Kritische Stellungnahme Ökonomen streiten über Euro-Krisenpolitik

Der Aufruf von 160 Professoren gegen die jüngsten EU-Beschlüsse zur Euro-Rettung stößt bei Kollegen auf scharfe Kritik. Ökonomen unterschiedlicher Denkrichtungen haben mit einer kritischen Stellungnahme reagiert.
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Ein Graffiti an der Kunstakademie in Berlin. Quelle: Reuters

Ein Graffiti an der Kunstakademie in Berlin.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/LondonDie Beschlüsse des EU-Gipfels aus der vergangenen Woche haben einen heftigen Streit unter prominenten deutschsprachigen Ökonomen ausgelöst. 160 Wissenschaftler haben in einem offenen Brief, den die "FAZ" gestern im Internet veröffentlicht hat, vor allem den Schritt in die Bankenunion verurteilt. Sie bedeute "eine kollektive Haftung für die Schulden der Banken des Eurosystems".

Ganz ähnlich hatte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, der ebenso wie IZA-Chef Klaus Zimmermann und Harald Uhlig aus Chicago zu den Unterzeichnern des Briefes zählt, zu Wochenbeginn in einem Interview mit dem Handelsblatt argumentiert. Nicht der Euro, sondern ausländische Banken seien durch den Gipfel gerettet worden.

Ökonomen unterschiedlichster Denkrichtungen wie der ehemalige Vorsitzende des Sachverständigenrates Bert Rürup, der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, und der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, distanzierten sich in einer Stellungnahme, die dem Handelsblatt vorliegt (siehe diese Seite), deutlich von den Aussagen ihrer Kollegen. In deren Text würden Ängste und Emotionen vor einer Bankenunion geschürt, ohne dass dies mit den erforderlichen Fakten unterlegt werde.

Schon vor seiner Veröffentlichung in der "FAZ" hatte der erste Aufruf unter deutschen Volkswirten heftige Diskussionen ausgelöst. So hatte der konservative Bonner Geldpolitiker Manfred J.M. Neumann die Unterzeichnung des Aufrufs abgelehnt. "Abgesehen von der Tonlage hat der Aufruf klare Schwächen der Argumentation", schrieb Neumann in einer Mail an die Initiatoren.

"Der Text genügt nicht den Ansprüchen eines Ökonomen"
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157 Kommentare zu "Kritische Stellungnahme: Ökonomen streiten über Euro-Krisenpolitik"

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  • Wenn man den ökonomischen Sachverstand und dem Urteilsvermögen dieser Herren beurteilen will, muss man sich nur die Statements zur Handelsblatt-Aktion "Wir kaufen griechische Staatsanleihen!" vom 3.5.2010 ansehen:

    "Ich habe Anfang des Jahres griechische Staatsanleihen gekauft und werde im Vertrauen auf das Greifen der Unterstützungsmaßnahmen weiterhin griechische Bonds kaufen. ... . Ein ähnlicher Fehler wäre es, einen Staatsbankrott Griechenlands zuzulassen. Die letzte Finanzkrise ist noch nicht überwunden, und eine erneute Verunsicherung auf den Finanzmärkten können wir uns definitiv nicht erlauben. Und schlimmer noch wäre die mit dem Staatsbankrott eines Eurolandes verbundende Gefährdung der großen und richtigen Idee der europäischen Gemeinschaftswährung. Griechenland aus der Eurogemeinschaft heraus zu drängen, ist allenfalls eine akademische Option aber definitiv keine sinnvolle realpolitische Lösung. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Unterstützung dieses Landes und damit der Beitrag Deutschlands nachhaltig Erfolg haben wird. Denn ich bin von der Ernsthaftigkeit der griechischen Regierung, ihren Staat zu sanieren, ebenso überzeugt wie der wachsenden Einsicht der Griechen in die Notwendigkeit der auf den Weg gebrachten scharfen Maßnahmen." Bert Rürup

    "Ich habe griechische Anleihen gekauft, weil ich als Bürger eines europäischen Staates das Schicksal unserer Währung nicht in den Händen von Spekulanten lassen kann. Die Idee eines gemeinsamen Europas basiert auf der gemeinsamen Verantwortung und der Solidarität aller seiner Bürger." Gustav Horn (IMK).

    "Ich finde es gut, für Griechenland Partei zu ergreifen. Aber den Kauf griechischer Staatsanleihen kann ich nicht guten Gewissens empfehlen. Stattdessen empfehle ich, in Griechenland Urlaub zu machen. Da weiß man, dass man etwas für sein Geld kriegt." Hans-Werner Sinn, Ifo-Chef.

    Hier zeigt sich genau, wer die Sachlage richtig beurteilen kann und wer lediglich ein Lobbyist oder Dummschwätzer ist.

  • @hallo hardie67

    eine vorerst überbewertet erscheinende DM führt zu einem gewaltigen Inlandsnachfrageschub. Zudem lässt sich der Schuldeneurorotz leichter abbauen.
    Aufgrund einer gesunden Währung bzw Ausgabepolitik kam ein Land nohc nie ins Schleudern.
    Billlig erstandene Rohstoffe gleichen Währungsbewertungen letztendlich aus.

    Ist für hiesige Euro Goofies eigentlich die Belastung alleine durch Griechenland, Zypern, Spanien und Portugal vorstellbar ?. Definitiv: in GR existiert weder eine funktionierende Steuerverwaltung noch ein sauberes Bankenkontrollsystem. Kapito ?

