Längere Laufzeiten Atom-Konzept der Regierung stößt auf massive Kritik

Ende eines langen Ringens: Die Koalition hat sich auf einen Atom-Kompromiss geeinigt. Demnach bleiben die 17 Kernkraftwerke im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz, das letzte soll bis 2040 laufen. Im Gegenzug werden die Stromkonzerne zur Kasse gebeten. Atomkraftgegner kann das nicht besänftigen, die Opposition droht mit Verfassungsklagen.
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Kernkraftwerk Grohnde an der Weser. Quelle: dpa

Kernkraftwerk Grohnde an der Weser.

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HB BERLIN. Nach monatelangem Atom-Poker haben sich die Spitzen von Union und FDP am Sonntag auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke verständigt. Die 17 Atommeiler sollen im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant - gestaffelt nach älteren und jüngeren Kraftwerken. Das teilten Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Abend nach knapp zwölfstündigen Verhandlungen im Kanzleramt mit.

Im Gegenzug werden die Stromkonzerne mit Milliarden-Zahlungen auch für den Ausbau von Öko-Strom zu Kasse gebeten. Röttgen sprach hier von einem „substanziellen Beitrag“ für erneuerbare Energien, Brüderle nannte einen Betrag von bis zu 15 Mrd. Euro. Atomkraftgegner reagierten empört auf den schwarz-gelben Kompromiss.

Die Einigung der Regierungskoalition gab den Aktien von RWE und Eon vorbörslich Auftrieb. Die Papiere notierten bei Lang & Schwarz jeweils rund 1,5 Prozent über ihren Schlusskursen vom vergangenen Freitag. Die Eckpunkte der Vereinbarung lägen im Rahmen der Erwartungen, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die Belastungen durch die Brennelemente-Steuer seien finanzierbar. Die Laufzeit-Verlängerung sei allerdings noch nicht in trockenen Tüchern, betonte Ruland. Schließlich sei noch unklar, ob der Bundesrat zustimmen müsse. Außerdem habe die SPD bereits angekündigt, die Verlängerung im Falle einer Regierungsübernahme rückgängig machen zu wollen.

Der im Kanzleramt ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass jüngere Kernkraftwerke - ab dem Baujahr 1980 - 14 Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant, ältere Meiler 8 Jahre zusätzlich. Das bedeutet, dass die letzten Kernkraftwerke voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen. Bisher gilt nach dem von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg eine Laufzeit von 32 Jahren. Danach wäre der letzte der 17 Atommeiler in Deutschland nach aktuellem Stand 2025 vom Netz gegangen.

Röttgen sprach von einem „großen Erfolg“ für die langfristige Versorgung mit erneuerbarer Energie. Brüderle nannte die Einigung ein gutes Konzept. Es würden in den nächsten Jahren 15 Mrd. Euro für die Öko-Energie „generiert“. Der Umbau der Stromversorgung werde somit forciert. Dies sei nicht nur wichtig für den Klimaschutz. Es gehe auch um die Technologieführerschaft Deutschlands.

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18 Kommentare zu "Längere Laufzeiten: Atom-Konzept der Regierung stößt auf massive Kritik"

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  • ich finde allerdings auch das 14 Jahre eine annehmbare Zeit ist wenn man dann wirklich zu 100% davon ausgehen kann dass die Meiler Abgeschaltet werden. ich wohne unmittelbar am AKW Krümmel (Geesthacht)und bin sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. ich hätte mir natürlich wie viele andere auch Gewünscht dass die "Anfälligen" AKWs sofort abgeschaltet werden aber das ist wie wir alle sehen selbst nach einigen Pannen nicht möglich.

  • Sind alle AKWs abgeschaltet kommt unweigerlich die nächste Frage: Was passiert mit den Ruinen?
    Das ist Kern der Laufzeitverlängerung. Denn die Antwort darauf wird teuer.
    Da verkauft man lieber noch einige Jahre den überschüssigen Strom billig ins Ausland und versucht sich in seine Rente zu hangeln.

