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Kritik von Grünen und Kulturrat Zweifel an Kompetenz des Verkehrsministeriums für die Games-Förderung

Verkehrsminister Andreas Scheuer ist auch zuständig ist für die Förderung von Computerspiele-Entwicklern. Das halten die Grünen für absurd.
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Viele Produktionen stammen aus dem Ausland. Quelle: dpa
Gamescom

Viele Produktionen stammen aus dem Ausland.

(Foto: dpa)

BerlinEine stärkere Förderung von Spiele-Entwicklern in Deutschland hat sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt. Die Richtlinien dafür sollen dort erarbeitet werden, wo bislang die Zuständigkeit für den Computerspiele-Preis beheimatet war: im Bundesverkehrsministerium. Doch nun regen sich Zweifel an der Kompetenz des Ressorts von CSU-Politiker Andreas Scheuer für die Games-Förderung.

Es stelle sich die Frage, „bei welchem Erfolgsprojekt sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die erforderliche Kompetenz erarbeitet hat, die Games-Förderung zu betreuen“, sagte die Grünen-Digitalpolitikerin Tabea Rößner dem Handelsblatt. „Etwa dem Breitbandausbau? Das würde ich mir nicht auf die Fahne schreiben.“

Dabei ist der Handlungsbedarf im Bereich Computerspiele unbestritten, wie aktuelle Zahl zeigen, die vor kurzem im Rahmen der Spielemesse Gamescom in Köln veröffentlicht wurden. Laut Branchenverband Game wuchs der Markt im ersten Halbjahr um 40 Prozent auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro in Deutschland. Der Anteil an „Games made in Germany“ sackte jedoch weiter ab und liegt nun bei unter sechs Prozent.

Das Verkehrsministerium will nun die für die Games-Förderung erforderlichen Kompetenzen bündeln. Der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) betonte auf die Expertise seines Ministeriums. Er verwies etwa auf die in den vergangenen Jahren „inhaltliche und administrative Abwicklung von Fördervorhaben im Kontext der Digitalisierung“.

Zum anderen verfüge das Ministerium „durch die jahrelange Betreuung des Deutschen Computerspielepreises vertiefte Kenntnisse der Games-Branche“, heißt es in einem Schreiben Bilgers an Rößner, das dem Handelsblatt vorliegt. Laut Bilger erarbeitet das Verkehrsministerium derzeit die Richtlinie für die Games-Förderung. „Dabei werden künstlerische Kriterien berücksichtigt.“

Die Grünen-Politikerin Rößner zeigte sich verwundert über die Argumentation Bilgers. Wenn „vertiefte Kenntnisse“ im Ministerium vorhanden seien, wieso werde dann der Computerspielepreis ab dem kommenden Jahr wieder vom Kanzleramt koordiniert, fragte sie. „Sollte dieser Logik folgend nicht eigentlich die gesamte Computerspielförderung über das Kanzleramt abgewickelt werden, analog zur Filmförderung, die nun endlich wieder aus nur einer Hand kommt?“

Wirtschaft oder Kultur?

Für einige sei die Games-Förderung ohnehin mehr Wirtschaftsförderung als Kulturförderung und somit im Wirtschaftsministeriums unterzubringen. „Im Verkehrsministerium hat die Computerspiel-Förderung jedenfalls nichts zu suchen“, sagte die Grünen-Politikerin.

Das sieht auch der Deutsche Kulturrat so. „Der Computerspielepreis wie auch die Games-Förderung gehören in das Haus der Kulturstaatsministerin, weil es sich um eine Kulturförderung handelt“, sagte der Geschäftsführer des Spitzenverbands der Bundeskulturverbände, Olaf Zimmermann, dem Handelsblatt. Leider habe die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in der vergangenen und in dieser Legislaturperiode nicht zugegriffen. „Das war ein Fehler.“

Zimmermann sieht auch in der Struktur des Zuständigkeitsbereichs von Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär, einen Grund dafür, dass die Games-Förderung nun bei Minister Scheuer angesiedelt ist. Dieser sei „winzig klein“, sodass sie offenbar die Games-Förderung personell und finanziell nicht stemmen könne.

„Deshalb kommt dieser Unsinn zustande“, sagte der Kulturrat-Geschäftsführer. „Der einzige richtige Weg wäre, wenn Kulturstaatsministerin Grütters die Games-Förderung in ihr Haus holen würde und den vorgesehenen Etat für die Games-Förderung vom Bundesverkehrsministerium erhielte.“

Die Höhe der Förderung steht bislang nicht fest. „Im Herbst werden wir im parlamentarischen Verfahren sehen, wie viel Geld für Computerspiele in den Haushalt 2019 eingestellt wird“, sagte die Digital-Staatsministerin Bär kürzlich dem Handelsblatt.

Der Verband Game hatte bereits in einem eigenen Förderkonzept seine Vorstellungen in die Diskussion eingebracht. Die Summe von 100 Millionen Euro, die der Game dort vorschlägt, „klingt für mich realistisch“, sagte Bär.

Die CSU-Politikerin betonte, sie halte eine „zielführende und effiziente Förderung für Computerspiele sowie die spezifische Förderung von Games-Technologie für sehr wichtig“. Daher sollten nun bessere Fördermodelle schnell auf den Weg gebracht werden. Wie die Staatsministerin weiter erklärte, sollen damit sowohl große als auch kleine Studios profitieren.

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