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Landser-Romantik und Hakenkreuze Die Bundeswehr und der Geist der Wehrmacht

Die Wehrmacht ist nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr. Das hat die Verteidigungsministerin vor wenigen Tagen klargestellt. Helme, Waffen und Devotionalien in Kasernen sprechen eine andere Sprache.
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Eine Maschinenpistole vom Typ MP 40 und ein Wehrmachtssoldat an der Wand des Aufenthaltsraums in der Bundeswehrkaserne in Illkirch bei Straßburg. Quelle: dpa
Wehrmachtsandenken bei der Bundeswehr

Eine Maschinenpistole vom Typ MP 40 und ein Wehrmachtssoldat an der Wand des Aufenthaltsraums in der Bundeswehrkaserne in Illkirch bei Straßburg.

(Foto: dpa)

Berlin Wehrmachtshelme im Regal, heroische Landser-Malereien an der Wand, historische Waffen in der Ecke: Die Inneneinrichtung eines Gemeinschaftsraums in der Kaserne im französischen Illkirch hat die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Dort, wo der rechtsextreme Oberleutnant Franco A. seinen Dienst verrichtete und womöglich einen Anschlag plante, wurden neben anderen militärhistorischen Erinnerungsstücken im Gruppenraum Andenken an die Wehrmacht glorifiziert. Nach einem Rundgang macht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen klar: „Die Wehrmacht ist in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr.“ Aber ist das wirklich so?

Die Affäre um rechtsextreme Umtriebe in der Bundeswehr hat eine Diskussion um die Traditionen der Truppe entfacht. Wie viel Wehrmacht steckt noch in der Bundeswehr? Bereits vor Jahrzehnten verließ der letzte ehemalige Wehrmachtssoldat die Bundeswehr. „Aber der Geist der Wehrmacht scheint durch Symbole und Devotionalien immer noch partiell vorhanden zu sein“, meint der Obmann der Linken im Verteidigungsausschuss der Bundestags, Alexander Neu.

Tradition ist wichtig in der Truppe: Wer kämpfe, sein Leben für Werte und Vaterland riskiere, der brauche Identifikationssymbole, Bräuche und Sitten, Rituale und Zeremonien, sagen Militärs. Deutsche Soldaten dürfen sich auf gewisse Traditionslinien berufen, sie dürfen etwa stolz sein auf die preußischen Heeresreformer oder den Widerstand im Dritten Reich. Das Dritte Reich selbst aber gehört nicht dazu.

Mali überholt Afghanistan
Bundeswehr in Mali
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Der Bundestag hat die Ausweitung des Bundeswehreinsatzes im westafrikanischen Mali beschlossen. Bereits an diesem Freitag beginnt die Verlegung acht deutscher Kampf- und Transporthubschrauber in den gefährlichen Norden des Krisenstaates. Fünf Gründe, warum Mali damit das wichtigste Einsatzgebiet der Bundeswehr wird.

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Truppenstärke:
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Künftig können bis zu 1000 Soldaten an der UN-Mission zur Umsetzung des Friedensabkommens für Mali teilnehmen. Bisher waren es maximal 650. Hinzu kommen bis zu 300 Soldaten, die im Süden des von islamistischen Rebellen terrorisierten Landes die Armee ausbilden. Damit werden in Mali bald so viele Soldaten stationiert sein wie in keinem anderen Land der Welt. In Afghanistan, dem bisher größten Einsatz, liegt die Obergrenze bei 980 Soldaten. Einst waren es dort mehr als 5000.

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Rückzug aus Afghanistan
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Der Einsatz im Hindukusch gilt als Auslaufmodell. Die Nato hat dort den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban der einheimischen Armee überlassen. Die internationalen Truppen sind nur noch zur Beratung und Ausbildung da. Die meisten der gut 900 deutschen Soldaten werden selbst dafür nicht mehr eingesetzt, sondern betreiben nur noch das Feldlager in Masar-i-Scharif. Hinzu kommt, dass die Fortsetzung des Einsatzes ganz und gar von den USA abhängt, die den größten Teil der Nato-Truppe stellen. Sollte also US-Präsident Donald Trump den Abzug seiner Truppen anordnen, dann ist Schluss am Hindukusch.

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Europas Verantwortung
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In Mali ist das ganz anders. Die Amerikaner haben es seit Beginn der Krise den Europäern und Afrikanern überlassen, die Probleme in den Griff zu bekommen. Als der Norden Malis 2012 in die Hände von Rebellen fiel, intervenierte Frankreich. Um die Ausbildung der malischen Armee kümmert sich jetzt die EU. Und an der UN-Friedensmission sind zwar überwiegend Afrikaner beteiligt. Aber hochwertiges Gerät wie Drohnen und Hubschrauber samt Personal stellen Länder wie Deutschland und die Niederlande.

