Bewerten Sie uns Beantworten Sie drei Fragen und helfen Sie uns mit Ihrem Feedback handelsblatt.com zu verbessern. (Dauer ca. eine Minute)
Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kritik Flassbeck spottet über Krisenpolitik

Er berät Regierungen in aller Welt und sitzt bei G20-Treffen mit am Tisch: Der Ökonom Heiner Flassbeck kritisiert das Krisenmanagement europäischer Spitzenpolitiker. Auch an Angela Merkel lässt er kein gutes Haar.
6 Kommentare
Heiner Flassbeck, Leiter der Abteilung

Heiner Flassbeck, Leiter der Abteilung "Globalisierung und Entwicklungsstrategie" bei der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung.

(Foto: dapd)

Brüssel Der Ökonom Heiner Flassbeck spricht den zentralen Akteuren in der Euro-Krise ausreichenden Sachverstand und echtes Problembewusstsein ab. "Wir haben nicht die Politiker, die in der Lage wären, diese Krise zu managen", sagte der Chefvolkswirt der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD). Umso bedenklicher sei, dass ohne lange Vorlaufzeit ständig neue, mit erheblichen Risiken behaftete Anti-Krisen-Instrumente getestet würden. "Wir schaffen dauernd mächtige Maschinen und haben keinen, der sie bedienen kann", warnte Flassbeck. "Irgendwann werden die Maschinen so gefährlich, dass man sie abschalten müsste."

Wirklich inhaltliche Diskussionen über die besten Krisenstrategien führten die verantwortlichen Spitzenpolitiker selbst untereinander kaum, kritisierte Flassbeck, der Regierungen in aller Welt berät und auch bei den Treffen der G20-Finanzminister häufig mit am Tisch sitzt. "Ausgetauscht werden vor allem Plattitüden, die Zeit für tiefer gehende Analysen nimmt sich keiner. Da geht es vor allem darum, sich politisch durchzusetzen." Gleiches gelte für die Treffen der EU-Finanzminister im sogenannten Ecofin-Rat: "Selbst im Ecofin sitzen sich 27 Delegationen gegenüber, spulen ihre Positionen herunter, das allein dauert fünf Stunden - und dann ist oft Schluss."

Auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) lässt Flassbeck, der die Euro-Krise nach eigenen Worten schon vor 15 Jahren vorhergesagt hat, kein gutes Haar. "Wie oft hat die Kanzlerin in den vergangenen Jahren mal die besten Ökonomen der Welt um sich versammelt und zwei, drei Stunden konzentriert mit ihnen über die Krise beraten? Oder Schäuble? Meines Wissens nie!" Im Ergebnis fehle es den Handelnden in Detailfragen an Sachkompetenz, Entscheidungen würden viel zu oft "aus dem hohlen Bauch" getroffen. "Das ist dann so, als wenn man mit Laien über Atomphysik spricht", spottete Flassbeck, der in den 1990er Jahren kurzzeitig als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium tätig war.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dapd
Startseite

6 Kommentare zu "Kritik : Flassbeck spottet über Krisenpolitik "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nun, da sagt Flassbeck ja nichts Neues.

    Wenn Kohl etwas von Wirtschaft verstanden hätte, hätte er den Euro ablehnen müssen. Es hätte allerdings schon genügt, wenn er nicht in Österreich sondern in Italien öfters Urlaub gemacht hätte. Auch ihm hätte dann auffallen müssen, dass die Italiener alle drei bis vier Jahre gegenüber der DM kräftig abgewertet haben. Wie kann also für zwei so unterschiedliche Volkswirtschaften und soziale Systeme eine gemeinsame Währung funktionieren? Geht nicht, wäre dann auch Kohls Erfahrung gewesen. Und auch Frankreich musste in gewissen Abständen gegenüber der DM abwerten. Aber so wurde eben über etwas entschieden, von dem man keine Ahnung hat. Geht manchmal gut, hier aber ist es absolut schief gegangen. Und die Aufnahme von Griechenland durch Schröder und Fischer war dann das absolute Chaos. Mit Merkel und der Euro-Krise scheint es leider ähnlich zu laufen. Anscheinend ist bei den Politikern der Hang zu Fehlentscheidungen "alternativlos".