  • Alles vollkommen richtig sehe ich auch so, Bankenregulierung ist eines der Zauberwörter, wer nicht pariert, wird verstaatlicht. Gegen Zocker ist meines Erachtens nichts einzuwenden solange sie mit EIGENEM GELD und auf EIGENES RISIKO spekulieren und NICHT in AGRAR-ROHSTOFFEN. Börsensteuer ist UNSINN da sie früher oder später zu einer 2. MEHRWERTSTEUER wird.
    Habe noch wesentlich mehr Gründe in meinem ausführlichen Kommentar FINANZTRANSAKTIONSSTEUER Teil 1-3 unter
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nebelkerze-der-politik-keine-eierlegende-wollmilchsau/6734386-2.html

  • Gebt Euch die Hand und seid friedlich

  • Wenn der Vorwurf von Prof. Rürup lautet, der Text der der Stellungnahme der 170 „genüge nicht den Ansprüchen eines Ökonomen“ dann übersieht der werte Mann, dass die Ökonomen schon seit einiger Zeit nicht mehr den Ansprüchen der Realität genügen.

    Der Vorwurf der Stammtischhaftigkeit des Textes zieht auch nicht wirklich: Hier äußern sich Ökonomen nicht in erster Linie als Ökonomen, sondern politisch über bei weitem nicht nur ökonomische Sachverhalte; schließlich unterstellt man ja auch der Bundeskanzlerin nicht, sich physikalisch zu dem Thema zu äußern.

    Viel gravierender als die derzeit noch hypothetische Haftung der „deutschen Sparer“ etc. für die Banken ist die schon real vereinbarte Gleichstellung des ESM (Steuergelder) mit anderen Gläubigern bei der Hilfe für spanische Banken. Hier zeigt sich der verhängnisvolle Weg. Da hilft es auch nicht wenn ein Herr Storbeck schreibt : „Und mir wäre neu, wenn für sämtliche Schulden der Geldinstitute gehaftet werden würde.“, sondern meint, es solle mit einem erst zu bildenden europäischen Einlagensicherungsfond nur für die Einlagen gehaftet werden.

  • Eine gesamtschuldnerische Haftung aller Europäer für ein Europa, wird sich mit dem verabschiedeten vorausgegangen ESM Vertrag sicher vorangehen. Chancen und Risken, zwei Medallen. Ökomisch gesehen wird sich in der Kapialbeschaffung der Wirtschaftsupjekte und in Ihrer Verwendung und Verteilung demographisch einiges verschieben. Natur,Produkt,Geld. Kurz inder Mittelfristigkeit werden sich Staaten wieder an Ihre Währung gewöhnen müssen, Wir stehen ein, die Zeit einer Welt mit neuen Marktteilnehmern und Verteilung steht an, mit Kamp um Ressourcen Gewinnung und Staatschulden Abbau, und der Haftung aller, wie gewünscht. Werden wir Verschmelzen? Der ESM ist ein Richtiger Schritt objektiv in diese der Richtung.Wer auch immer darüber entschieden hat.Von der Antike bis Heute gibts pararellen, wohin es Hinlaufen soll, muss?

  • @barnie

    Stimme Ihnen zu. Es ist nur leider erschreckend, wie einige Menschen hier Regierungspropaganda nachplappern, ohne dazu irgendwas Handfestes bieten zu können.
    Irgendwelche Propagandabeauftragten der "dunklen Clique" werfen Horrorszenarien in den Raum, für die sie keine Belege haben, und einige Forenschreiber verunglimpfen dann jeden, der sich davon nicht einlullen bzw. erschrecken lässt, als paranoid, Verschwörungstheoretiker und noch Schlimmeres. Das nervt irgendwie....

  • @brasso

    Sie müssen mir nix verzeihen. Da kann ich bei Leutchen wie Ihnen gerne drauf verzichten. Und wenn Sie schon von Horizont reden: Bei Ihnen reicht es scheinbar nur zur Übernahme des Geplappers aus Zeitungen - wie Sie ja selbst zugeben.
    Wenn Sie über diesen Punkt mal hinaus sind und selbst mal das Eine oder Andere erkennen, dann können Sie sich gerne nochmals melden.... ;-))

  • @brnie

    Ich möchte mich nicht streiten, sondern Meinungen austauschen um meine Meinung bestätigt zu sehen, oder eines Besseren belehrt werde.

    Was Macht angeht, bin ich mir dessen durchaus bewußt, dass die Politik zur Zeit noch von den "Märkten", wer auch immer dahinter steckt, am Nasenring durch die Manege getrieben wird.
    An anderer Stelle schrieb ich, dass ich für diese Methoden bin, damit die Politik wieder das Heft in die Hand bekommt. Da ist die Bankenregulierung der erste Schritt. Weitere Schritte wie Börsensteuern, Derivate nur noch geprüft, Schattenbanken an einen Handelsplatz bringen und Investmentbanking trennen vom traditionalem Bankgeschäft.

    Es gibt viel zu tun. Ich sehe es nicht ein vor irgendwelchen durchgeknallten Zockern den Schwanz einzuziehen. Wie die "Märkte" dereguliert wurden, lassen sie sich auch wieder regulieren.

    Der Skandal mit dem manipolierten Libor (Barclay und Konsorten) und die eröffnete Strafverfolgung finde ich viel spannender als die Äusserungen von Herrn Sinn. Ein Zeichen für die Abgehobenheit der Gotteswerkler.


  • @ brasso
    @ hardie

    Leute es hat doch keinen Sinn uns gegenseitig hier fertig zu machen, absolute Zeitverschwendung.
    Lasst uns das tun, was uns weiter bringt und das ist Fakten und gute Argumente austauschen, dann kommen hier nämlich alle auf den Trichter und das wollen wir doch oder nicht ?

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