Landtagswahl Bayerische Wirtschaft sorgt sich um ihre Erfolge

Die bayerischen Unternehmen strotzen vor Kraft. Eine Wahlniederlage der CSU würde der Wirtschaft nicht ins Konzept passen – sie versucht, sich Mut zu machen.
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Dem Präsidenten des Vereins der bayerischen Wirtschaft (vbw), Alfred Gaffal, bereiten die schlechten Umfragergebnisse der CSU Sorgen. Auch Kritik an CSU-Chef Seehofer wird laut. Quelle: Peter Kneffel/dpa
Horst Seehofer und Alfred Gaffal (v.l.)

Dem Präsidenten des Vereins der bayerischen Wirtschaft (vbw), Alfred Gaffal, bereiten die schlechten Umfragergebnisse der CSU Sorgen. Auch Kritik an CSU-Chef Seehofer wird laut.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Berlin, MünchenSchon seit den Zeiten von Franz Josef Strauß ist das Verhältnis zwischen der Wirtschaft und der CSU in Bayern besonders eng. „Ich bau die Autobahn und Du das Werk“, habe ihr Vater einmal zu Eberhard von Kuenheim gesagt, erzählte Strauß-Tochter Monika Hohlmeier vor wenigen Tagen bei einem Festessen zum 90. Geburtstag des legendären BMW-Chefs.

Von Kuenheim sei neben Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., der zweite große Mann gewesen, der oft bei Strauß ein- und ausgegangen sei, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommen habe.

Das enge Verhältnis gibt es bis heute. Zu der Feier im Haus der Bayerischen Wirtschaft kamen frühere bayerische CSU-Minister ebenso wie der ehemalige Landtagsfraktions-Chef Alois Glück. Doch nun fürchten viele Unternehmer im Freistaat um die Stabilität. „Den Menschen in unserem schönen Bayern geht es heute so gut, weil wir bei uns eine gute Mischung aus gesunder wirtschaftlicher Struktur und einer guten Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik haben – die auch hoffentlich nach dem Sonntag so bleibt“, sagte Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW).

Seit vielen Jahren feiert Bayern wirtschaftliche Erfolge. Die Unternehmen – von Dax-Größen wie Siemens bis hin zu innovativen Start-ups – bescheren dem Land sprudelnde Steuereinnahmen, die Landesregierung revanchiert sich mit guten Rahmenbedingungen. Bayern hat sich so innerhalb weniger Jahrzehnte vom Agrarland zum begehrten High-Tech-Standort entwickelt.

Doch nun könnte es passieren, dass sich die klaren Verhältnisse mit der Landtagswahl am Sonntag wandeln. Wird sich die CSU am Ende einen Partner suchen müssen, der weniger wirtschaftsfreundlich ist als die CSU? Allein die Vorstellung, dass die Grünen künftig mitregieren könnten, treibt manchem Unternehmer Schweißperlen auf die Stirn.

Die bayerische Wirtschaft macht sich Mut, dass am Ende – unabhängig vom Wahlausgang – alles gut wird. „Bayern steht bei allen wirtschaftlichen Kennzahlen hervorragend da. Darum werden wir in Deutschland und Europa beneidet. Das ist ein großer Erfolg. Das muss unabhängig von der künftigen politischen Konstellation so bleiben“, sagte VBW-Präsident Gaffal dem Handelsblatt.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gibt sich gegenüber Unternehmern optimistisch. Kürzlich machte er im Haus der Bayerischen Wirtschaft seine Aufwartung. Der Europasaal war voll mit Unternehmern aus ganz Bayern, der Auftritt wurde zudem in einen Nachbarraum übertragen.

Bayern sei „objektiv stark und emotional klasse“, sagte der Ministerpräsident da. Mit 2,8 Prozent Arbeitslosigkeit herrscht im Freistaat nahezu Vollbeschäftigung, auch in Sachen Wachstum steht Bayern besser da als der Bund.

Und doch sehen die Umfragen für die CSU schlecht aus. Von internationalen Zeitungen gebe es Lob für sein Raumfahrtprogramm „Bavaria One“, sagte Söder. Einen „Riesenschub nach vorne“ könne das bringen. Doch im eigenen Land gab es viel Spott und Hohn, weil die Junge Union ein Logo mit einem riesigen Konterfei Söders aufgestellt hatte, das dieser dann auch noch selbst verbreitete.

Söder warb um die Gunst der Unternehmer. Mit der Aussicht auf Steuererleichterungen zum Beispiel und einem Pakt, um 250.000 Fachkräfte in Bayern in den nächsten Jahren zu gewinnen. Bei den Vertretern der Wirtschaft kam all das gut an. Es gab viel Applaus für den Ministerpräsidenten.

Werden die Freien Wähler zur Gefahr für die CSU?

Bei Weißwürsten und Obazdn machten hinter vorgehaltener Hand viele in erster Linie Horst Seehofer für die schlechten Umfragewerte der CSU verantwortlich. Dem standen viele von Beginn an leicht skeptisch gegenüber, er gilt als sprunghaft und nicht unbedingt als Mann der Wirtschaft. Bayern stehe blendend da, doch die CSU-Minister in Berlin hätten keine gute Figur gemacht, so ein Unternehmer.

Es sieht so aus, als habe die Wirtschaft in Bayern bereits die Schuldigen gefunden, falls die Wahlen am Sonntag tatsächlich in einem Debakel für die CSU enden sollten.

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