  • Hallo,
    "Europa" und auch der "EURO" müssen nicht schlecht sein:
    Bei den "Vereinigten Staaten von Europa" existieren keine Nationalstaaten mehr und alle Macht geht nach Brüssel.
    Bei der "Union der Staaten von Europa" bleiben die Nationalstaaten existent und Brüssel wäre ein Ort an dem sich die nationalen Staatschefs abstimmen.
    Der EURO könnte, ähnlch wie seinerzeit der ECU, eine Währung sein, innerhalb der von nationalen Umrechnungen zum Tragen käme (D z.B. 1 :1,95583).
    Damit wären beide Hauptfehlerquellen relativ schnell zu beseitigen, ohne dass eine EU weite Bürgerverelendung stattfinden müsst.

  • Nun hat er ja wie wir alle,über Jahre von außen
    beim Fehler machen zugeschaut..
    Dann zu einer Gesamtanalyse zu kommen,fällt dem größtem
    Deppen nicht mehr schwer..

  • Es ist noch schlimmer als Heiner Flasbecks Vergleich des Gesprächs mit dem Laien über Atomphysik. Um im Vergleich zu bleiben, kann der Laie hier sogar eigene Kernkraftreakoren für höchst anspruchsvollen Fusionsprozessen planen und inbetriebnehmen. Einen davon hat bereits Kohl mit der EURO Union inbetriebgenommen. Bei den Planungen wurde der Gau als Endziel gleich mitinstalliert. Nur die Terminierung wird zur Zeit künstlich verlängert.
    Was Flasbeck in dem Artikel äussert, denken wahrscheinlich viele, nur haben die bei solch öffentlichen Äusserungen auch viel zu verlieren. Das Problem ist, dass die Politiker als Entscheidungsträger immer tiefer in eine subjektiv unumkehrbare Situation begeben, die den Schaden bei einem Ausstieg immer weiter vergrösserst. Das macht den grösst möglichen Schaden am Ende der Sackgasse wahrscheinlicher.

  • Ist ja alles gut und schön was Herr Flassbeck hier ablässt, aber wie sieht denn seine Lösung aus? Zurück zu Nationalwährungen? Noch mehr Geld noch schneller verheizen? Sämtliche Banken verstaatlichen und Luftgeschäfte jeglicher Art verbieten?
    Was will er?

  • Frau Merkel ist einsame Kapitänin auf dem Dampfer "Angela Merkel". ALle sind von Bord. Einen Job würde sie nichtmal als Team-Leiterin in Deutschland bekommen wegen Unfähigkeit zu Diskurs und Konsens. Jeder Personal-Chef würde das merken und sie ablehnen. Auch das "Koalitions-Theater" ist "Haschisch fürs Volk", Rösler spielt da wunderbar mit in Merkels Sinne.

    Frau Gertrud Höhler hat das ganz richtig beschrieben, Merkel lässt alles ins Leere laufen und agiert nur noch aus der 3. Reihe. Und genau solche Leute versammelt sie auch nur noch um sich aus der 3. Reihe.

    Ihre 1-Frau-Politik ist auch gefährlich für Deutschland, weil sie dadurch willkürlich und erpressbar wird. Sie hat sich ja schon wieder allein entschieden, Griechenland 2 Jahre mehr Zeit zu geben zu sparen. Na, dann soll sie's auch allein bezahlen ! Die CDU-Mitglieder hängen eingewickelt im "Merkel-Spinnen-Netz" und bewegen sich nicht. CDU adieu !

    Donnerstag kommt Hollande ins Kanzler-Amt um ihr auszurichten, dass sie Freitag grosszügig zu sein hat gegenüber Samaras, der dann Deutschland einen Besuch abstattet aus Athen. Hoffentlich bezahlt er die Hin- und Rückflüge selbst mit griechischem Geld oder bezahlt das auch wieder Deutschland ? Griechenlands Wirtschaft geht gegen "0", Steuereinnahmen "0", Rüchzahlund Schulden gegen "0". Und der laufende Staat wird auch noch von aussen finanziert. Abartig - Drachme, fertig !

    Frische Luft sollte Samaras mal im Finanzamt von Athen schöpfen und dort seinen Schreibtisch aufstellen.

    Gertrud Höhler Beraterin von Helmut Kohl und hat jetzt ein Buch über das Merkel-System rausgebracht. In der FAZ gab Sie ein Interview:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-politikstil-der-kanzlerin-das-system-m-11841711.html

    "Das System - M". Augen öffnender Artikel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%