  • @ (12)Tom

    Sehr geehrter Tom!

    im Energiehandel mit Frankreich hat Deutschland ein erhebliches Defizit. Da haben Sie Recht! Allerdings ist gleichzeitig der Überschuss, den Deutschland besonders im Energiehandel mit Österreich, Schweiz und den Niederlanden erzielt noch größer. Aufgrund seiner Lage ist Deutschland ein Transitland für den französischen Strom, an dessen Durchleitung natürlich wieder die Netzbetreiber verdienen. insgesamt exportiert Deutschland mehr Strom als es importiert und produziert damit - mit zugegeben großem Abstand - den größten Stomüberschuss nach Frankreich. im trockenen Sommer 2008 dagegen war Frankreich zeitweise sogar gezwungen, Strom aus Deutschland zu importieren, weil wegen der niedrigen Pegelstände der Flüsse die Leistung der AKW's bis nahe an den Stillstand reduziert werden mußte.

    Wenn Sie schon so ein vehementer befürworter der Atomkraft sind, sollten Sie doch davon Abstand nehmen, mit Lügen zu argumentieren. Damit erweisen sie ihresgleichen und ihrer Sache doch nur einen bärendienst.

  • Der Staat saniert sich!
    und wer trägt die Kosten?
    Dreimal dürft ihr raten!

    Angela will Verträge mit den Atomis.
    Droht mit der Gesetzeskeule!

    Die liegt im Schrank.
    So wie bei den banken!

    ist doch komisch, wie die bösen buben selbst eine Physikerin am Nasenring haben.

    Man kann nur hoffen, dass das Trullaspiel ohne GAU über die bühne geht.

    Hätten wir uns blos nicht so verschuldet!

  • @Torsten Steinberg: Danke für diesen interessanten Kommentar. ich bin auch ein Gegner der jüngst getroffenen Entscheidungen, kann ihre Argumente jedoch schon nachvollziehen. im Prinzip sind 14 Jahre keine lange Zeit - wenn die Abschaltung dann tatsächlich stattfindet. Politisch gesehen - und das ist ein ganz anderes Thema - helfen solche Debatten natürlich nicht gerade dabei, das Vertrauen deer Wähler in die parlamentarische Politik wieder zu stärken. Der Kommentar von Gabriel ist damit übrigens auch gemeint.

  • Wegen mir sollen doch die Atomkonzerne ihre Kraftwerke solange laufen lassen, solange sie wollen, aber sie sollen sich einfach um den durch sie verursachten Müll kümmern - Verursacherprinzip!!!

    Das Thema um das "Endlager" dreht sich doch schon seit Jahrzehnten, und bis heute keine Lösung, meine Vermutung ist daß es auf unserem Planeten keinen Ort gibt oder geben wird, der die bezeichnung "Endlager" verdient hat!

    Das nächste ist, daß alle Atomkraftbefürworter ständig von Endlagern sprechen, die in Zukunft garantiert vorhanden sein werden, aber keiner der Atomkraftbefürworter will so ein "Endlager" vor seiner Tür haben, wetten?!?

    Das ist doch alles Propaganda und zeigt mal wieder, in was für einer tollen "Demokratie" wir leben!

  • Liebe Französische Nachbarn !
    Deutschland steuert mit Volldampf auf einen Energieengpass mit völlig überhöhten Preisen zu.
    Da es ein gewisses Ungleichgewicht in Nachfrage und Angebot geben wird, sollten sie ihre Aktivitäten die die Elektroenergieerzeugung durch Kernkraft betrifft weiter ausbauen . Deutschland ist in wenigen Jahren ein dankbarer Abnehmer von Strom aus ihren Kernenergieanlagen !

    im Voraus vielen Dank !
    Ein Verbraucher

  • Hugh! Die Atomkraftbefürworter haben gesprochen. Die Atomkraftgegner schalten erwartungsgemäß auf Fundamentalopposition. Spätestens nach den nächsten Wahlen hat sich der letzte Nacht beschlossene "Kompromiß" ohnehin erledigt, glaubt man Gabriels Worten.

