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Kritik ausländischer Ökonomen „Ifo-Chef Sinn riskiert Euro-Kollaps“

Im Ökonomenstreit über die Euro-Rettung widerspricht Ifo-Chef Sinn den Einwänden von Kollegen und Politikern. Doch die Kritik an seinem Protestaufruf reißt nicht ab. Jetzt melden sich ausländische Ökonomen zu Wort.
10.07.2012 - 12:59 Uhr 79 Kommentare
Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Quelle: Reuters

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

(Foto: Reuters)

Berlin Der Aufruf einer deutschen Ökonomengruppe um den Ifo-Chef Hans-Werner Sinn gegen eine Bankenunion hat nun auch im Ausland heftigen Widerspruch ausgelöst. „Der Brief ist reich an hitziger Rhetorik und arm an sachlichen Details“, sagte Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen der „Financial Times Deutschland“. „Ich halte den Aufruf für zu simpel, unklar und ideologisch“, sagte der Harvard Ökonom Alberto Alesina.
„Dieser Text zeigt kein Verständnis davon, was eine Bankenkrise ist - als ob sie 2008 und in den früheren Krisen geschlafen hätten“, sagte der Genfer Ökonom Charles Wyplosz. „Es würde zum Kollaps des Euro führen, wenn man dem Rat dieser Ökonomen folgen würde“, sagte Harvard-Professor Dani Rodrik.

Hintergrund ist ein offener Brief, der inzwischen von 207 Volkswirten unterzeichnet wurde. Darin hatten sich die Ökonomen um Sinn gegen eine Bankenunion im Euroraum ausgesprochen, die Haftungsrisiken für pleitebedrohte Kreditinstitute den Steuerzahlern in soliden Ländern aufbürdet - und nicht den betroffenen Staaten sowie privaten Gläubiger.

Gegen diese Einschätzung hatten zahlreiche andere deutschsprachige Ökonomen protestiert – mit eigenen Gegenaufrufen. Auch in der Politik wurde Sinns Krisenanalyse zerpflückt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfahl Sinn & Co, erst mal das Kleingedruckte der EU-Beschlüsse zu lesen – von einer zusätzlichen Haftung könne nicht die Rede sein. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich sogar „empört“ und nannte den Appell „unverantwortlich“. Aus dem Dauer-Rettungsschirm ESM sei kein Rettungsschirm für Banken geworden.

Die Volkswirte um den Ifo-Chef verteidigten derweil ihren Brandbrief gegen Kritik aus der Politik. „Wir weisen die Anschuldigung, die Öffentlichkeit sei in unserem Aufruf falsch informiert worden, entschieden zurück“, schrieben Sinn und sein Kollege Walter Krämer von der Technischen Universität Dortmund in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

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    Die Ökonomen widersprachen der Einschätzung der Bundesregierung, dass es keine zusätzliche gemeinsame Haftung für Banken gebe. Sie schreiben dazu, Berlin sei mit dieser Interpretation allein, die eigene Sichtweise werde hingegen auch von den Finanzmärkten geteilt. „Überall auf der Welt wird der Gipfelbeschluss genau so interpretiert.“

    Keine schnelle Entscheidung erwartet

    Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf, hält die Behauptung für abwegig. Indirekt ruft er die Unterzeichner des Sinn-Aufrufs zur Umkehr auf. „Ich würde jedem Kollegen oder Kollegin, die ihren Irrtum einsieht, höchsten Respekt entgegen bringen. Jeder von uns hat schon Fehler gemacht“, schreibt Horn auf seiner Facebook-Pinnwand. „Mir scheint, dass Wolfram Richter aus Dortmund hierfür ein positives Beispiel ist, das ich zur Nachahmung empfehle.“

    Richter hatte den Sinn-Aufruf unterschrieben, sich aber später davon distanziert. Der Brief von Sinn enthalte keine Hinweise zur Lösung der Probleme, sagte Richter laut FTD. Der Aufruf einer dritten gewichtigen Professorengruppe, zu der der Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstituts, Dennis Snower, ebenso gehört, wie die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro und die Professoren Michael Burda, Frank Heinemann, Martin Hellwig, Gerhard Illing und Moritz Schularick sei "in Ton und Inhalt überzeugender". "Der Aufruf erreichte mich leider erst nach Unterzeichnung des Sinn-Aufrufs", so Richter.

    • dne
    • dapd
    • dpa
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    79 Kommentare zu "Kritik ausländischer Ökonomen: „Ifo-Chef Sinn riskiert Euro-Kollaps“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Prof. Barry Eichengreen irrt gewaltig

      Volltext 7 Punkte Kommentar FTD


      1) “Euro steht und fällt ..."

      a) Der Euro ist ein Kunstprodukt, aus Furcht vor einer starken DM

      b) Es verhindert Kursanpassungen über nationale Währungen, je nach Wirtschaft

      c) Prof. Eichengreen, nennen Sie nur EINEN ökonomisch sinnvollen Grund für den EUR!


      2) „...USA eine zentralisierte Aufsicht, ,...“

      Prof. Eichengreen, Sie versuchen zu suggerieren, der Dollar wäre wegen Aufsicht etc. relativ stabil
      Die Wahrheit:
      Ölproduzierende Länder wurden durch die USA beeinflusst, den Dollar als Zahlungsmittel zu fördern.

      „Das Ende des Petro-Dollar?Indien will iranisches Erdöl mit Gold bezahlen“
      youtube.com/watch?v=anf7DCsdI5I

      So wie die USA den Einfluss in diesen Ländern verlieren, wird der Dollar international bedeutungslos. Über den dann folgenden Zusammenbruch des Dollars könnten nationale STAATLICHE Währungen folgen.


