden über den Lobbyismus die Regierung für sich arbeiten lassen.

    Die Regierung verscherbelt das Volk an die Banken. Na Klasse.

  • dann kann nur hoffen und beten, egal zu wem, das die cdu es nicht schafft, denn die unfähigste gelb-schwarze truppe seit den letzten 60 jahren, die selbst murks schröder, noch nicht einmal in der hälfte der zeit, um längen geschlagen hat sollte keine verlängerung bekommen.

  • Ja, ein Schuldenschnitt ist gefährlich. Er wird trotzdem kommen. je füher desdo billiger für alle Beteiligten. Merkel dagegen verhält sich wie ein Schuldensünder, der lieber eine neue Kiste für unbezahlte Rechnungen kauft, statt sich mit der Beseitigung eines Problems zu beschäftigen. Das ist nicht Politik auf Sicht - das ist Chaos, Verdrängung und ein aberwitziges Lügenkonstrukt.

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