    Gibt es aber vielleicht doch Überlegungen, die Atomkraftgegener dazu bringen könnten, die vorgestellte Lösung mit zu tragen?

    1.) Während der verlängerten Laufzeit fällt Atommüll an, für den ein Endlager genausowenig vorhanden ist, wie für den Atommüll, der bei Erreichen der bisher gültig vereinbarten Laufzeit angefallen sein wird. Das heißt aber doch auch: Wenn für den ohnehin anfallenden Atommüll ein Endlager gefunden wird - was zwingend notwendig ist - wird dieses Endlager wohl auch den zusätzlich anfallenden Atommüll aufnehmen können.

    2.) Die 17 Atomkraftwerke in Deutschland steuern nur 11% zur aktuell gebrauchten Strommenge bei. Darum könnte man sie ohne Gefahr für die Sicherheit der Energieversorgung ebensogut zum bisher vorgesehenen Termin abschalten. Richtig! Umgekehrt läßt sich aber auch argumentieren, dass die Atomkraftwerke wegen ihres geringen Anteils an der Energieversorgung den Ausbau der regenerativen Energien nicht wirklich zu verhindern in der Lage sein werden. Gerade wenn man in betracht zieht, dass der individualverkehr stärker elektrifiziert werden soll, kann es sein, dass der Strombedarf mittelfristig deshalb sogar stärker zunehmen wird, als dass er durch Energiemaßnahmen auf der anderen Seite zurückgeht.

    3.) Wer als Atomkraftgegner gleichzeitig sich als Klimaretter verstehen will, wird vielleicht neben dem tränenden Auge, dass ihm die verlängerten Laufzeiten der AKW's bescheren, mit einem lachenden zur Kenntnis nehmen, dass dadurch einige Kohlekraftwerke, und zwar die mit der zweifelhaftesten Energiebilanz, früher abgeschaltet werden können.

    4.) Der "Kompromiß" bedeutet wenigstens keine Umkehr im Sinne einer erneuten Hinwendung zur Atomkraft, zum Neubau von Atomkraftwerken oder einer unbegrenzt verlängerten Laufzeit. Wenn Schluß ist, ist wirklich Schluß. Vielleicht könnte sogar die AKW-Opposition sich bereitfinden, ihre Unterschrift unter diesen "Kompromiß" zu setzen und ihn dadurch in den Rang einer wirklichen nationalen, verläßlichen und unbestreitbaren Konsenslösung zu heben, die nicht mit jeder Wahl wieder über den Haufen geworfen wird. Solange unsere jeweiligen, politischen Führungen nicht in der Lage sind, ein nachhaltiges, gegen alle kurzfristigen begehrlichkeiten und Anfeindungen gewappnetes Energiekonzept durchzusetzen, ist auch den befürwortern der regenerativen Energien wenig gedient, die mit gleicher Notwendigkeit verläßlicher Rahmendaten bedürfen.