      3) „Deutschland … die Ressourcen aufbringen kann, um den Euro zu retten“

      12 Billionen Schulden?
      Bankrott für Deutschland!

      Harald Münzhardt

    • Ich bin Prof Sinn dankbar, dass er die €-Themen endlich aus den Hinterzimmern der Macht in die Öffentlichkeit bringt, wo sie von allen diskutiert werden können, und wo sie auch endlich die Presse wahrnehmen muss, was sie bisher vermieden hat. Schluss mit "alternativlos"! Ihm vorzuwerfen, er käme nur mit einer Analyse/Diagnose, aber keiner Therapie, ist nicht seriös. Man sollte erst einmal über die Analyse/Diagnose diskutieren. Besteht darin Einiggkeit ist es der Schweiß der Edlen wert, über verschiedene Wege incl Zeitachsen zu diskutieren. Möglicherweise muss / sollte das Volk befragt werden, weil m.E. die möglichen Therapien alle mehr oder weniger schmerzhaft sein werden, weil die Politik seit 2010 einfach mit dem Kopf gegen die Wand rennt und es seitdem täglich teurer wird, nach Türen zu suchen.

    • Jetzt haben sie ja endlich 207 Schuldige am Euro-Desaster.

    • Wir sitzen in der Falle – und wer das zugibt stinkt.

      Variante 1:
      Entweder wir stimmen direkten und indirekten Transfers zu, die auf alle absehbare Zeit ganz wesentliche Teile unseres Wohlstandes an die schwächeren EU-Länder (und deren Banken!) abführen

      o d e r

      Variante 2:
      Europa fliegt auseinander, die Krisenländer stürzen ab und wir müssen unsere gewährten Hilfen für immer und die eigenen Wachstumsaussichten für eine längere Zeit abschreiben.

      Weil Variante 2 den pro-europäischen Eliten, Banken und Krisenländern untragbar erscheint, wird sie von ihnen dramatisiert, was nicht schwer fällt, weil das ja leider einen sehr wahren Kern enthält.

      Vor allem versuchen sie aber auch wider besseres Wissen die Kritik an Variante 1 abzuwürgen.
      Das Handelsblatt stellt zur Argumentation von Prof. Sinn fest, „dass es selbst gewieften Fachpolitikern schwerfallen dürfte, zu widersprechen.“ Deshalb wird ja auch nicht wirklich widersprochen, zumindest eben NICHT INHALTLICH. Stattdessen Angriffe auf die Person („Nationalist“) Moralkeulen („unverantwortlich“, fremdenfeindlich“) inhaltsleere Kritik („Idiologie, Stammtisch-Stil“).

      Der Entrüstungssturm gegen Herrn Sinn stürmt gezielt an der Sache vorbei.

      Über den populistischen Ton des Aufrufs kann man streiten (wenn das wirklich wichtig ist), man kann die Wahrheit sicher auch diplomatischer ausdrücken. Allein: Da wurde immer weggehört.
      Und nicht zuletzt war das ja auch kein Aufruf an Wissenschaftler oder Fachpolitiker, sondern ein Weckruf an den, der alles bezahlen soll: An den Deutschen Michel.

    • Wer widerufet, der soll von der heiligen Euro-Inquisition verschonet bleiben - Amen...

    • Wir sind Prof. Sinn und allen Ökonomen, die sich seiner Meinung anschließen, zu großem Dank verpflichtet. Sie zählen zu der Elite unseres Landes und nicht die Pseudoeliten, die, koste es was es wolle, das Euro-Wunschkonzert, das aber auch überhaupt nichts mit dem europäischen Gedanken und seiner Europa-Hymne zu tun hat, weiter bedienen wollen. Hoffen und beten, dass BP Pfarrer Gauck den richtigen Weg beschreitet, zum Wohle des Volkes - so wie es seine Vorgänger getan haben, auch wenn sie dadurch evtl. Nachteile hatten. Und das Bundesverfassungsgericht gibt den Klägern hoffentlich recht, denn auch die Richter sind Bürger dieses Landes - und nicht des Auslandes, die sich jetzt auch noch versuchen einzumischen. Gute Nacht!

    • es ist nicht herrn sinns aufgabe, voeschlaege zur loesung eines problems zu machen, fuer das es keine loesung gibt. falls ein einzelner oekonom, durch seine oeffentlich geaeusserte meinung den euro kollabieren lassen kann, scheint mir diese waehrung wahrlich nicht stabil genug.

    • Solange Geld aus dem Nichts erzeugt werden kann, unterlegt mit 1% Mindestreserve der Bank, und mit diesem Geld dann munter spekuliert werden kann, solange wird so ein System
      immer letzten Endes kollabieren.
      Der Bürger der haften soll muß sich dazu im Gegensatz sein
      Einkommem im Schweiße seines Angesichts verdienen.
      Tolles System,wenn Du auf der richtigen Seite stehst.

    • Ich kann Ihre Resignation sehr gut verstehen. Folgen Sie der Spur des Geldes und Sie wissen wer Ihnen schaden will. Das galt schon immer. Wer will Ihnen Ihr Geld, Ihr Hab und Gut und Ihre Freiheit wegnehmen.

      Es ist nicht kompliziert nur verwirrend.

    • Ein prächtiges Beispiel für den alterhwürdigen Spruch:

      "Darüber streiten sich die Gelehrten."

      Wie sollen dabei wir,als "Otto Normalverbraucher", uns vernüftig zwischen den widersprüchlichen An- und Einsichten der Koryphäen beider Lager positionieren können?

      Ich für mein Teil habe dies nun aufgegeben und fahre nach der Devise fort : "Abwarten und Tee trinken".

      Wir werden ja sehen,ob wir nun wollen oder nicht.

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