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Verantwortung in den vereinten Nationen
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Deutschland ist lange Zeit für mangelndes Engagement in UN-Friedensmissionen kritisiert worden. Die einzige größere Beteiligung an einem Einsatz der Vereinten Nationen gab es bisher bei der Kontrolle des Waffenschmuggels vor der libanesischen Küste. Aber auch dort sind nur 130 deutsche Soldaten eingesetzt. In Mali kann Deutschland jetzt zeigen, dass es auch in den UN bereit ist, mehr militärische Verantwortung zu übernehmen.

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Flüchtlingsrouten
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Das ist vielleicht der wichtigste Grund für die große Bedeutung des Mali-Einsatzes: Durch Mali und das Nachbarland Niger laufen die wichtigsten Flüchtlingsrouten zur libyschen Mittelmeerküste. Die Bekämpfung von Fluchtursachen hat in der deutschen Sicherheitspolitik eine sehr hohe Priorität. Deswegen war im vergangenen Jahr auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon in der Region und besuchte auch Mali. Sie hat Afrika zu einem Schwerpunktthema der laufenden deutschen G20-Präsidentschaft erklärt. Der Kontinent ist also inzwischen ganz klar Chefsache.

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Bis zu diesem Dienstag werden nun alle Kasernen nach Andenken an dunkle Zeiten durchkämmt. Es wird nicht bei den Helmen aus Illkirch bleiben, da sind sich Experten sicher. „Es passiert uns immer wieder, dass wir Menschen haben, die unreflektiert Dinge in Kasernen bringen, das wollen wir nicht haben“, meint etwa der Inspekteur des Heeres, Jörg Vollmer. Immer wieder würden Devotionalien in die Kasernen geschleppt, aus Gedankenlosigkeit oder Absicht. Vollmer ärgert das.

Nicht wenige Soldaten reden mitunter noch mit einem Hauch Bewunderung von der Wehrmacht, zumindest was einzelne militärische Entscheidungen und Operationen angeht. „Die Wehrmacht war eine sehr erfolgreiche Armee, innerhalb weniger Monate hat sie halb Europa unterworfen, sie ist beispielhaft für Kampf und Kriegsführung damaliger Zeit. Das produziert Bewunderung und hat eine Vorbildfunktion im kämpferischen Sinne“, sagt Neu. Die historische Forschung hält es aber weithin für erwiesen, dass die Wehrmacht während der Nazi-Diktatur unter anderem in der damaligen Sowjetunion an Kriegsverbrechen gegen Juden, Kriegsgefangene und Zivilisten beteiligt war.

Trotzdem sind auch mehr als 60 Jahre nach Gründung der Bundeswehr noch viele Kasernen nach militärischen Größen aus Wehrmachtszeiten benannt – etwa die Lent-Kaserne in Rotenburg nach Oberst Helmut Lent, ein erfolgreicher Nachtjäger-Pilot. Oder die Kaserne in Delmenhorst nach dem Feldwebel Diedrich Lilienthal. Eine ganze Reihe Kasernen, die Namen nationalsozialistisch belasteter Generäle trugen, wurde bereits umbenannt. So wurde 1995 nach heftigem öffentlichen Streit aus der Generaloberst-Dietl-Kaserne in Füssen die Allgäu-Kaserne.

Dennoch erinnert immer noch eine Handvoll Namen an die Nazi-Zeit. Das Umbenennen sei nicht so einfach, auch die Gemeinden hätten ein Wort mitzureden, heißt es in der Bundeswehr. Linken-Politiker Neu wirft der Regierung vor, die Verantwortung auf die Kommunen abzuwälzen.

Die Unsicherheit über das historische Erbe ist unter Soldaten groß. Die Bundeswehr will prüfen, ob Devotionalien wie Helme oder Waffen im Einklang stehen mit dem sogenannten Traditionserlass, der regelt, was Soldaten sammeln und aufhängen, auf was sie stolz sein dürfen. Doch der Erlass ist alt und an entscheidenden Stellen vage. Von der Leyen will ihn deshalb überarbeiten lassen.

Was entfernt werden soll, hängt auch davon ab, wie die Gegenstände präsentiert werden. Historisches aus Wehrmachtsbeständen, das in einem „didaktischen Kontext“ gezeigt werde, etwa im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten, sei nicht betroffen, hieß es.

Heeresinspekteur Vollmer sagt, man müsse den Soldaten auch erklären, warum man nicht einfach einen Wehrmachtshelm in das Regal der Stube stellen kann. „Jetzt hinzugehen und zu sagen „weg“ - das ist das eine, aber wir müssen diejenigen, die es hingehängt oder dabei zugeguckt haben, auch mitnehmen; wir müssen ihnen erklären, was daran falsch ist, und Verständnis erreichen.“

Vollmer plädiert dafür, dass sich die Soldaten auf der Suche nach Idolen aus der jüngeren Geschichte bedienen. „Wir haben 60 Jahre Bundeswehr“, meint er. „Wir haben so viel Gemeinsamkeiten erlebt, da gibt es so vieles aus den Einsätzen des Heeres festzuhalten und sich daran beispielhaft zu erinnern.“ Auch Fotos von Kameraden aus Afghanistan, aus Mali oder Bosnien, oder Urkunden vom Offizierslehrgang finde man zuhauf in den Kasernen.

  • dpa
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