    5.) im Sinne eines nationalen Konsens wäre es natürlich hilfreich, wenn die Regierungsparteien das Ergebnis ihrer 11-stündigen besprechungen nicht als in Stein gemeißelt betrachten, sondern zu gewissen Konzessionen sich bereit zeigen:
    a) Jährlich 200-300 Millionen Euro für den Umbau der Stromversorgung auf regenerative Energien in den ersten 6 Jahren sind ein Feigenblatt, über das schon Adam und Eva nur ein lautes Lachen übrig gehabt hätten. Der "Kompromiß" erweckt so den Eindruck, als wenn erst einmal 6 Jahre lang in Richtung dieses Umbaus nichts geschehen soll. Das ist unakzeptabel. Man könnte aber vielleicht in der Richtung einig werden, dass die Energiekonzerne zusätzlich zu den bereits vorgesehenen Vereinbarungen sich verpflichten, jährlich weitere 500 Millionen Euro dafür aufwenden, das Stromnetz den zukünftigen Erfordernissen anzupassen.
    b) im Gegenzug für die Zustimmung der Opposition zu diesem "Kompromiß" wird das Projekt "Desertec" angemessen in das Energiekonzept eingearbeitet, das noch diesen Monat vorgestellt werden soll.
    c) Die Sicherheits- und Modernisierungsmaßnahmen, die Herr Roettgen bei längeren Laufzeiten der AKW's vorgesehen hat, werden tatsächlich durchgesetzt, selbst wenn es dazu führt, dass die Laufzeit des einen oder anderen älteren AKW wegen Unrentabilität deshalb nicht verlängert wird. im Sinne eines nationalen Konsens darf dieser Punkt nicht als Totschlagargument mißbraucht werden. Sonst könnte man gleich in die Fundamentalopposition zurückfallen, in der sich die Atomkraftgegener derzeit bewegen.
    d) Die politische und finanzielle Unterstützung für Enregieeffizienzmaßnahmen wird nicht zurückgefahren, sondern bekommt einen gebührenden Platz im Ringen um eine klimafreundliche Energiepolitik zugewiesen.

    6.) bisher haben wir in Deutschland zwar viele Störfälle in AKW's gehabt, aber keine gravierenden Unfälle. Wer bisher hoffte, dass sich daran bis 2023 nichts ändert, kann diese Hoffnung vielleicht auch noch 14 weitere Jahre aufrecht erhalten, zumal die Anzahl der Kraftwerke, für deren reibungslosen betrieb es gilt die Daumen zu drücken, im Laufe der Jahre sich reduziert.

    Mir ist trotzdem nicht wohl bei dem Gedanken an die Laufzeitverlängerung, doch in der Hoffnung, dass wir auch diese Jahre noch überleben werden, würde ich trotzdem mit der Laufzeitverlängerung leben können. Deutschland kann damit immer noch als Vorbild dienen für die Länder, die jetzt sogar die Planung neuer AKW's vorsehen. Und wir könnten als Vorbild dienen, wenn es darum geht, wie man den Weg in eine revolutionär neue Energieordnung sogar als wichtiges industrieland auf vernünftige Art und Weise und geschlossen im nationalen Konsens bereiten und beschreiten kann. Glück auf!

  • Der Zug ist doch abgefahren! Schwarz-Gelb hatte 8 Monate Zeit, fie Laufzeitverlängerung durch den bundesrat zu bringen und die Zeit verpennt.

    Die Roten und die Grünen brauchen eigentlich gar nicht zum bVG, denn 2013 wird unter Kanzlerin Nahles eh alles zurückgedreht.

    Wenn die Klage kommt, dann nur, um der Koalition eine weitere Schlappe beizubringen und damit die eigenen Wahlchancen zu erhöhen.

    Und wenn dann ab 2020 die Energiepreise massiv steigen und Arbeitsplätze ins Ausland gehen, finden wir bestimmt einen schwarzen Peter wie immer, wenn die Politik es versiebt hat.

  • Was sagen eigentlich unsere grünen Dogmatiker (Kernenergie=böööse) dazu? Wie wollen die in ein paar Jahren die entstehenden Lücken in der Energieversorgung wieder auffüllen? Wenn erst einmal das Zeitalter der Elektroautos anbricht werden wir eher noch mehr! elektrische Energie benötigen. Solarzellen bringen von der Energiebilanz her fast nichts und Windräder werden in der Praxis nur einen geringen Teil des bedarfs decken können.
    Also, ihr grünen Heuchler, wo ist euer Konzept? Vielleicht in Zukunft 95% Leistung aus tschechischen Atomkraftwerken mit 5% Leistung aus regenerativen Energiequellen mischen (Ökomix)? Oder Solarpanele auf die Dächer neuer Kohlekraftwerke stellen? Vielleicht drückt der Treibhauseffekt bei euch Grünen ja ein Auge zu?

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