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KZ-Gedenkstätte Obama: „Wir müssen wachsam sein“

Präsident Barack Obama hat Deutschland in Richtung Normandie verlassen. In Erinnerung bleiben wird vor allem sein Besuch des NS-Konzentrationslagers Buchenwald. Sichtlich ergriffen hatte Obama nach seinem Rundgang gesagt: "Was ich hier gesehen habe, werde ich nicht vergessen." Und wieder hat Obama ein Zeichen gesetzt.
Präsident Barack Obama kurz vor seinem Abflug aus Deutschland. Quelle: dpa

Präsident Barack Obama kurz vor seinem Abflug aus Deutschland.

(Foto: dpa)

HB BUCHENWALD. Am Ende dieses eindringlichen Tages, der vom Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald geprägt war, blickte Präsident Barack Obama in amerikanische Gesichter. Zahlreiche Familien von US-Soldaten winkten Präsident Barack Obama zum Abschied zu, als er in Ramstein in die Präsidenten-Maschine „Air Force One“ einstieg - und seinen eintägigen Deutschland-Besuch beendete. Im Landstuhler US-Militärhospital - dem größten außerhalb der USA - hatte Obama Soldaten besucht, die im Kriegseinsatz im Irak und Afghanistan verletzt wurden. Der Besuch fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Nach seiner letzten Station im US-Militärkrankenhaus im pfälzischen Landstuhl fliegt Obama nun nach Frankreich weiter. Dort will er am Samstag in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten teilnehmen. In Deutschland hatte er zuvor Dresden und die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar besucht.

Gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erinnerte Obama an die Gräuel des Nationalsozialismus, aber auch an Versöhnung und Aufbau nach dem Krieg. Sichtlich berührt von den Eindrücken eines einstündigen Rundgangs im ehemaligen Nazi-Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar bekräftigten beide, als Lehre aus der Katastrophe des Holocausts müsse weltweit für Toleranz, Demokratie und Menschlichkeit eingetreten werden.

In Dresden hatten Merkel und Obama zuvor gemeinsam in der Frauenkirche gebetet, die als Symbol für das Leid der Deutschen im Krieg, aber auch den Willen zum Wiederaufbau und zur Versöhnung steht. Zum Auftakt des zweiten Deutschlandbesuchs von Obama als US- Präsident untermauerten beide Politiker ihren Willen zu enger Partnerschaft. Obama und Merkel betonten, sie lägen bei der Überwindung der internationalen Krisen auf einer Linie.

Eindrücklich in Erinnerung dürfte der Besuch des Präsidenten im Konzentrationslager Buchenwald geblieben sein. Dort waren von Juli 1937 bis April 1945 rund eine Viertelmillion Menschen aus allen europäischen Ländern inhaftiert. Die Zahl der Opfer wird auf mindestens 56.000 geschätzt. Obama und Markel hatten einen Teil des Lagers besichtigt, darunter auch das Krematorium, in dem unzählige Juden verbrannt wurden.

Der US-Präsident sagte nach dem Besuch der Gedenkstätte Buchenwald: "Ich werde das, was ich hier gesehen habe, nicht vergessen. Dieser Ort lehrt uns, dass wir stets wachsam bleiben müssen, damit sich das Böse nicht verbreitet." Der Ort sei immer noch voller Schrecken und der Beweis dafür, dass die Leugnung des Holocaust nicht richtig sei. Die Erinnerung müsse wach gehalten werden. "Wir müssen wachsam sein, dass so etwas nie wieder passiert." Der US-Präsident dankte dem deutschen Volk dafür, wie es mit seiner Vergangenheit umgeht. Dies richtete sich auch gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der wiederholt den millionenfachen Mord an den Juden in Abrede gestellt hat.

Obama erinnert an seinen Großonkel, der im April 1945 an der Befreiung eines Außenlagers beteiligt war. Was dieser dort als "junger Mann" erlebt habe, sei für den Bruder seiner Großmutter ein "großer Schock" gewesen. Nach der Rückkehr in die USA habe er eine schwere Zeit gehabt. Als junger Mann hätten ihn die Berichte seines Onkels sehr beschäftigt, fügt Obama hinzu.

Merkel betonte, es sei Teil der deutschen Staatsräson, die Erinnerung an die Schoah wachzuhalten. Es gelte aber auch, im Gedächtnis zu bewahren, dass große Opfer erbracht worden seien, um Deutschland vom Nationalsozialismus zu befreien. Sie dankte den Amerikanern, den übrigen Alliierten und den Widerstandskämpfern.

Die bewegendste Ansprache hielt Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der selbst Insasse des Lagers war und dort seinen Vater verloren hatte. Mit leisen, aber eindringlichen Worten appellierte der 80-Jährige: "Die Zeit ist gekommen, wir wollen nicht mehr auf Friedhöfe gehen. Es gibt genug Waisen, es gibt genug Opfer." Die Menschen müssten entschlossen sein, aufeinander zuzugehen, um dafür zu sorgen, dass das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Neuanfangs sei. In Buchenwald waren 56 000 Menschen aus 36 Länder ums Leben gekommen.

Zum Auftakt seines zweiten Deutschland-Besuchs innerhalb von neun Wochen hatte Obama entschieden Darstellungen zurückgewiesen, dass sein Verhältnis zu Merkel getrübt sei: "Dies sind Spekulationen ohne konkrete Tatsachen." Das knappe Programm in Deutschland begründete er damit, dass "ein Tag nur 24 Stunden hat".

Merkel sagte, auch bei unterschiedlichen Sichtweisen hätten sie und Obama immer eine gemeinsame Lösung erzielt. Anders als noch in Baden-Baden im April suchte Obama aber in Dresden nicht den Kontakt mit den Bürgern. Die Innenstadt war hermetisch abgeriegelt.

Merkel hatte zu Beginn des Kurzbesuchs in Dresden deutsche Hilfe zur Lösung des Nahost-Konflikts versprochen. Sie wertete Obamas Angebot an Muslime zur Versöhnung als bedeutend. „Die Rede gestern war so etwas wie ein Türöffnen auch gerade in die arabische Welt“, sagte die Kanzlerin. Nun müsse es konkrete Schritte geben. Obama betonte, Washington sei fest entschlossen, das Problem anzugehen.

Nachdem Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erhebliche Vorbehalte gegen die Aufnahme von Häftlingen aus dem US- Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba in Deutschland geäußert hatte, zeigte sich Merkel gesprächsbereit. Sie sei überzeugt, dass es eine Lösung geben werde. „Deutschland hat sich immer dafür eingesetzt (...), dass Guantánamo geschlossen wird.“ Derzeit gebe es Gespräche von Schäuble mit der US-Regierung. Obama sagte, Merkel habe sich „sehr offen“ gezeigt. Es habe aber keine konkreten Zusagen gegeben. Obama sprach von sehr „komplexen Fragen“.

Obama zeigte sich optimistisch, dass die USA beim Klimaschutz eine Führungsrolle übernehmen können. „Wir müssen entscheidende Schritte festlegen“, um eine große Katastrophe zu verhindern.“ Er verwies darauf, dass es in seinem Land Fortschritte gegeben habe.

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